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Emma M. Ceren befestigt ihr Banner gegen Rassismus am Brückengeländer.

Kunst

Frankfurt: Mit einem Banner gegen Rassismus auf dem Eisernen Steg

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Die Künstlerin Emma M. Ceren hängt ein Banner auf der Fußgängerbrücke über den Main auf. Lange soll es nicht hängen, weil die Botschaft schon einmal zerstört wurde.

Während Emma M. Ceren ihr schwarzes Tuch mit den weißen Buchstaben aufhängt, macht ein frisch vermähltes Paar Fotos auf dem Eisernen Steg. Die Botschaft des Banners, das die Künstlerin und Aktivistin aufhängt, passe an diesen Ort, wo es um Liebe und Zuneigung gehe, erklärt Ceren auch mit Blick auf die Liebesschlösser am Geländer. „Aber es macht mich traurig, dass das Thema immer noch aktuell ist“, sagt sie. Auf ihrem Banner steht: „Alltagsrassismus bekämpfen – auch deinen eigenen“.

Manche würden sagen, dass sich damit ein Kreis geschlossen hat. 2013 brachte die Künstlerin das Tuch erstmals an der Brücke an. Nun ist es zurück. Ceren sieht den Kreis aber nicht geschlossen, viel mehr beginnt sie einen neuen. Ihre Botschaft gegen Rassismus im Alltag habe nichts an Brisanz verloren. „Es wird nicht besser, eher schlimmer.“

Schon 2013 politische Botschaften auf dem Eisernen Steg in Frankfurt

Ein wichtiger Punkt sei der zweite Teil des Spruchs: „Auch den eigenen Rassismus bekämpfen.“ Die Künstlerin erzählt: „In jedem gibt es negative Gedanken über Fremde oder andere. Niemand ist gefeit dagegen. Aber es muss einem bewusst werden, was Rassismus bedeutet und man muss sich damit auseinandersetzen.“

Dass nicht jeder dazu fähig ist, zeigt ein Blick ins Jahr 2013. Damals sprühten Unbekannte den Spruch zunächst auf den Boden des Eisernen Stegs*. Städtische Putzkolonnen entfernten ihn bald, was Emma M. Ceren nicht verstehen konnte. Um die Botschaft am Leben zu halten, schuf sie ein Banner mit dem Spruch und hängte es auf der Brücke auf. Es verging nicht viel Zeit, bis das Tuch erst zerrissen und später noch angezündet wurde.

Attacke auf Banner am Eisernen Steg in Frankfurt

Die Künstlerin rief nach der ersten Attacke die Polizei. „Sie haben sich das Ganze genau angeguckt.“ Dabei fanden die Beamten eine Haarnadel, mit der eine unbekannte Person wohl versucht hatte, den Riss auszubessern. Genau das macht Ceren Hoffnung. Ein positives weibliches Zeichen, das der Aggression an ihrem Banner gegenüberstehe. Die Haarnadel hat die Künstlerin bis heute behalten.

Nach der Zerstörung ihres Werks schuf Ceren ein neues, das sie nun aber nie mehr über Nacht hängen lässt. Deshalb ist das Banner immer nur stundenweise zu sehen. Auch heute möchte sie es von 12 bis 14 Uhr wieder am Eisernen Steg aufhängen, um dem Alltagsrassismus den Kampf anzusagen. Künftig will sie es an verschiedenen Orten in Frankfurt aufhängen.

Ihr großes Ziel aber ist eine dauerhafte Installation auf dem Eisernen Steg. Hoch oben auf dem Brückenbogen am Sachsenhäuser Ufer soll der Spruch stehen, ähnlich wie der griechische Spruch auf dem anderen Bogen. Alternativ könne die Botschaft auch wieder auf dem Boden stehen – diesmal nicht abwaschbar. Wie die Ideen am besten umzusetzen sind, möchte sie bald mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling besprechen.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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