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Die Frankfurter Delegation schippert mit dem Boot durch Guangzhous "grünes Herz".

Städtepartnerschaft

Frankfurt besucht den Partner in China

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Die Frankfurter Delegation reist nach Guangzhou. Ein Besuch zwischen Sightseeing und dem Pflegen der Messepartnerschaft beider Städte.

Wenn die Einwohner von Guangzhou sich erholen wollen, dann zieht es sie in das „grüne Herz“ der Stadt. In den Haizhu Wetland Park. Und in so einer 14-Millionen-Metropole mit hupenden Autos und ständig neu aus dem Boden schießenden Hochhäusern, da ist ein bisschen Grün und Ruhe auch immer mal nötig. Allerdings packt an so einem Sonntag nicht nur eine einzige Familie in Guangzhou Picknickdecke, Ball und Hula-Hoop-Reifen ein, um an Seen und Teichen in dem Wasserschutzgebiet zu entspannen: Es herrscht Hochbetrieb wie am heißesten Tag des Jahres in Frankfurt im Günthersburgpark.

Aber Frankfurts chinesische Partnerstadt hat nicht nur viel mehr Einwohner, der Park ist dann doch auch etwas größer als so ein Günthersburgpark. Elf Quadratkilometer misst er immerhin – die müssen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und seine Delegation aus Politik und Wirtschaft aber an diesem Sonntag nicht komplett ablaufen. Eigentlich müssen sie so gut wie gar nicht gehen. Steht doch eine Minibus bereit, um sie durch das Stück Natur in der City zu kutschieren. Und eine Bootsfahrt ist auch noch drin. Viel Grün ist überall zu sehen, aber kein Tier. „Gibt keine Wildtiere mehr“, sagt der chinesische Reiseleiter. „Die Chinesen essen Tiere einfach zu gerne.“

Am Samstagabend ist die Frankfurter Delegation in Guangzhou angekommen – natürlich nicht nur, um Parks zu besichtigen. Es geht bei der mehrtägigen Reise ums 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft und um wirtschaftliche Beziehungen. Und so steht auch ein Besuch der Messe am Sonntag auf dem Programm. Die Delegation freut sich, ist doch gerade Weinmesse in den Hallen – aber sie freut sich zu früh. Sie wird an den Hallen vorbeigeführt. Ist ja schließlich keiner zum reinen Vergnügen da, sondern um auch Gespräche mit dem stellvertretenden Messe-Chef Guangzhous, Xu Bing, zu führen.

Messe veranstaltet sechs Schauen in Guangzhou

Im Marmorsaal mit glitzerndem Mega-Kronleuchter sprechen Feldmann - der auch Aufsichtsratschef der Messe Frankfurt ist – und Bing vom Ausbau der Partnerschaft. Schon jetzt sind die Handelsbeziehungen zwischen den Messegesellschaften wichtig. So veranstaltet die Messe Frankfurt sechs Schauen in Guangzhou, etwa eine für Lichttechnik, eine für Veranstaltungstechnik. Frankfurt ist der größte ausländische Messehändler in der südchinesischen Partnerstadt. Und die Chinesen kommen wiederum nach Frankfurt als Aussteller. Es sei ein fruchtbarer Austausch, sagt Bing, es sei aber auch noch mehr Potenzial für die Zusammenarbeit vorhanden.

Das sieht auch Feldmann so. Er will „in eine neue Phase“ kommen und lädt nach Frankfurt ein „zum freien Meinungsaustausch“. Der Handel sei eine wesentliche Ebene, Völker zusammenzubringen. „Guangzhou ist schon zu kaiserlichen Zeiten ein Tor zur Welt gewesen.“ Es sei ein Partner in China, der verstehe, warum Öffnung, Nähe und Kontakt für Wohlstand entscheidend seien.

China ist insgesamt ein aufstrebender Schauplatz, in dem Frankfurt eine Rolle spielt. Da die Messe Guangzhou ein großer Investor in Shanghai ist, „trägt dieses Zusammenspiel dazu bei, dass uns dort Türen geöffnet wurden“, sagt Feldmann. In Shanghai richtet Frankfurt etwa die Automechanika aus. Insgesamt acht Büros und 40 Messen hat die Gesellschaft inzwischen in China. „Made in Germany heißt in China vor allem auch Made in Frankfurt“, sagt Feldmann.

Made in China ist auf jeden Fall der Tee, den die Delegation im Wetland-Park im Teehaus bekommt: Der erste Aufguss muss weg, der ist für den Feind. Made in China ist auch der Fernsehturm, an dem die Delegation mit dem Boot vorbeifährt. Der höchste Bau in Guangzhou, 600 Meter inklusive Antenne – und mit einen „Free-Fall“, bei dem man in schwindelerregender Geschwindigkeit nach unten saust. Nun, da kann Frankfurt nun tatsächlich nicht mithalten. Den Fernsehturm darf schon lange keiner mehr rauf.

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