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Volker Rothenburger, 61, ist der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Frankfurter Umweltamt. Die Stelle befasst sich mit Verstößen gegen die Naturschutzbestimmungen, gibt Beurteilungen und ab und ist vor Bauprojekten anzuhören.
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Volker Rothenburger, 61, ist der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Frankfurter Umweltamt. Die Stelle befasst sich mit Verstößen gegen die Naturschutzbestimmungen, gibt Beurteilungen und ab und ist vor Bauprojekten anzuhören.

Stadftnatur

Frankfurt: „Bewusstsein für Naturschutz wächst“

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Volker Rothenburger achtet in Frankfurt darauf, dass Lebensräume für Tiere erhalten bleiben.

Herr Rothenburger, haben Sie häufig mit Konflikten zwischen Baugebieten und bedrohten Tierarten zu tun?

Es ist üblich, dass in Baugebieten Tierarten vorkommen, die unter strengem Schutz stehen und deren Fortpflanzungs- und Ruhestätten man nicht einfach zerstören darf. Zum Gesamtplanungskonzept gehört dann, dass man den Tieren an anderer Stelle neue Lebensräume anbietet.

Klingt, als wäre es der Normalfall in Frankfurt.

Bei der Bebauung des Henninger-Geländes nistete zum Beispiel der Wanderfalke im alten Turm, für den wurde ein Ersatzlebensraum angeboten. Beim Bau des Europa-Quartiers wurde die Mauereidechse per Hand auf eine andere Fläche umgesiedelt. Wir haben bei geplanten Baugebieten, zum Beispiel östlich Bodenweg in Bornheim, den Gartenrotschwanz, dessen Zahl ganz stark zurückgeht. Da ist auch ein Ersatzquartier vorbereitet mit Streuobstbäumen und Niststätten. Das heißt: Ja, es ist der Regelfall.

Wie setzt man Tiere, etwa Eidechsen, um?

Als letztes Mittel kann man auch Umsetzen. Besser wäre aber eine Vergrämung, so heißt das fachlich. Die Lebensräume werden also mit einer gewissen Vorbereitung zerstört, Gebüsche oder Totholzhaufen entfernt. Direkt neben dem Baufeld schafft man ihnen einen temporären Lebensraum. Nach Abschluss der Baumaßnahme können sie selbstständig in ihren wiederhergestellten Bereich zurückwandern.

Ist der Feldhamster oft betroffen?

Oft leider nicht – wir haben ja kaum noch welche. Aber der Feldhamster, bundesweit stark im Rückgang, ist eine der wenigen Tierarten, bei denen Vergrämung und Umsiedelung nicht möglich sind. Es zeigt sich, dass sonst die Populationen erlöschen wegen der nicht vorhandenen Stressresistenz. Die wenigen Feldhamsterbiotope, die Hessen noch hat, müssen erhalten werden, vor Ort.

Welche Arten sind noch im Fokus?

Viele Fledermäuse, die in alten Obstbäumen oder Gebäuden ihr Tagesquartier haben. Dann Gebäudebrüter wie Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalben. Wir haben in Frankfurt einen Schwerpunkt mit Mauer- und Zauneidechsen in der Nähe von Bahngleisen. Und wir haben hier zehn Prozent des hessischen Wanderfalkenbestands. Bei allen Abrissvorhaben von Gebäuden haben wir immer geschützte Arten. Das ist unser Tagesgeschäft. Daran sieht man, dass Artenschutz kein Planungshindernis ist. Wir machen im Gegenteil die Erfahrung, dass gerade die professionellen Bauträger das Thema vom ersten Tag an in ihre Pläne einbeziehen und sich mit den Naturschutzbehörden abstimmen.

Hat sich da das Bewusstsein verändert in jüngerer Zeit?

Absolut. Bei den Profis, die Großprojekte bauen, ist es überhaupt kein Problem. Für kleinere Bauherren oder Architekturbüros ist es eher mal Neuland, dass auch auf einem kleinen Baugrundstück Artenschutz zu beachten ist.

Interview: Thomas Stillbauer

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