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Frankfurt: „Bereicherung des Bildungsstandortes“

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Von: George Grodensky

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Theodor W. Adorno, hier ein Bild seines Denkmals auf dem Campus Westend, gehört ganz sicher zu den jüdischen Wissenschaftlern, die das Bild der Goethe-Uni entscheidend geprägt haben.
Theodor W. Adorno, hier ein Bild seines Denkmals auf dem Campus Westend, gehört ganz sicher zu den jüdischen Wissenschaftlern, die das Bild der Goethe-Uni entscheidend geprägt haben. © ROLF OESER

Goethe-Uni und Jüdische Akademie wollen bei Forschung und Lehre zusammen arbeiten. Kooperation soll bestehende Formate vertiefen und neue Projekte anschieben.

Die Frankfurter Goethe-Uni und der Zentralrat der Juden in Deutschland haben am Dienstag, 17. Mai, ein Kooperationsmemorandum gezeichnet. Künftig sollen die neue Jüdische Akademie und die Frankfurter Hochschule bei Forschung und Lehre zusammenarbeiten. Die Akademie an der Senckenberganlage ist noch im Bau, 2024 soll die Nachfolgeeinrichtung der Bildungsabteilung des Zentralrats den Betrieb aufnehmen.

Das Konzept sei gleichwohl weit gediehen, versichert Doron Kiesel, der mit Sabena Donath das Direktorium der Einrichtung bildet. „Die Akademie wird sich in ihrer Arbeit für aktive Toleranz und das gleichberechtigte Miteinander von Kulturen einsetzen“, sagt Kiesel. Darüber hinaus ein „aufgeklärtes Judentum vermitteln, in dem verschiedene Traditionen ihren Platz haben“.

„Mit der Jüdischen Akademie wollen wir die gesellschaftlichen Debatten in unserem Land um die jüdische Perspektive bereichern“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am Dienstag. Die Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität sei da ein „überaus wertvoller Schritt“. Wie wertvoll, das verdeutliche, dass gleich zwei Mitglieder des Präsidiums das Memorandum zeichneten. Schuster und Harry Schnabel, der in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt das Schulressort verantwortet.

„Die Jüdische Akademie wird eine Bereicherung für den Bildungsstandort Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet sein“, lobt Unipräsident Enrico Schleiff. Die Kooperation liege mehr als auf der Hand. „Kaum ein anderer Hochschulstandort weist eine solche Fächervielfalt mit Perspektive auf das Judentum auf“, sagt Schleiff und zeigt weitere Schritte: Das Memorandum soll in einen Vertrag münden, der ein das Rhein-Main-Gebiet umspannendes Netzwerk initiieren soll.

Die Gründung der Goethe-Uni sei 1914 maßgeblich von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern finanziert worden, daran erinnern viele der Rednerinnen und Redner. So wie Forschung und Lehre von jüdischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geprägt gewesen seien. Was allerdings von den finsteren Jahren des Nationalsozialismus unterbrochen war.

Von einem „historischen Tag“ und einer „mutigen Entscheidung“ spricht darum Uwe Becker (CDU), Staatssekretär und Landesbeauftragter für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, mit Blick auf die neue Kooperation. Jüdisches Leben habe über weite Teile der Geschichte Hessens und Frankfurts „zur positiven Entwicklung unseres Landes beigetragen“.

„Eine spezifisch jüdische Perspektive ist für viele Fragen der Erinnerungskultur von immenser Bedeutung“, sagt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Ebenso für den Kampf „gegen Antisemitismus und die wieder erstarkende politische Rechte“.

Die Zusammenarbeit mit der Bildungsabteilung des Zentralrats existiert bereits, das zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Impulsvorträgen. Der evangelische Theologe und Judaist Christian Wiese bezeichnet darum die Kooperation als „hervorragende Chance, die Forschungen von Anfang an mitten in die öffentliche Diskussion zu tragen“. Er bezieht sich auf das geplante Frankfurt-Tel-Aviv-Center, das religiöse Dynamiken erforschen soll. Der Fachbereich Erziehungswissenschaften freue sich derweil auf eine starke Kooperation zur Weiterentwicklung der Fragen zur „Erziehung nach Auschwitz“, sagt Dekanin Sabine Andresen.

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