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Auch für Theaterleiterin und Schauspielerin Bettina Kaminski geht’s wieder bergauf.
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Auch für Theaterleiterin und Schauspielerin Bettina Kaminski geht’s wieder bergauf.

Frankfurt

Frankfurt: Bettina Kaminski will mit Theater die Welt verändern

  • VonAlina Hanss
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Bettina Kaminski von der Theaterleitung am Freien Schauspiel will mit ihrem Ensemble nun richtig loslegen. Das Porträt der Woche.

Es geht bergauf – kein Satz dürfte die vergangenen Wochen so sehr geprägt haben wie dieser. In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens kehrt Stück für Stück die Normalität zurück. Auch in der Kulturbranche, die besonders unter dem Lockdown gelitten hat, sind mehr und mehr Veranstaltungen möglich. Für Bettina Kaminski von der Theaterleitung am Freien Schauspiel Ensemble geht es jetzt ebenfalls bergauf.

Das Ensemble hat in der vergangenen Woche nach einer längeren Corona-Pause wieder eine Premiere auf die Bühne in Bockenheim gebracht. Kaminski arbeitet dort als Regisseurin und Leiterin, am wohlsten fühlt sich die gebürtige Essenerin jedoch als Schauspielerin auf der Bühne. Nach dem Abitur im Ruhrgebiet und dem fast schon klassischen Engagement in der Theater-AG des Gymnasiums entscheidet sie sich zunächst für ein Studium der Politikwissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt. Dass sie keine Theoretikerin ist, ahnt die quirlige Frau schnell und beginnt eine Schauspielausbildung.

„Ich wollte mit Theater die Welt verändern“, sagt Kaminski, „und denen eine Stimme geben, die nicht so gehört werden.“ Der Wunsch nach Veränderung prägt ihre Jugend in einem sozialdemokratischen Haushalt und zieht sich bis heute durch ihren Lebenslauf. „Ich bin immer noch eine Überzeugungstäterin.“ Bei der Wahl ihres ersten Theaters nach der Ausbildung orientiert sich Kaminski an der künstlerischen Ausrichtung, anstatt in der heiß umkämpften Branche der erstbesten Festanstellung zu folgen. So landet sie im Freien Schauspiel Ensemble.

An ihre erste Rolle erinnert sich die 54-Jährige genau: „Ich hatte einen Klumpfuß, eine dicke Brille und drei Sätze.“ Schnell etabliert sich die Nachwuchskünstlerin im Ensemble, die Rollen werden anspruchsvoller. In ihrer letzten Lieblingsrolle spielt sie die Frau eines todgeweihten Feuerwehrmanns, der nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl der Strahlung ausgesetzt war. Bis zu seinem Tod wacht die Ehefrau am Krankenbett ihres Mannes. Kaminski steht für kämpferische Charaktere, die ihrer Intuition folgen und bereit sind, bis ans Ende zu gehen.

Für die Darstellerin bedeutet Schauspiel, „den Menschen mit seinen Ängsten, Sehnsüchten, Aggressionen und extremen Widersprüchen für das Publikum erlebbar zu machen“. Durch die Auseinandersetzung mit der Figur profitiere sie nicht nur von anderen Menschen, sondern lerne auch sich selbst immer wieder auf verschiedene Arten kennen. „Die Aufgabe des Theaters ist es, die Geschichte in einer für alle verständlichen Sprache in Bild und Ton zu bringen“, sagt Kaminski. Die extremen Emotionen könnten auch zu einer Herausforderung für die Zuschauer:innen werden.

Aus diesem Grund bietet das Ensemble zu den Inszenierungen begleitende Diskussionsforen an. Über das Stück hinaus müsse das Publikum ins Gespräch kommen, um Schubladendenken abzubauen. „Durch Corona hat unsere sonst so lebendige Diskussionskultur extrem gelitten“, sagt Kaminski. „Zudem wird es ein längerer Prozess, bis wir unsere Mitmenschen nicht mehr nur als Virusträger wahrnehmen. Ungewohnte Umarmungen und Berührungen unter getesteten Schauspieler:innen zu sehen, kann dazu beitragen.“

Jetzt wagt das Theater die Öffnung unter den neuen Bedingungen. 28 Zuschauer:innen passen laut den Corona-Abstandsregeln in den Saal, in dem Rosa Luxemburg 1913 eine Rede zur Situation der Arbeiterklasse hielt. Lohnt sich die Aufführung? „Kultur ist unbezahlbar“, ist sich Bettina Kaminski sicher. Das Theater hat beim Bund im Rahmen eines Förderprogramms einen Antrag gestellt, mit dem Kultureinrichtungen unterstützt werden, die trotz Mindereinnahmen für Publikum öffnen.

Das Ensemble besteht von Beginn an aus freien Schauspieler:innen, die die Corona-Pandemie mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen überstehen mussten. Mithilfe von Spendenaktionen, Unterstützung von Stiftungen oder Arbeitsstipendien konnte die Zeit überbrückt werden. „Der Bedarf war groß und Stadt und Land haben gut unterstützt.“ Kaminski erwähnt auch den Koalitionsvertrag der neuen Stadtregierung, der mehr Geld für freie Kultur vorsehe.

Obwohl sie in der aktuellen Produktion nicht auf der Bühne steht, kann sich die Schauspielerin nicht ausruhen. Die Proben für die Herbstproduktion haben bereits begonnen. Außerdem arbeitet sie an einer Soloperformance, wird im Sommer auch wieder vor der Kamera stehen. „Kultur spielt eine entscheidende Rolle, die gesellschaftlichen Gräben, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind, zu überwinden.“ Bettina Kaminski ist optimistisch. Jetzt geht es wohl wirklich bergauf.

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