Capri Batterie
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Mitglieder der „Frankfurter Hauptschule“ mit der „Capri Batterie“.

Raubkunst für Afrika

Künstler:innen stehlen bedeutendes Werk aus Ausstellung – Fall nimmt überraschende Wende

  • Joel Schmidt
    vonJoel Schmidt
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Eine Kunstgruppe stiehlt eine Skulptur von Joseph Beuys. Sie übergibt sie als sogenannte Raubkunst an ein Museum in Tansania. Jetzt stellt sich heraus: Die Aktion war inszeniert.

  • Die Künstler:innengruppe „Frankfurter Hauptschule“ veröffentlicht ein Video, in dem sie den Diebstahl einer Skulptur dokumentiert.
  • Der Diebstahl einer Jospeh Beuys-Skulptur stellt sich jedoch als Inszenierung heraus.
  • Die Aktionskünstler:innen wollen eine Debatte zum Thema koloniale Beutekunst anstoßen.

Frankfurt – Nachdem sich am vergangenen Donnerstag (22.10.2020) die Künstler:innengruppe „Frankfurter Hauptschule“ zum Diebstahl der Skulptur „Capri Batterie“ von Joseph Beuys aus einer Ausstellung des Theaters Oberhausen bekannt hatte, ist diese nun überraschend wieder aufgetaucht. Und zwar nicht in einem ethnologischen Museum in Tansania, wie es ein Bekenner:innenvideo des Künstler:innenkollektivs zunächst vermuten ließ, sondern in Oberhausen selbst. Genauer gesagt: in den Galerie-Räumen der Ausstellung des Theaters Oberhausen, „im Abstellraum, in seiner Originalverpackung“, wie es in einer Mitteilung der „Frankfurter Hauptschule“ heißt.

Nach inszeniertem Diebstahl: Debatte zum Thema koloniale Beutekunst

In einem Video erklärt Deonis Mgumba, Kurator des ethnologischen Museums im tansanischen Iringa Boma, dass sein Team mit der Frankfurter Künstler:innengruppe im Falle des inszenierten Diebstahls von Joseph Beuys Kunstwerk kooperiert habe. „Die in Iringa entgegengenommene und ausgestellte Skulptur ist eine Fälschung der Frankfurter Hauptschule. Es ging dem Museum darum, Aufmerksamkeit für das Thema kolonialer Beutekunst und für ihre Forderung nach Restitution von geraubten Kunstgegenständen und insbesondere Schädeln und Gebeinen ihrer Vorfahren zu schaffen“, so Mgumba.

Aktionskünstler:innen der „Frankfurter Hauptschule“: Diebstahl der „Capri Batterie“

Als Beitrag zur Diskussion zum Thema kolonialer Beutekunst hatten die Künstler:innen behauptet, die Skulptur entwendet und sie einem ethnologischen Museum in der ehemaligen deutschen Kolonie Tansania übergeben zu haben. Als Beweis stellte das Künstler:innenkollektiv unter dem Titel „Bad Beuys go Africa“ einen dreieinhalbminütigen Clip ins Internet, in dem zu sehen ist, wie drei Maskierte mit leichter Hand die Beuys-Skulptur „Capri Batterie“ aus der Ausstellung „Verschmutzung. Körperzustände. Faschismus. Christoph Schlingensief und die Kunst“ in Oberhausen entwenden.

Der weitere Verlauf des Bekenner:innenvideos dokumentiert außerdem, wie die Frankfurter Künstler:innen mit guter Laune und sämtliche stereotypen Afrika-Klischees erfüllend, die Skulptur immer prominent im Bild, nach Tansania reisen. Ihr Ziel: das ethnologische Museum der 150.000 Einwohner:innen zählenden Stadt Iringa Boma, wo die Künstler:innen in feierlicher Stimmung den Repräsentant:innen des Hehe-Stammes die „Capri Batterie“ übergeben.

Die Übergabe der gefälschten Skulptur in Iringa Boma.

Nach inszeniertem Kunstdiebstahl: Viel Aufmerksamkeit für „Frankfurter Hauptschule“

Das Medienecho fiel nach Bekanntwerden der Aktion unterschiedlich aus. Während manche Kommentator:innen den Coup der Frankfurter Künstler:innen als anmaßend, unbedacht oder schlichtweg dumm bezeichneten, hielten andere sie hingegen für einen legitimen Anlass, um die Debatte über das Thema koloniale Beutekunst wieder aufzunehmen. Auch in der internationalen Presse fand der inszenierte Kunstdiebstahl Beachtung.

Die „Capri Batterie“ ist eine Skulptur von 1985 und besteht aus einer Zitrone, an die eine gelbe Glühbirne angebracht ist. Als „Perpetuum Mobile“ inszeniert, soll das Licht der Lampe durch die Zitrone wie Sonnenlicht in Strom verwandelt werden und schließlich wiederum die Glühbirne – so die Idee des Künstlers – 1000 Stunden leuchten lassen. Danach müsse die Batterie, also die Zitrone, gewechselt werden. (Joel Schmidt)

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