Malte und Bruno beim Musizieren. Rolf Oeser
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Malte und Bruno beim Musizieren. Rolf Oeser

Frankfurt

Frankfurt: Beatles aus dem Kirchturm

  • vonSabrina Butz
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Die Wartburggemeinde im Nordend veranstaltet mittwochs und sonntags für die Nachbarschaft Konzerte.

Besonders schön sei das Stutzen, wenn Leute mit dem Rad oder Hund vorbeikommen, stehen bleiben und sich fragen, woher die Musik kommt, sagt Cornelia Groß. Von ihr stammte die Idee, auch in Corona-Zeiten kleine Konzerte anzubieten – und zwar im Kirchturm der Wartburggemeinde an der Ecke von Hartmann-Ibach- und Hallgartenstraße im Nordend. So könne trotz Live-Musik mit guter Akustik und wechselndem Programm Abstand gehalten werden, außerdem gibt es eine Spendenbox für die Obdachlosenhilfe der Gemeinde.

Auch an diesem Sonntag versammeln sich etwa 30 Zuhörer um den Kirchturm herum und auf dem kleinen Platz gegenüber, um Malte und Bruno zuzuhören, die oben im Turm Saxophon und Gitarre spielen. Die beiden kommen aus Langen und Egelsbach, sie kennen sich aus dem Schulorchester. Es ist schon das zweite Turmkonzert der beiden, die Anfrage lief über die Frankfurter Philharmonie. Während Malte den Strom vorbereitet, erzählt Bruno vom Konzertprogramm, das hauptsächlich ältere Lieder beinhalte, zum Beispiel die Beatles. Schon der letzte Auftritt habe den beiden sehr viel Spaß gemacht, besonders, weil das Publikum sich so gefreut habe. „Das ist ja eine tolle Möglichkeit, mal rauszukommen, auch für ältere Menschen“, sagt der 15-Jährige.

Seit etwa sechs Wochen gebe es die 30-minütigen Kirchturmkonzerte, immer mittwochs um 18 und sonntags um 11 Uhr, außer bei strömendem Regen, erklärt Pfarrer Thomas Diemer. „So ein fröhlich-leichtes Angebot ist wichtig in diesen Zeiten“ – das Programm komme sehr gut an. Der Kirchturm mit den offenen Fenstern beherbergt auch zwei Bienenstöcke, regelmäßig wird er für Kunstaktionen beleuchtet. Und vom Turm aus sehe die Stadt sehr grün aus, sagt Diemer – direkt nebenan sind ein Nachbarschafts-Garten mit Feigenbaum und der Günthersburgpark. Man müsse die Möglichkeiten entdecken, die die Krise biete, so der Pfarrer.

Das Programm der Turmkonzerte wechselt zwischen Amateuren und Profis. Letzten Sonntag seien beispielsweise drei Opernsängerinnen aufgetreten, und sie „waren richtig froh, mal wieder öffentlich singen zu können“, sagt Diemer, auch ohne Bezahlung. In der Kirche habe er in den letzten Wochen aber auch Video-Auftritte organisiert, die honoriert wurden.

Und man sehe, wie glücklich es das Publikum mache, „mal wieder Live-Musik zu hören“, sagt Kirchenvorstand Arthur Siemens. Während des Konzerts ist die Stimmung sehr friedlich, ein Kind malt mit Straßenkreide, das Publikum ruft nach einer Zugabe.

Auch Berufssaxophonist Gernot Dechert, der selbst manchmal in der Kirche spielt, ist zum Zuhören gekommen. Er betont, wie schwierig die Situation für Künstler*innen ist, denen die Auftritte fehlen. Doch die Wartburggemeinde biete ein tolles kulturelles Angebot, einen Treffpunkt für den Stadtteil, auch unabhängig vom Glauben. Und der Pfarrer verspricht: „So lange das so gut läuft, solange Musiker und Publikum da sind, machen wir weiter“.

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