Eine Brandserie in linken Zentren in und um Frankfurt beschäftigt die Justiz. Die Betroffenen fordern eine umfassende Aufklärung. 
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Eine Brandserie in linken Zentren in und um Frankfurt beschäftigt die Justiz. Die Betroffenen fordern eine umfassende Aufklärung. (Symbolbild)

Prozessbeginn erwartet

Brandserie in linken Zentren rund um Frankfurt: Betroffene verlangen Aufklärung

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Seit September 2018 brannte es immer wieder in alternativen Wohnprojekten und linken Zentren rund um Frankfurt. Die Betroffenen fürchten, dass der Fall  „entpolitisiert“ wird.

  • Seit 2018 gab es mehrere Brände in linken Zentren und Wohnprojekten rund um Frankfurt
  • Ende 2019 wurde ein Mann festgenommen, der für die Brandserie verantwortlich sein soll 
  • Die Betroffenen üben Kritik an den Behörden, sie fordern mehr Transparenz

Frankfurt – Dass es um Feuer geht, wird schon auf den ersten Blick klar. Ein ganzes Bündel lichterloh brennender Streichhölzer ist ganz oben auf der Webseite zu sehen, daneben steht sowohl in roten als auch in schwarzen Lettern das Wort „Feurio“

Die Seite, die erst vor wenigen Tagen ins Netz gestellt wurde, nennt sich „Rhein-Main-Doku“ und thematisiert die Brandserie bei alternativen Wohnprojekten und linken Kulturzentren im Rhein-Main-Gebiet zwischen Herbst 2018 und dem Sommer vergangenen Jahres.

Brände in linken Zentren rund um Frankfurt: Prozessbeginn steht bevor

Man wolle über die Brandserie informieren und den zu erwartenden Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begleiten, heißt es auf der umfangreichen Seite, die auch ältere Pressemitteilungen der betroffenen Wohnprojekte, einen Pressespiegel und eine Chronologie enthält. Die Betreiber teilen mit, dass die Seite von Betroffenen der Brandserie und ihren Unterstützern erstellt werde. 

Schon vor Beginn eines Prozesses wolle man auf die Interessen der Betroffenen aufmerksam machen und ihre bereits in der Vergangenheit geäußerte Kritik erneuern, die Ermittlungsbehörden nähmen die Brandserie offenbar nicht ernst genug.

Frankfurt, Hanau, Schwalbach: Betroffene sehe Brände als Anschlagsserie 

Zwischen September 2018 und Juli vergangenen Jahres hatte es mehrfach in linken Kulturzentren und alternativen Wohnprojekten in Frankfurt und der Region gebrannt, unter anderem im „Café Exzess“ in Bockenheim, in den Hausprojekten „Au“ und „Assenland“ in Rödelheim, im Kulturzentrum „Metzgerstraße 8“ in Hanau und im Wohnprojekt „Knotenpunkt“ in Schwalbach. Verletzt wurde bei den Bränden niemand, es entstand aber teils erheblicher Sachschaden. Die betroffenen Projekte hatten stets betont, dass sie die Brände als Teil einer Anschlagsserie verstehen.

Anfang Dezember vergangenen Jahres war dann ein damals 46 Jahre alter Frankfurter verhaftet worden, der für Teile der Serie und weitere Brandstiftungen verantwortlich sein soll. Er befindet sich seit seiner Verhaftung in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen ihn laufen noch, wie eine Sprecherin der Frankfurter Rundschau bestätigte. Bisher bestreitet er die Vorwürfe.

Brandserie in linken Zentren rund um Frankfurt: Ermittlungen werfen Fragen auf 

Auf ihrer neuen Internetseite listen die Betroffenen der Brände eine Reihe von Fragen auf, die aus ihrer Sicht geklärt werden müssen. So sei nicht klar, warum der Verdächtige erst im vergangenen Dezember verhaftet wurde, obwohl er bereits ein Jahr zuvor von Nutzern des Zentrums „Metzgerstraße 8“ auf frischer Tat ertappt und an die Polizei übergeben worden war. Außerdem wollen die Betroffenen mehr über die Ermittlungen der Polizei wissen und befürchten, dass die politische Dimension der Angriffe auf linke Projekte bei einem Prozess unter den Tisch fallen könnte.

Der ganze Fall solle „entpolitisiert“ werden, heißt es von den Machern der Website. Man werde einen möglichen Prozess auch mit Protesten kritisch begleiten, um das zu verhindern.

Von Hanning Voigts 

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