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Frankfurt: Wohnungsprojekte befürchten das Aus

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Von: Christoph Manus

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Das Wohnprojekt „Betrift“ im Frankfurter Stadtteil Niederrad ist noch fertig geworden. Andere Gruppen sehen ihre Bauvorhaben in der Krise massiv bedroht.
Das Wohnprojekt „BeTrift“ im Frankfurter Stadtteil Niederrad ist noch fertig geworden. Andere Gruppen sehen ihre Bauvorhaben in der Krise massiv bedroht. © Monika Müller

Die steigenden Preise und die Zinswende bedrohen die Vorhaben von gemeinschaftlichen und genossenschaftlichen Gruppen in Frankfurt. Sie fordern dringend Unterstützung.

Frankfurter Gruppen, die gern dauerhaft günstigen, gemeinschaftlich genutzten Wohnraum schaffen würden, und das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen sehen den Bau von gemeinschaftlichen Wohnprojekten in Frankfurt stark gefährdet. Weil die Projektgruppen in der Regel keine ausreichenden finanziellen Puffer hätten, litten sie besonders unter den derzeitigen Preissteigerungen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Die gemeinschaftlichen Projekte klagen seit langem über die Schwierigkeit, angesichts der hohen Erbpachten in Frankfurt günstigen Wohnraum zu schaffen – und fordern die Stadt auf, die Erbbauzinsen deutlich zu senken. Doch nun hat sich ihre Lage nach Schilderung der Initiativen noch stark verschärft.

Frankfurt: Preissteigerung bedroht Projekt der Initiative „Kolle“ in Griesheim

Die Gruppe „Kolle“ etwa, die gern im Frankfurter Stadtteil Griesheim ein Haus für 42 Menschen bauen würde, sieht ihr Vorhaben durch die steigenden Baukosten, die Inflation, die Zinserhöhung und die globale Unsicherheit bei gleichzeitig hoher Erbpacht bedroht. „Wenn sich an den aktuellen Bedingungen nichts verändert, ist es uns nicht mehr möglich, unser Projekt umzusetzen“, sagt Ina Hammel von der Projektgruppe.

Die Gruppe „Kolle“ und das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen sehen die öffentliche Hand in der Pflicht, zu helfen. Gerade die Stadt Frankfurt hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnformen zu ermöglichen. Sie hat Grundstücke zur Verfügung gestellt, die nach dem besten Konzept statt zum Höchstpreis vergeben wurden. Sie hat festgeschrieben, dass in neuen Baugebieten Flächen für Wohnprojekte vorgehalten werden. Davon erhofft sie sich nachhaltig niedrige Mieten, eine größere Vielfalt an Wohnformen und positive Wirkungen auf Quartiere. Doch all das steht nach Ansicht der Gruppen nun auf der Kippe.

Die Projekte, die in Frankfurt im Konzeptverfahren ausgewählt wurden, bräuchten jetzt Unterstützung, mahnt Barbara Reuter, die Vorsitzende des Netzwerks. Es könne nicht im Sinne der Stadt- und Landespolitik sein, dass innovative und für eine gesellschaftliche Transformation relevante Projekte in dieser schwierigen Lage scheiterteten. „Wir fordern ein spezifisches Förderprogramm für gemeinschaftliches Wohnen, das dem innovativen Charakter der Projekte gerecht wird und es den zivilgesellschaftlichen Initiativen ermöglicht, selbstorganisiert ihre wohnungspolitisch wichtigen Konzepte umzusetzen“, sagt Birgit Kasper, die Geschäftsführerin des Netzwerks.

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