_20200807pj017_200820
+
Nicht nur wie hier am Luisenplatz treffen sich abends viele Menschen.

Bornheim

Beschwerden über Remmidemmi auf Straßen und Plätzen

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
    schließen

In Bornheim und im Ostend häufen sich Beschwerden über nächtliche Partys. Die Ortsbeiräte möchten die Probleme nun mit der Polizei und der Stadtpolizei besprechen.

Ab 23.30 Uhr wird es oft laut an der Friedberger Warte. Trinkfreudige tummeln sich dann rund um den historischen Turm in Bornheim. Zum Leidwesen der Anwohner. Denn bis in die Morgenstunden werde auf dem Platz gefeiert, haben die Anlieger Elsbeth Muche berichtet. „Da gibt es offenbar richtig Remmidemmi. Danach kann man die Uhr stellen“, sagt die Sozialbezirksvorsteherin in der Sitzung des Ortsbeirats 4 am Dienstag.

Es ist nicht der einzige Platz, der momentan als Partylocation genutzt wird, wenn es das Wetter zulässt. Überall im Ostend und in Bornheim komme es zu nächtlichen Lärmstörungen, Klagen über Wildpinkler und Verschmutzungen, berichteten mehrere Politiker am Dienstag. Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) hat Beschwerden aus dem gesamten Ortsbezirk erhalten. Am Hafenpark an der EZB etwa gebe es seit Mai Klagen von Anwohnern, dass sich auf dem Areal zum Teil Hunderte träfen. Viele reisten mit dem Auto an, „auch aus dem Umland“.

Als Treffpunkt werden derzeit verstärkt der Paul-Arnsberg-Platz an der Sonnemannstraße sowie die Weseler Werft genutzt, sagt Steib. Auch auf der oberen Berger Straße komme es in jüngster Zeit immer wieder zu Ärger, sagt Ortrud Seifert (SPD), „da braut sich was zusammen“.

Nicht alle Lokale hielten sich daran, in den späten Abendstunden für Ruhe zu sorgen. Eine Gaststätte reiße gar die Fenster auf und beschalle die Nachbarschaft. Dass die Polizei nicht eingreife, auch wenn sie mit einer Streife vorbeifahre, sei ärgerlich, so Seifert. Doch verweise diese auf die zuständige Stadtpolizei.

Wer aber die 21 24 40 44 im Ordnungsamt anruft, die rund um die Uhr besetzt ist, bekomme oft zu hören, dass Personal fehle, berichtet Peter Schmidt von der Fraktion Die Frankfurter. Ähnliches wurde Elsbeth Muche zugetragen. Die Behörde habe Bewohnern an der Warte gesagt, „,wir kommen, wenn wir Zeit haben‘ - letztendlich kam niemand“.

Die Stadtpolizei könne nicht sofort nach jedem Anruf zum Ort des Geschehens kommen, bestätigt Ralph Rohr vom Ordnungsamt. Stadtweit seien rund 200 Mitarbeiter unterwegs, nachts weniger. „Wenn dann 40 Leute anrufen, müssten wir mehr Stadtpolizisten schicken, als wir zur Verfügung haben. Wir können uns nicht zerreißen.“

Wie man die Probleme dennoch in den Griff bekommt, möchte der Ortsbeirat mit Vertretern der Landespolizei und des Ordnungsamtes besprechen, sagt Hermann Steib. Ähnliches plant auch der Ortsbeirat 3 im Nordend. Das Gremium hat deshalb für seine kommende Sitzung am Donnerstag, 27. August, Vertreter der Polizei, der Stadtpolizei und des Grünflächenamts eingeladen. Sie sollen die Bürger über die Situation im Günthersburgpark informieren. Dort häuften sich die Beschwerden, berichtet Nordend-Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne). Anwohner hätten in den letzten Monaten von Partys mit Trommeln und lauter Musik berichtet. „Vor allem im Juni und Juli hatte sich die Situation verschärft.“

Nach Ansicht des Bornheimer Stadtbezirksvorstehers Ulrich Labonté müsste die Stadt „ein Regelwerk des Zusammenlebens“ veröffentlichen, wie man sich nachts in öffentlichen Grünanlagen und Parks zu verhalten habe. Er regt an, dass es etwa ein Nutzungsende um 24 Uhr geben müsse, die Lautstärke niemanden stören dürfe und es Kontrollen geben müsse. Schließlich habe es die Probleme schon vor Corona gegeben. Die Pandemie habe sie nur verstärkt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare