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Basel bei Nacht, der Rhein so sanft.

Städtevergleich

Frankfurt: 8 - Basel: 4

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Der total objektive Städtevergleich vor dem Europapokal-Achtelfinale der Eintracht gegen den FC Basel.

Die ganz besonders Pingeligen hatten sich schon ausgemalt, wie so etwas ablaufen würde an den Eingängen zum Waldstadion. Bei der Personenkontrolle. Es müssten ja jede Besucherin und jeder Besucher untersucht werden, ob er, ob sie etwas dabei hat, was den ordnungsgemäßen Ablauf eines Fußballspiels eventuell beeinträchtigen könnte. Beispiele werden wir jetzt nicht nennen, es soll ja niemand auf dumme Ideen kommen, und darum geht es hier auch gar nicht. Es geht vielmehr um das Prozedere.

Nehmen wir an, ein Stadionordner oder eine Stadionordnerin will Sie auf verbotene Gegenstände untersuchen. das tun sie ja immer, die Ordnerinnen und Ordner. Dazu fassen sie Sie an. Der eine mehr, die andere weniger. Wenn Sie genug abgetastet sind, wartet hinter Ihnen weiteres Publikum. Wird es nun mit den denselben Händen abgetastet? Wäscht sich das Abtastpersonal nach jedem Abtastvorgang die Hände? Wird womöglich jedem Fan ein eigener Abtaster, eine eigene Abtasterin an die Seite gestellt, um größtmögliche Hygiene zu gewährleisten? Wir werden es nicht erfahren. Jedenfalls vorerst.

Abgesehen davon hält auch die heutige Partie neun seriöse Kriterien bereit, nach denen die Kontrahenten zu beurteilen sind, selbstverständlich vollkommen neutral und objektiv. Wir haben es auf dieser Doppelseite wieder getan. Der Ausgang ist für das Spiel absolut entscheidend. Mögen wie immer die Besseren gewinnen. Sie wissen schon, wer.

Städtenamen: Du Basel!

Schon in der vorigen Europa-League-Runde hatte der ehrwürdige und wunderschöne Name Frankfurt keine großen Probleme, sich gegen Salzburg durchzusetzen. Damals erwies sich, dass die namensgebende Burg noch nicht einmal aus Salz ist und somit also auch kein ernstzunehmender Gegner für die Stadt, die ihre gängige Bezeichnung dem Umstand zu verdanken hat, dass eine Hirschkuh einst den Franken zur Flucht vor den blutrünstigen Sachsen verhalf. Eine weiße Hirschkuh, heißt es. Und schöne Augen soll sie gehabt haben. Vielleicht konnte sie auch singen und mit brennenden Fackeln jonglieren, was für Hirschkühe schon damals sehr ungewöhnlich gewesen sein soll. Heißt es. Wo, haben wir vergessen. Und jetzt also Basel. Nichts gegen Basel. Bitte allen Respekt für Basel. Aber die Frage muss erlaubt sein: Was soll das bitte heißen? Wie man liest, leitet es sich vom römischen Basilius ab, wie unverantwortliche Eltern ihre Söhne einst genannt haben müssen. Unweigerliche Folge: „Hey, Bazillus! Hihihihi!“ Auch nicht besser: „Du Basel!“ Punkt für die Eintracht.

Sprache: Hä?

Es gibt Nationen, die haben eine Landessprache. Es gibt Nationen, die haben ungefähr 5000 verschiedene Sprachen. Und es gibt die Schweiz, die drei weitverbreitete Sprachen ihr Eigen nennt: Italienisch, Französisch und Deutsch. Beim Versuch, diese drei Sprachen miteinander in Einklang zu bringen, hat sich einst ein tapferer Gesell, keine Ahnung, ob das dieser Rütli war oder dieser Wilhelm Tell, leider die Zunge ausgerenkt. Er konnte plötzlich nur noch Sätze aussprechen wie: „Häsch dini Ovo chüt scho cha?“ (Hast du deine Ovomaltine heute schon getrunken?), „Äs isch no gschnäu mau öppis imänä Mönsch innä!“ (Frau aus unerklärlichen Gründen schwanger) oder „Chasch nöd s Föifi und s Weggli ha“ (zu kompliziert, um es zu übersetzen). Die anderen Schweizer in der Umgebung dachten, man müsse jetzt immer so sprechen, und geboren war die vierte Sprache, Schwyzerdütsch. Das ist auch völlig in Ordnung, abber Sie werrn sischer mit uns aaner Ufffassung sei, dess unser herrlisches Frankforder Hochdeutsch viel besser is. Punkt fer die Aaatracht.

Größe: Rück mal ein Stückli

Natürlich kommt es auf die Größe nicht an. Jedenfalls nicht nur. Aber schauen Sie: Vor 50 Jahren hatte Basel knapp 213 000 Einwohner. Inzwischen hat Basel 171 000 Einwohner. Frankfurt hatte seinerzeit ungefähr 600 000 und 50 Jahre später mehr als 750 000 Einwohner (Stand jeweils Ende 2018). Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, dass immer mehr Menschen in Frankfurt leben wollen, während das in Basel so ein wenig nachlässt. Nur so ein Gefühl. Dazu gehören dann natürlich auch die Schattenseiten. Wo viele Leute aufeinanderhocken, wird es mit der Zeit eng. Folglich teilten sich in Frankfurt am Stichtag 3033 Menschen einen Quadratkilometer. Und in Basel? 7572 – mehr als doppelt so viele. Es mag also eine gewisse Erleichterung sein, rein räumlich gesehen, im Stadtgebiet rund ein Fünftel weniger Leute zu haben. Was sich nicht beliebig auf jede andere Stadt übertragen lässt. Mitunter soll es ja vorkommen, dass nur noch die ganz besonders gut Betuchten ein Domizil in gewissen Städten bezahlen können. Ohne da Namen nennen zu wollen: unentschieden.

Wirtschaft: Geld und Drogen

Basel ist ein Zentrum der Arzneimittelproduktion, beherbergt fast so viele Pharmafirmen und Chemieunternehmen wie Einwohner (kleine Übertreibung) und gilt als Apotheke der Welt (weitere kleine Übertreibung). Im November 1986 gingen in der Nähe 1300 Tonnen Chemie in Flammen auf, hochgiftiges Herbizid floss in den Rhein, die Tier- und Pflanzenwelt drumherum war auf Jahre mausetot. Außerdem gibt es in Schweizer Städten traditionell sehr viele ... warten Sie, ich komme gleich drauf ... ach, richtig: Banken. Das wird viele Leserinnen und Leser an eine Stadt am Main erinnern, die ebenfalls viele Geldinstitute (und Bänker!) in sich aufgenommen und traditionell auch Chemie am Start hat, wenn auch nicht ganz so viel und nicht ganz so gefährlich. Alles in allem: ein gastfreundliches Unentschieden.

Städtepartnerschaften Strandperlen

Offenbar recht wählerisch zeigt sich Basel bei seinen Städtepartnerschaften. Insgesamt zwei (in Zahlen: 2) stehen zu Buche: Schanghai und, was uns ein wenig stutzen ließ, auch ein gewisses Miami Beach. Ist das denn eine Stadt? Klingt für uns weitab vom Meer Geborene eher nach einem Strand. „Jaja, das liegt knapp südlich von Miami Vice“, informiert der Kollege hilfreich über den Schreibtisch. Dann ist ja gut. Unsereins träumte als kleiner Bub übrigens von einer engen Partnerschaft mit Florida Boy. Wie auch immer, Frankfurt hat elf Städtepartnerschaften und sechs Freundschaftsverträge. Frankfurt ist nämlich unheimlich schön und beliebt. Punkt für die Eintracht.

Bildung: Schneller, höher, schlauer

Das wollte eigentlich der Kollege schreiben. Aber der musste dann zu einer eiligen Pressekonferenz, in der bekanntgegeben werden sollte, dass das Fußballspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird, von dem noch am Morgen alle Verantwortlichen sagten, es werde mit Publikum ausgetragen, unter anderem, weil schon Basler in der Stadt seien. Nein, nicht der hochgebildete Ex-Fußballer aus der Pfalz und seine Angehörigen, sondern Bürger der Stadt Basel. Dort gebe es auch eine Universität, in Basel, sagte der Kollege. Mal schauen – ja, richtig, nicht nur eine, sondern diverse Hochschulen sogar. Die Universität Basel wurde 1460 gegründet und hat knapp 13 000 Studierende. Nicht schlecht, aber die Goethe-Uni zu Frankfurt, 1914 gegründet, hat 45 000 Studierende. Also viel mehr in viel kürzerer Zeit, und darauf kommt es schließlich an beim Sport. Punkt für die Eintracht.

Verkehr: Volksabgestimmt

Basel verfügt über Schiffs-, Luft-, Eisenbahn- und Straßenverkehr. Das ist ein ziemlich komplettes Paket, was will man mehr, aber es würde noch keinen entscheidenden Vorsprung bringen, denn all diese Verkehre verkehren auch in Frankfurt, und zwar nicht zu knapp. Besonders der Luftverkehr rund um unser kleines Metropölchen, aber auch das, was auf den Straßen los ist, zwingt einen JA IMMER WIEDER MAL ZUM SCHREIEN, WEIL man sonst gar nichts mehr verstehen kann, noch nicht einmal sich selbst. Und da kommt nun die Volksabstimmung vom 9. Februar dieses Jahres ins Spiel, bei der sich die Basler für einen klimaschonenden Verkehr aussprachen. In der City waren schon vor zwei Jahren mehr als die Hälfte aller Straße Tempo-30-Zonen, es gibt eine sogenannte Velostraße als Pilotprojekt, und das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs sieht auf der Übersichtskarte fast aus wie etwas, das die arme kleine Stadt Basel unter sich begraben will, dabei ist er doch ganz lieb. Also, rauf aufs Velo, rein in die Straßenbahn, Punkt für die Gäste.

Lebensgefahr: Beben ohne Berge

Die meisten Menschen wissen es gar nicht, aber: „Basel ist eines der meistgefährdeten Erdbebengebiete der Schweiz“ (Wikipedia). Das heißt also nicht nur, dass Basel ein Erdbebengebiet ist – nein, auch noch eines der am ärgsten von der Gefahr einer weiteren Erschütterung bedrohten. Und sagen Sie nicht: Naaa jaaa, im Vergleich zur übrigen Schweiz! Vor nicht mal 700 Jahren gab es in Basel bereits ein wirklich verheerendes Erdbeben. Wenn wir uns jetzt ausmalen, dass so etwas jederzeit wieder passieren könnte, und dann an all die ortsansässigen Chemiekonzerne denken ... kein Spaß. Dafür hat Basel jedoch keine Berge wie die meisten anderen Teile des Landes, von denen man herunterfallen und sich den Hals brechen kann. Frankfurt hat ebenfalls keine bedrohlichen Berge (abgesehen vom Bernemer Hang, wenn Kerb ist). Schwere Erdbeben verursacht einzig der Torjubel im Waldstadion. Hier liegen zwar überall Elektroroller im Weg, und der übermäßige Genuss des Apfelweins hat schon manch Ungeübten für längere Zeit außer Gefecht gesetzt. Trotzdem: Punkt für die Eintracht.

Kultur: Hellwach

Die Kunstmesse Art Basel gehört zu den Pfunden, mit denen die Stadt kulturell wuchert, dann natürlich das Jazzfestival Basel, das Blueselfestival Basel, Pardon Blues, nicht Bluesel, man kommt ja ganz durcheinander, und nicht zu vergessen das Blaselorchester der Region Blasel, äh, Basel. Gelesen und ausgestellt wird auch sehr viel dort unten am Rhein. Frankfurt setzt die Buchmesse entgegen, Riesending, diese Messe, irre viele Museen, die Alte Oper, die Paulskirche, Goethe, Gernhardt, Klaa Paris, Handkäs, Ebbelwei, Rippche mit Sauerkraut und eine ausgesprochen verantwortungsbewusste Gesundheitsvorsorge, die in Zeiten gefährlicher Virus-Pandemien keine Fußballspiele vor 48 000 Besuchern stattfinden lässt. Punkt für die Eintracht. 8:3

So weit war die hellwache Basler Gesundheitsvorsorge allerdings schon vor einigen Tagen. Punkt für die Gäste. 8:4

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