1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Begrenzte städtische Hilfe für Gastfamilien

Erstellt:

Von: Kathrin Rosendorff, Timur Tinç

Kommentare

Die Stadt Frankfurt vermittelt nur abgeschlossenen Wohnraum für Geflüchtete aus der Ukraine. Sollten Gastfamilien sich nicht in der Lage sehen, Menschen länger unterzubringen, müssten diese in Turnhallen, weil es nicht genügend Wohnungen gibt.

Simone Kopp hat eine aus der Ukraine geflüchtete Frau und deren 17-jährige Zwillingssöhne in ihrem Haus am Riedberg in Frankfurt von Herzen gerne aufgenommen. „Wir möchten die Familie bei der Integration unterstützen. Deswegen haben wir auch gesagt, wir nehmen sie für die nächsten Wochen bei uns zu Hause auf. Aber wie geht es zum Sommer hin weiter?“, fragt sie am Donnerstag.

Sie wolle sie nicht in die Turnhalle zurückschicken. Bekommen die Geflüchteten ihre eigenen vier Wände, also eine Sozialwohnung? Diese Frage beschäftigt sie. „Wir fühlen uns allein gelassen. Bei der neu eingerichteten Hotline der Stadt erreiche ich niemanden. Es gibt einen großen Bedarf, dass es eine Anlaufstelle für diese Fragestellungen gibt“, sagt Kopp.

Sie sei nämlich nicht die einzige Gastfamilie, die Rat suche - unter anderem bei der Frage der Haftpflichtversicherung. „Denn die geflüchteten Menschen haben ja hier keine Haftpflichtversicherung. Was aber passiert, falls ein größerer Schaden entstehen sollte? Wer übernimmt die Kosten? Die Familien selbst haben ja nichts.“

Mit diesen Fragen kann sich die Stadt derzeit nicht beschäftigen, da sie mit der Unterbringung und der Versorgung der Menschen beschäftigt ist. Als ersten Schritt appelliert die Stadt, sich an das Jugend- und Sozialamt zu wenden, damit die Menschen als erstes eine Krankenversicherung und Taschengeld bekommen. Dafür bedarf es keines Termins. „Von dort aus können sie im Zweifel auch untergebracht werden“, sagt Miriam Bandar, Sprecherin von Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne).

Quartiere seien aufgrund der Menge an Menschen im Moment die Turnhallen, die zu Notunterkünften umfunktioniert wurden. Die Stadt Frankfurt koordiniere über www.frankfurt-hilft.de auch eine Wohnungsbörse. „Wir vermitteln aber nur in abgeschlossene Wohnungen“, sagt Bandar. Das heißt, zu Menschen, die eine leere Wohnung anbieten.

Hilfe

Geflüchtete aus der Ukraine , die eine Krankenversicherung und Geld brauchen, können ohne Termin zum Jugend- und Sozialamt in der Mainzer Landstraße 293 kommen und bekommen dort sofort Hilfe.

Die Clearingstelle , wo sich die Menschen registrieren lassen müssen – über das Bürgeramt und die Ausländerbehörde – befindet sich an der gleichen Adresse im Zentrum Stadtraum. Allerdings benötigt es für die bessere Koordinierung einen Termin, der über die Nummer: 06921248444 ausgemacht werden sollte. Die Hotline ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr erreichbar.

Weitere Informationen gibt es auf:
www.frankfurt-hilft.de und
www.amka.de/ukraine

Zwar ist die Hilfsbereitschaft der Menschen groß, Geflüchtete unterzubringen. Allerdings müssen Privatleute bedenken, dass sie nicht nur den entsprechenden Platz brauchen, sondern dass es auch Sprachbarrieren gibt, dass Kosten entstehen und ganz wichtig, dass die psychosozialen Folgen im Blick behalten werden. Denn viele Geflüchtete sind traumatisiert.

„Wir appellieren an die Leute, die Menschen privat unterbringen, sich das gut zu überlegen, auch, ob es eine langfristige Perspektive hat“, sagt Bandar.

Die Sozialarbeiter:innen der Stadt seien jetzt schon so stark damit beschäftigt, die Menschen in den städtischen Unterkünften zu versorgen, dass es keine Kapazitäten gebe, dies auch noch zusätzlich in Privatunterkünften zu tun.

Sollten Gastfamilien schon Menschen untergebracht haben, es aber aus welchen Gründen auch immer nicht mehr schaffen, wäre der erste Weg für sie, in eine der Hallen zu gehen, da Sozialwohnungen rar sind. „Wir hatten schon vor dem Krieg in der Ukraine 4500 Geflüchtete, die in Unterkünften leben“, berichtet Bandar.

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist unverändert schwer, auch wenn sich die Stadt um Unterbringungsmöglichkeiten bemühe. Sozialdezernentin Elke Voitl hatte angekündigt, sich auch leerstehende Büroflächen anzuschauen und sie eventuell in Unterkünfte umwandeln zu lassen.

Derzeit sind mehr als 1000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine in Notunterkünften in Frankfurt untergebracht worden. Hinzu kommen rund 2000 Menschen im Erstaufnahmezentrum an der Messe sowie weitere rund 2000, die privat untergebracht worden sind. Knapp 22 000 Menschen sind seit Ausbruch des Krieges von der Bahnhofsmission betreut worden.

Auch interessant

Kommentare