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Amüsante Pause vom Shopping mit Mode aus recyceltem Material beim Upcycling-Festival.

Umweltschutz in Frankfurt

In Frankfurt beginnt Woche der Abfallvermeidung

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In Frankfurt beschäftigen sich Menschen mit der Frage, wie Müll vermieden, recycelt oder umweltfreundlich weggeschafft werden kann. Das Interesse an der Woche der Abfallvermeidung ist groß.

Aus Abfall etwas Sinnvolles machen. Müll möglichst umweltfreundlich wegschaffen. Oder erst gar keinen Abfall entstehen lassen: Die Ideen, die pfiffige Leute in dieser Woche vorführen und diskutieren, sind gewissermaßen der letzte Schrei auf dem Sektor. Es tut aber auch not, das Steuer beim Umweltschutz herumzureißen. Was das Weltklima in diesem Jahr zu bieten hat, könnte sonst ebenfalls der letzte Schrei vor der großen Katastrophe sein, warnen Wissenschaftler.

Diese Woche ist also Europäische Woche der Abfallvermeidung und Frankfurt macht mit. Beispielsweise im Mertonviertel. Da sind am Donnerstagmorgen, wie an jedem Tag seit Montag, Kinder zur „ReMida“ gekommen, einer Kreativwerkstatt, in der sie ihren Forschungsdrang ausleben können. Material dafür bringt der Verein Umweltlernen mit: etwa ein Spiel mit kleinen Kärtchen, auf denen Dinge abgebildet sind. 

Diese Dinge sollen die Kinder aus der Klasse 6Fb der Otto-Hahn-Schule nun nach Umweltfreundlichkeit sortieren. Pappbecher oder Glas? Keine Frage – Alina (12), Mike (12), Elmedin (13) und Hüseyin (11) entscheiden sich für das Glas. „Ich glaub’, das entsteht aus Sand“, ruft einer. „Wenn man Sand in einen Ofen reinmacht, wird das zu Glas, oder, Herr Formella?“ – „Sagen wir mal so“, antwortet Lehrer Björn Formella mit einem Schmunzeln, „Sand spielt bei der Glasherstellung eine Rolle.“

Und Schulkinder spielen bei der Zukunft der Erde eine Rolle. „Wenn wir einkaufen, können wir jetzt besser darauf achten, was wir mitnehmen“, sagt Mike. Und den Eltern sagen, was gut für die Umwelt ist. Oder wissen die das schon selbst? „Ja!“, krähen manche, „na ja“, grinsen andere.

27 Vereine, Initiativen und Firmen sind diesmal beim Frankfurter Ableger der Antiabfall-Woche dabei, 29 Aktionen stellen sie auf die Beine. „Es gibt ein enormes Interesse an dem Thema“, freut sich Stefan Röttele vom Müllentsorger FES, der die Frankfurter Aktionen koordiniert. „Immer mehr Menschen machen sich Gedanken über den Umgang mit unseren Ressourcen und überlegen, wie es richtig ist.“ Was ihm diesmal auffällt, bei der zweiten Abfallvermeidungswoche nach 2017: In das manchmal „etwas dröge“ Thema Nachhaltigkeit sei eine gewisse „Coolness“ eingezogen: „Da spielt jetzt auch ein Lifestylegedanke mit hinein.“

Das war etwa am Wochenende zu spüren bei der sehr gut besuchten Modenschau „Anziehend“ mit Kleidern aus recyceltem Material, das setzt sich fort in Repaircafés und beim gemeinsamen Kochen mit „geretteten“ Lebensmitteln, die andere Leute weggeworfen haben, obwohl sie noch bestens genießbar sind.

Aber natürlich ist das Thema nicht nur cool. „Die entsetzlichen Bilder vom Plastikmüll in den Meeren haben uns alle aufgerüttelt“, schreibt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) in ihrem Statement zur Woche: „Wir müssen noch einmal neu über Abfall diskutieren! Lassen Sie uns die Wegwerfkultur überwinden!“

Die Kinder sind mit Begeisterung dabei. An Station 6 in der Kreativwerkstatt lernen sie, wieso eine Mehrwegflasche das beste Mittel gegen die Plastikflut im Meer ist. Nebenan schöpfen sie ihr eigenes  Papier aus roter, blauer und grüner Pampe. Und was machen Cennet, Kristina, Said und Robin (alle 12) da? Betrachten eine Handvoll Erde von draußen erst mit der Lupe, dann mit dem Mikroskop. Wieso? „Wir wollen herausfinden, ob Lebewesen drin sind“, sagt Said. Und wenn? Dann ist das ein Beispiel für natürliches Recycling: Lebewesen machen Humus. Sind aber keine drin. Zu kalt draußen. Warum sollen wir Müll vermeiden? „Umweltverschmutzung!“, ruft Cennet.

„Die Woche mit unseren Angeboten ist ausgebucht“, freut sich Umweltlernen-Mitarbeiterin Kirsten Reichelt-Färber. „Und die Abschlussrunde zeigt uns jedes Mal, dass das Thema die Kinder beschäftigt. Sie nehmen hier was mit.“ Für alle anderen ist am Wochenende noch Gelegenheit.

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