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Justiz

Bewährungsstrafe für Raser

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Ein 32 Jahre alter Mann rammt an einer roten Ampel einen Fahrradfahrer mit Tempo 90. Das Gericht verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe, der Täter selbst macht sich schlimme Vorwürfe.

Am 26. September 2019, kurz nach Mitternacht, fährt Goran S. wie ein skrupelloser Schwachkopf über den Alleenring. An der Ecke Taunusanlage / Junghofstraße springt die Ampel etwa 100 Meter vor ihn von Grün auf Gelb. Goran S. gibt Gas, mit mindestens 90 Kilometern pro Stunde brettert sein 235-PS-Audi über Rot.

Ebenfalls bei Rot will der 57 Jahre alte Frank I., schwer betrunken und vermutlich ohne Licht, mit seinem Fahrrad die Straße überqueren. Beim Zusammenprall wird er mehrere Meter durch die Luft geschleudert. I. stirbt noch am Unfallort.

Auf der Anklagebank des Amtsgerichts sitzt am Montagmorgen allerdings kein skrupelloser Schwachkopf. Es saßen in jüngster Zeit nicht wenige Totraser auf den Anklagebänken Frankfurter Gerichte. Das Reue-Schauspiel der meisten hätte nicht einmal für eine ARD-Nachmittagsserie gereicht. Wenn S. aber sagt, es gebe „nichts, was ich nicht dafür geben würde, um es ungeschehen zu machen – eine Hand, einen Fuß“, dann wirkt das zumindest ehrlich.

Sagen kann man freilich viel, aber bereits zwei Tage nach dem Unfall hatte S. sich in psychiatrische Therapie begeben. Seine Therapeutin protokolliert ihren Patienten als einen Mann, der furchtbar unter seiner Tat leide und „zitternd und weinend“ davon erzähle. Sie schätze S. grundsätzlich als „pflichtbewusst und an geltenden Regeln orientiert“ ein.

Unter Stress gestanden

Der 32 Jahre alte Kellner sagt, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls grundsätzlich unter Stress gestanden habe. Als junger Vater habe er seine Frau entlasten wollen, das aber nicht immer mit dem Arbeitsleben in Einklang bringen können. Dass seine Fahrweise an diesem Abend unverantwortlich war, gibt er zu.

Zwei Motorradfahrer sagen als Zeugen aus, sie wären bereits nahe dem Zoo auf S. aufmerksam geworden. Der habe immer wieder einen flotten Start hingelegt, um dann an der nächsten Ampel wieder bremsen zu müssen, während sie selbst gemütlich die Grüne Welle geritten seien. Viel mehr als 50 Kilometer pro Stunde sei M. ihrer Meinung nach nicht gefahren – bis er an besagter roter Ampel wohl durchgedreht sei. Den Fahrradfahrer haben beide nicht kommen sehen. „Der kam wie aus dem Nichts“, sagt einer der Motorradfahrer.

Das Amtsgericht verurteilt S. wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Sein Führerschein bleibt für mindestens drei weitere Jahre gesperrt. S. hatte allerdings zuvor auch erklärt, gegenwärtig sei er sich gar nicht so sicher, ob er jemals wieder Auto fahren wolle.

Die Familie des Opfers ist nicht zur Verhandlung erschienen. S. hat ihnen zwar bereits einen Brief geschrieben, würde ihnen aber gerne auch noch etwas sagen: Was er getan habe, könne man wohl nicht verzeihen, aber „bald ist Weihnachten und die Zeit des Vergebens. Ich bitte um Entschuldigung von Ihnen und von Gott.“

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