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Seit den 1940er Jahren war in der Berger Straße ein Lichtspielhaus, seit 1981 das Berger Kino. Derzeit ist dort ein Corona-Testcenter.
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Seit den 1940er Jahren war in der Berger Straße ein Lichtspielhaus, seit 1981 das Berger Kino. Derzeit ist dort ein Corona-Testcenter.

Corona-Krise

Berger Kino in Frankfurt gibt auf: Ende einer Ära

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Nach fast 40 Jahren hat das Berger Kino in Bornheim geschlossen. Durch die Corona-Pandemie sieht der Betreiber Harald Metz keine Perspektive mehr.

  • Das Berger Kino hat Insolvenz angemeldet.
  • Die Corona-Krise ist nur ein Grund für das Ende des Betriebs.
  • Vor fast genau 40 Jahren übernahm Harald Metz mit zwei Freunden die Räume in Frankfurt.

Frankfurt – Das Berger Kino ist Geschichte. Harald Metz, der Betreiber des bekannten Bornheimer Lichtspielhauses an der Berger Straße, hat Insolvenz für seine Kinoteam Theaterbetriebsgesellschaft angemeldet. Seit Mitte Dezember ist die Gesellschaft gelöscht, und mit ihm werde es auch keinen zweiten Anlauf für seine geliebten Programmkinos mehr geben, sagt Metz. Vor fast genau 40 Jahren hat er das Kino zusammen mit zwei Freunden übernommen.

Berger Kino in Frankfurt: Wegen Corona seit März 2020 geschlossen

Seit dem 18. März vergangenen Jahres hat das Berger Kino wegen der Pandemie geschlossen. Derzeit ist im Foyer ein Corona-Schnelltestzentrum untergebracht. Anders als andere Häuser in Frankfurt nutzte Metz nicht die Möglichkeit, das Berger Kino im vergangenen Sommer vorübergehend wieder zu öffnen. Keiner habe in dieser Zeit auch nur seine Personalkosten eingespielt, sagt der Kino-Chef. Für Programmkinos sei es zudem noch schwieriger, da diese meist ein eher älteres Publikum hätten, das in der Corona-Zeit aus Furcht vor Infektionen erst recht wegbleibe.

Berger Kino in Frankfurt: Mangelnde Unterstützung vom Bund

Die Bundesregierung hätte den Kinos eine Perspektive anbieten müssen, moniert Metz. Sinnvoll wäre etwa eine Art „Wachkoma“ gewesen, wie er es nennt. Der Staat hätte die laufenden Kosten übernehmen müssen, „damit wir nicht untergehen“.

Denn selbst wenn die Kinos nach Ostern wieder öffnen könnten, gebe es derzeit nur wenige Filme, die gezeigt werden könnten, sagt der Cineast. Und um diese müssten sich die zahlreichen Kinos noch streiten. Spätestens im kommenden Herbst werde es dann keine neuen Streifen mehr geben, da momentan kaum produziert werden könne. Er sehe für die Branche keine Zukunft.

Corona-Krise und Streaming-Dienste: Die ganze Branche betroffen

Dabei sei nicht nur die Corona-Pandemie ein Problem für die Kinos, sagt Harald Metz. Schon seit Jahren würden immer mehr Filme im Internet gestreamt, ohne dass diese vorher zunächst nur im Kino gezeigt werden. Allen voran stehe der Streaming-Anbieter Netflix, der seit 2018 Filme produziere, aufkaufe und zeige: „Netflix will die Kinos erdrosseln“, ist sich Metz sicher.

Vor der Pandemie habe er noch gehofft, dass sich das US-amerikanische Medienunternehmen übernommen habe. Doch habe Netflix von der Krise sogar profitiert und entwickle sich zum Monopolisten. Die Kinos würden immer mehr ausgeschlossen, „und das wird so bleiben“. Deshalb gehe es auch nicht nur um die Zukunft des Berger Kinos, sagt Metz. Alle Filmtheater seien von der Krise betroffen, sogar die ganze Branche.

Berger Kino in der Corona-Krise: Was aus dem traditionsreichen Standort wird, ist unklar

Wie es mit dem Standort an der Berger Straße weitergeht, wisse er nicht, sagt der langjährige Kinobetreiber. Er selbst werde dort zumindest keine Filme mehr zeigen. Auch Hermann Steib, Vorsteher im Bornheimer Ortsbeirat und Miteigentümer der Immobilie, sagt, dass es derzeit noch keine Pläne gebe, was aus dem Gebäude werden soll.

Seit den 1940er Jahren hatte dort die Familie Herold die „Schützenhof-Lichtspiele“ zwei Generationen lang betrieben. Ende der 1970er Jahre übernahm kurzfristig ein „Glücksspieler“ das Kino, erzählt Steib. Dieser machte aus dem großen Saal zwei kleinere und stellte Spielautomaten auf. Er habe dort eine Art Porno-Kino etablieren wollen, erinnert sich der Ortsvorsteher, „ohne Erfolg“.

Berger Kino in Frankfurt: Seit September 1981 in Bornheim

Im September 1981 übernahmen schließlich Harald Metz zusammen mit zwei Freunden die Räume. Gemeinsam gründeten die Freunde das Berger Kino. Das Trio wollte endlich die Filme zeigen können, für die ihr Herz schlug. Vor allem das amerikanische Erzählkino hatte es ihnen angetan, das New Hollywood von Steven Spielberg bis Hal Ashby.

Es war nicht das erste Kino für Metz: Mit dem „Olympia“-Kino hatte er 1978 in Neu-Isenburg angefangen. Später kam das „Metropolis“ in Frankfurt dazu – bis 2001. Sein Herz aber schlage für das Haus in Bornheim: das „Berger Kino“, hatte er vor einigen Jahren in einem Gespräch mit der FR gesagt. (Boris Schlepper)

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