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Sabine Homilius ist Leiterin der Stadtbücherei.

Stadtbücherei

Frankfurt hat die Bibliothek des Jahres

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Die Zusammenarbeit der Stadtbücherei mit den Schulen gilt deutschlandweit als vorbildlich.

Große Ehre für die Stadtbücherei: Am Mittwoch wurde sie als „Bibliothek des Jahres 2018“ ausgezeichnet – für die Arbeit ihrer Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (SBA).

Grundschüler in Frankfurt können aus einem Bücherrucksack auswählen, der auch Spiele, CDs und andere Medien enthält. Zusammengestellt wird er von der SBA, einer Art zentraler Servicepartner an der Schnittstelle von Stadtbücherei und den 111 Frankfurter Schulbibliotheken. Knapp 60 000 Schüler erhalten damit unabhängig von ihrem sozialen oder familiären Hintergrund Zugang zu Wissen und Literatur.

„Je früher man direkt ans Kind adressiert, desto besser“, sagt Sabine Homilius, die Leiterin der Stadtbücherei, in einer städtischen Mitteilung. Dazu können die Schulbibliotheken bei der SBA jedes Jahr maßgeschneiderte Medienpakete bestellen und Lehrer fortbilden lassen. Auch das Geld für den Bücherkauf erhalten die Schulen von der Arbeitsstelle mit ihren 25 Mitarbeitern. In den Schulbibliotheken hingegen sind mehrere Hundert Ehrenamtliche aktiv.

Ganz selbstverständlich bezieht die SBA in ihre Arbeit digitale Medien ein. #Ipäd heißt ein Projekt, das spielerisch den Umgang mit Apps näherbringt. Schüler bis zu einem Alter von zwölf Jahren können sich auf Schatzsuche durch die Bibliothek und auf Weltreisen begeben sowie bei Erzählwettbewerben mitmachen. „Gedrucktes Buch und digitales Medium ergänzen sich, das iPad wird zum Werkzeug für kreative Ideen“, sagt Homilius. Die Stadtbibliothek suche immer das Verbindende zwischen Digital und Analog, nicht das Trennende.

Auch das Vorlesen wird gefördert. Dabei wird das Elternhaus mit speziellen „Eltern-Kind-Abenden“ einbezogen – gezielt in Stadtteilen mit einem hohen Anteil an bildungsfernen Familien.

Gegründet wurde die SBA 1974, seitdem hat sie ihr Angebot kontinuierlich ausgebaut. Jetzt, mehr als 40 Jahre später, erhält sie die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung. „Nach so langer, so guter Arbeit diesen Preis zu bekommen, ist eine Genugtuung“, sagt Homilius.

Verliehen wird der Preis vom Deutschen Bibliotheksverband, dessen Vorsitzende Barbara Lison von einem deutlichen bildungspolitischen Signal spricht: „Die Leistungen der Schulbibliotheken im Bildungssystem müssen endlich auch in Deutschland anerkannt werden“ – und damit auch die der Stadtbibliotheken als Bildungspartner.

Denn was in Frankfurt funktioniert, ist andernorts längst keine Selbstverständlichkeit. Eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie ergab, dass lediglich zwölf Prozent der Ganztagsschulen im Primarbereich mit Bibliotheken kooperieren. Damit bleiben die großen Potenziale der Büchereien ungenutzt – zugleich sind die Schulen mit eigenen Lese- und Medienangeboten gerade in digitaler Form oft überfordert.

Für die Verwendung des Preisgeldes, an dem sich auch die Stiftung der Deutschen Telekom beteiligt, hat sich die SBA etwas Besonderes einfallen lassen. „Wir schicken Roboter auf Bildungsmission“, sagt Homilius. Nächstes Jahr können Lehrer erstmals Lernroboter für den Einsatz im Unterricht ausleihen, um Interesse an Programmierung und Robotertechnik zu wecken. (mit dpa)

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