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Frankfurt: Bewerbungsgespräch mit einem Avatar

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Von: Steven Micksch

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Das Team ASKN (von vorn): Antares Vega Rubio, Nursel Ayar, Karenina Tariman und Stefanie Eymann.
Das Team ASKN (von vorn): Antares Vega Rubio, Nursel Ayar, Karenina Tariman und Stefanie Eymann. © Peter Jülich

Vier Frauen wollen eine App entwickeln, um die Jobsuche erfolgreicher zu machen. Sie soll besonders Frauen mit Migrationsgeschichte helfen.

Freundlich lächelt der weibliche Avatar einen an und fragt, ob man sich für die Stelle der Fachinformatiker:in oder Elektroniker:in bewerben möchte. Sie fragt nach den Deutschkenntnissen und nach Stärken und Schwächen. Später geht es bei einem anderen Avatar in ein simuliertes Bewerbungsgespräch für die offene Stelle.

Noch ist die Anwendung für Bewerbungen nur ein Test, entworfen von Nursel Ayar, Stefanie Eymann, Antares Vega Rubio und Karenina Tariman. Doch die Idee der vier Frauen soll bald Realität werden, denn ihr Konzept einer KI-basierten Anwendung, die Arbeitssuchende durch Kommunikationstraining fit für Bewerbungsgespräche macht, war so überzeugend, dass es bei einem KI-Ideathon unter den Top3 landete und nun umgesetzt werden soll.

Neun Teams pitchten beim Event, das Teil des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Modellprojekts „Mit KI in eine smarte Zukunft – Frauen gestalten mit“ ist, ihre Projektideen. Ein Teil der vier Frauen kannte sich bereits vor der Online-Veranstaltung, doch im Quartett lernten sie sich erst dort kennen. Unter dem Namen „ASKN“ treten sie mittlerweile auf – eine Kombination aller Anfangsbuchstaben der Vornamen.

Alle vier bringen Erfahrung aus den Bereichen Erwachsenenbildung, E-Learning und Recruiting mit und wissen um häufige Probleme und Schwächen im System. „Die Idee entstand im Rahmen des Aufbaus einer Mediathek für Digitale Bildung in der Benachteiligtenförderung der LAG Arbeit in Hessen, die vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration gefördert wird“, sagt Vega Rubio, die bei der LAG arbeitet. Auch im Frauen-Softwarehaus, wo Eymann und Ayar als Dozentinnen arbeiten, und auf der Lernplattform adlerschule.de von Karenina Tariman werden zielgruppenorientierte Bewerbungstrainings durchgeführt und sollen um digitale Ansätze erweitert werden. Künstliche Intelligenz (KI) kann dabei großes Potenzial bieten, um Bewerber:innen individuell zu unterstützen.

Das Team beleuchtete die Seiten der Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen, so- dass unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten entstanden. Die Anwendung könne so zum Recruiting genutzt werden oder biete Jobsuchenden Einblicke in die Anforderungen verschiedener Berufsfelder.

Am Ende soll eine interaktive App für Smartphones entwickelt werden, die vorrangig individuelles Bewerbungstraining und eine Berufsorientierung bietet. Die Wissensvermittlung soll dabei auf spielerische Art und Weise erfolgen. Ein Stufensystem zeigt, wo man derzeit steht und auch was man bereits erreicht hat.

„Nach einer absolvierten Bewerbungsrunde gibt es Feedback von der App“, sagt Ayar. Dann wird analysiert, wie die Sprache genutzt wurde oder wie die vermittelten Inhalte im Gespräch waren. „Wir wollen auch einen geschützten Raum bieten, in dem beispielsweise Migrantinnen lernen, was ein Vorstellungsgespräch überhaupt ist und was einzelne Fragen bedeuten“, ergänzt Eymann.

Denn um einen Job zu finden, müssen beispielsweise Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen, viele Hürden überwinden. Die App soll ihnen helfen, besser zu werden. „Wir wollen Chancengleichheit herstellen“, beschreibt es Tariman. Wer beispielsweise an einer Schulungsmaßnahme teilnehme, vergesse ohne regelmäßige Übung vieles, auch seien solche Maßnahmen zeitlich begrenzt und von der Qualität des Dozierenden abhängig. Die App könne Abhilfe schaffen.

In einem nächsten Schritt wolle man nun Daten für die einzelnen Berufsfelder sammeln. Dadurch lerne die KI, welche Anforderungen welcher Job habe und was den Beruf überhaupt ausmacht. Ziel ist es, noch in diesem Jahr einen Prototyp zu präsentieren. Der Verein Jumpp, der den Ideathon durchgeführt hat, unterstützt die vier noch bis Jahresende mit Workshops, Beratung sowie einem Budget von 5000 Euro.

Kontakt zum ASKN-Team per E-Mail: asknhello@gmail.com

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