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Frankfurt: Basteln gegen den Kriegsschrecken in

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Von: Oliver Teutsch

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Anastasiia (7, aus der Ukraine) hat eine Ukrainische Flagge mit Glitzer-Effekt gemalt,
Anastasiia (7, aus der Ukraine) hat eine Ukrainische Flagge mit Glitzer-Effekt gemalt, © Michael Schick

Osterveranstaltung für ukrainische Kinder im Kunstverein der Familie Montez. Mütter sind begeistert von „cooler Location“ im Hafenpark.

Das Kunstwerk hängt zum Trocknen an einem Sonnenschirm. Die stolze Mama präsentiert auf ihrem Smartphone den Subtext zum Werk in deutscher Übersetzung: „Das sind Ostereier und Osterhasen.“ Dabei ist völlig klar, was die neunjährige Katharyna da mittels Kartoffeldruck auf ein T-Shirt gezaubert hat. Beim Kunstverein der Familie Montez im Hafenpark wird am Ostersamstag gebastelt und gestaltet. Ukrainische Kinder schneiden, kleben und bemalen. Am „Architektentisch“ herrscht geschäftige Stille. Mitglieder des Kunstprojekts Commun 6x3 der Städelschule geben Hilfestellung beim Basteln. Die Verständigung klappe ganz gut, sagt Neal Hoey, der die Kinder gemeinsam mit zwei weiteren Projektmitgliedern anleitet. Mal auf Englisch, mal auf Deutsch, mal mit den Händen. Viele Worte braucht es eh nicht, denn Vorgaben gibt es keine und die Kunst hat ihre eigene Sprache. „Die Kinder sollen aus alten Teilen von Architekturmodellen einfach etwas Neues entstehen lassen“, sagt Hoey.

Die Idee zu dem Bastelnachmittag für Kinder hatte Thomas Dürbeck. Der frühere CDU-Stadtverordnete schaut ganz selig in die Runde angesichts der vielen beschäftigten Kinder und der entspannten Mamas. „Sie wissen ja, wie das ist, wenn sie da wochenlang in einem Hotel abhängen“, begründet er die Idee für etwas Zerstreuung. In eben jenen Hotels mit ukrainischen Kriegsflüchtlingen hatte der Kunstverein Aushänge gemacht. „Wir sind selbst ein bisschen überrascht, wie gut das angenommen wird“, sagt Dürbeck. Das Angebot sei bewusst in die Osterferien gelegt worden, in denen viele deutsche Familien weg sind.

Katarina hat es sich in einem Liegestuhl bequem gemacht. Neben dem Liegestuhl stehen die Kunstwerke ihren beiden Söhne Andrej (9) und Artem (12). Der kleinere der beiden hat ein Haus gebastelt und grün angestrichen. Artem hat eine große Garage gebaut, die unbedingt weiß bleiben soll. Die drei sind Anfang März aus Dnipro nach Frankfurt gekommen. Katarinas Cousine Xenia, die in Frankfurt lebt, hat sie an der polnischen Grenze abgeholt. „Das hier heute ist die beste Veranstaltung, seit wir hier sind“, freut sich Katarina. Der Hafenpark sei „eine coole Location“, übersetzt Cousine Xenia. Denn wenn die Kinder mal keine Lust mehr zum Basteln haben, können sie sich einfach auf dem benachbarten Spielplatz austoben.

Die ukrainischen Kinder seien es gewohnt, sich viel zu bewegen und herumzutoben. Angebote in geschlossenen Räumen erinnerten da teilweise ein bisschen zu sehr an Schulunterricht und seien für die Kinder schnell langweilig. Davon ist an diesem Nachmittag im Hafenpark keine Spur. Andrej und Artem flitzen schon wieder durch die Gegend, das Kunstwerk der kleinen Katharyna ist inzwischen trocken und wird von der Mama von dannen getragen.

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