Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Abbruch des Pfarrhauses neben der Michaeliskirche in Berkersheim. Foto: Rolf Oeser
+
Abbruch des Pfarrhauses neben der Michaeliskirche in Berkersheim.

Kirche in Frankfurt

Frankfurt-Berkersheim: Stadtteil verliert seine Silhouette

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
    schließen

Der Abriss des Pfarr- und Gemeindehauses in Frankfurt-Berkersheim beginnt. Der Evangelische Regionalverband baut dort eine neue Kita.

Der Abriss beginnt. 121 Jahre hat das Pfarr- und Gemeindehaus die Silhouette des Frankfurter Stadtteils Berkersheim im Ensemble mit der Michaelis-Kirche von 1766 geprägt. Nun macht es Platz für eine neue Kita. Was nicht alle begeistert. „Vom Niddatal aus ist diese Einheit von schlichtem Backsteinbau und bescheiden-eleganter Kirche mit dem typisch hessischen schiefergedeckten Haubenhelm samt goldenem Hahn eine der schönsten Ansichten von Berkersheim“, sagt Jens Jakob Happ.

Der Architekt hätte es lieber gehabt, wenn die Kirche den Bau erhalten und saniert hätte. Probleme bei Brandschutz und Barrierefreiheit seien lösbar, findet Happ. Der Regionalverband der evangelischen Kirche sieht das anders. „Eine Sanierung und ein Umbau kamen nicht infrage“, sagt Pfarrer Ralf Bräuer von der Pressestelle. Das Pfarr- und Gemeindehaus aus dem Jahr 1900 sei nicht denkmalgeschützt, aus denkmalpflegerischer Sicht „auch nicht schützenswert“, sagt Bräuer.

Der Neubau der Berkersheimer Kita bietet mehr Platz

Darum lässt die evangelische Kirche nun anstelle des Pfarrhauses die neue Kita bauen. Das Gebäude der alten Kita ist ebenfalls marode und nicht mehr zeitgemäß, heißt es seitens der Kirche. Im Neubau soll Platz für zeitgemäße Pädagogik und mehr Kinder sein. Eine Gruppe für unter Dreijährige soll es ebenfalls geben, bislang fehlte sie. 2023 soll der Neubau stehen. So lange bleibt die alte Kita noch in Betrieb. An Stelle des alten Kitagebäudes entsteht das neue Gemeindehaus.

Die Neuordnung kirchlicher Bauten und Grundstücke ist ein Dauerbrenner-Thema in Frankfurt. Die Stadt wächst, immer mehr Menschen suchen ein Zuhause, immer mehr Eltern Betreuungsplätze für ihre Kinder, gleichzeitig haben die Kirchengemeinden immer weniger Mitglieder. Das alte Haus der evangelischen Kirche am Gemeindegarten in Griesheim wurde 2015 zur Kita umgebaut.

in Preungesheim kämpft die St.-Christophorus-Gemeinde um ihre Kirche

In Preungesheim kämpft derzeit die katholische St.-Christophorus-Gemeinde gar um ihr Gotteshaus. Das Bistum Limburg wollte es abreißen lassen. Kirche, Gemeindehaus, Pfarrhaus und Kita seien in einem überwiegend schlechten Gesamtzustand, Investitionen in die Instandhaltung lohnten nicht. Allerdings formierte sich dort eine Protestbewegung, die Alternativen zum Abriss vorschlug. Etwa eine Umnutzung oder einen Verkauf. Das Bischöfliche Ordinariat will nun alle Varianten auf ihre Wirtschaftlichkeit prüfen.

Das hat auch die evangelische Kirche in Berkersheim getan, sagt Ralf Bräuer. Die Bausubstanz sei schlecht. Die Entscheidung zum Abriss habe der Regionalverband „einvernehmlich mit der Gemeinde“ gefällt, betont er.

Die Berkersheimer Gemeinde hat Abschied vom Pfarrhaus genommen

Gemeindemitglieder und ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner des Gebäudes haben sich jüngst im Gemeindebrief mit lachendem und weinendem Auge vom Gebäude verabschiedet. „Kirche und Pfarrhaus teilen sich eine Heizung“, erinnert sich Anita Peter, Pfarrerin im Ruhestand. Die Anlage mit Kessel und den Zu- und Ableitungen ist im Pfarrhauskeller, nur erreichbar durch die Pfarrwohnung. Der Keller habe immer wieder unter Wasser gestanden und musste leergepumpt werden. Das Pfarrhaus habe eine der schönsten Aussichten geboten, schreibt sie. Gleichwohl sei auch die Aussicht verlockend, dass die Kitakinder bald ein neues Haus mit schönem Garten beziehen könnten.

Pfarrerssohn Martin Seidl, der 1997 bis 2004 im Gebäude wohnte, kann von vielen schönen Begebenheiten erzählen. Aber auch davon, wie im Obergeschoss Teile der Decke hinabstürzten. Cornelia Fischer-Neumann schließlich vermisst die „längste Zeit, die wir in einem Haus zu viert verbracht haben“ - sie und ihre Familie wohnten dort von 1987 bis 1996. Der Wehmut setzt sie aber etwas Positives entgegen. Die Kirche werde künftig besser zu sehen sein und so als Fotomotiv gewinnen, weil die Neubauten nicht mehr so hoch sein werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare