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Frankfurt: Besetztes Haus im Gallus wird Notquartier

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Von: Christoph Manus

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Das Haus Günderrodestraße 5 im Frankfurter Gallus ist seit 3. Dezember besetzt. Das Kollektiv „Freiräume statt Glaspaläste“ will damit ein Zeichen gegen Gentrifizierung setzen, aber auch konkret Menschen in Not helfen.
Das Haus Günderrodestraße 5 im Frankfurter Gallus ist seit 3. Dezember besetzt. Das Kollektiv „Freiräume statt Glaspaläste“ will damit ein Zeichen gegen Gentrifizierung setzen, aber auch konkret Menschen in Not helfen. © Renate Hoyer

Die FAZ gestattet eine befristete Nutzung des besetzten Hauses im Frankfurter Gallus für Wohnungslose. Es soll jetzt so hergerichtet werden, dass mindestens 15 bis 20 Menschen Platz finden.

Für die Frauen und Männer, die am Samstag vor zweieinhalb Wochen ein leerstehendes Wohnhaus im Frankfurter Gallus besetzt haben, ist es ein großer Erfolg: Die Immobilie, die einer Grundschule weichen soll, darf übergangsweise von Wohnungslosen genutzt werden. Das ist am Dienstagabend nach mehreren Gesprächen, die das Kollektiv „Freiräume statt Glaspaläste“ unter anderem mit der „FAZ“ als Eigentümerin und der mehrheitlich städtischen Gesellschaft KEG als Mieterin des Gebäudes führte, vereinbart worden.

Zunächst war von einer möglichen Nutzung bis Ende März die Rede gewesen. Nun soll diese, wie die Gruppe am Abend mitteilte und die „FAZ“ bestätigte, bis Ende April andauern dürfen.

Verein Zukunft Bockenheim darf das Haus im Frankfurter Gallus bis Ende April nutzen

Die „FAZ“ hatte das Haus Günderrodestraße 5 nach eigenen Angaben 18 Jahre lang über die KEG als Mieterin und die Evangelische Wohnraumhilfe als Untermieterin sozial Bedürftigen zur Verfügung gestellt. Alle bisherigen Bewohner:innen mussten bereits vor Wochen ausziehen. Nun soll das Haus an der S-Bahn-Station Galluswarte zumindest übergangsweise wieder als Wohnraum dienen. Dazu verlängert die „FAZ“, wie eine Unternehmenssprecherin am Abend bestätigte, den Mietvertrag mit der KEG, der zum Jahresende auslaufen sollte, bis 30. April.

Diese wiederum gestattet dem Verein Zukunft Bockenheim, der die „Ada-Kantine“ auf dem Campus Bockenheim betreibt, die Liegenschaft zu nutzen. Diese Initiative wird dabei nach FR-Informationen mit der Gruppe „Project Shelter“, die für selbstverwaltete Unterkünfte für obdachlose Migrant:innen kämpft, und dem Kollektiv, das das Haus besetzt hat, zusammenarbeiten.

Wohnungslose sollen ab Mitte Januar im besetzen Haus im Frankfurter Gallus unterkommen können

„Wir sind heute sehr glücklich, uns endlich geeinigt zu haben“, sagte eine Sprecherin der Gruppe am Abend. Das Kollektiv hatte zuletzt gefordert, auch drei andere leerstehende Gebäude im Areal bis zum Abriss Wohnungslosen zur Verfügung zu stellen. „Auch wenn nicht auf alle unsere Forderungen eingegangen wurde, sind wir froh, den Wohnraum in den kommenden Wochen tatsächlich wohnungslosen Menschen zur Verfügung stellen zu können.“ Ziel sei, dass diese Nutzung Mitte Januar beginne. Das Haus biete mindestens 15 bis 20 Menschen Platz, sagte sie.

Schon am Vorabend hatte ein Sprecher die absehbare Einigung als Zeichen gewertet, dass es möglich sei, stadtpolitisch etwas zu verändern. Das sei auch dringend nötig, wie jüngst der Tod eines Obdachlosen, der offenbar vor einem Supermarkt im Gallus erfror, deutlich gezeigt habe.

Quartier im Frankfurter Gallus wird abgerissen und durch das Neubauviertel „Hellerhöfe“ ersetzt

Die besetzte Immobilie befindet sich im langjährigen Zeitungsviertel zwischen Mainzer Landstraße und Frankenallee, Günderrodestraße und Gutenbergstraße, das abgerissen und durch ein gemischtes Quartier namens „Hellerhöfe“ ersetzt werden soll. Ein Joint Venture der „FAZ“ mit der Frankfurter Societät, dem Kölner Immobilienunternehmen Bauwens und dem Family Office Daniel Hopp will Neubauten mit Platz für gut 500 Wohnungen, ein Bürohochhaus mit bis zu 60 Metern Höhe und zwei Kitas errichten. 177 geförderte Wohnungen sollen entstehen. In Nähe der S-Bahn-Station will die Stadt eine bis zu vierzügige Grundschule samt Sporthalle bauen. Dazu haben die Stadtverordneten am Donnerstag den Kauf des Grundstücks, auf dem das besetzte Haus steht, und mehrerer Nachbargrundstücke beschlossen.

Auch die Zeitungsgebäude sind bereits weitgehend geräumt. Die „FAZ“ ist gerade in ein Hochhaus an der Europa-Allee umgezogen, die Frankfurter Rundschau und Teile der „FNP“ sind seit kurzem in neuen Räumen in Sachsenhausen zu finden.

Die „FAZ“ hat nichts unternommen, um das besetzte Haus im Gallus zu räumen

Die „FAZ“ hatte sich von Anfang an sehr gesprächsbereit gezeigt und nichts unternommen, um das Haus räumen zu lassen. Auch in großen Teilen der Stadtpolitik war das Anliegen der Gruppe zumindest auf Verständnis gestoßen. Gleichzeitig verteidigte die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt das Neubauprojekt „Hellerhöfe“ aber gegen Kritik des Kollektivs an der aus dessen Sicht zu geringen Quote an gefördertem Wohnraum.

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