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Auch ohne Corona-Krise „klinisch tot“: Bangen um die Musikmesse in Frankfurt

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Von: Thomas Stillbauer

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Die Musikmesse ist seit Jahren aus dem Rhythmus gekommen.
Die Musikmesse ist seit Jahren aus dem Rhythmus gekommen. © Andreas Arnold

Die Musikmesse war ohnehin schon in der Krise - die Corona-Pandemie hat es nicht besser gemacht.

Frankfurt – Fast drei Jahre ist es her, dass Frankfurt die bislang letzte Musikmesse sah und hörte. Das ist jetzt nichts Besonderes; auf viele Dinge, die nur einmal im Jahr stattfinden, haben wir seit drei Jahren verzichten müssen, sofern sie beispielsweise immer im Frühjahr dran sind. Bei der Musikmesse ist das aber vielleicht noch ein bisschen gravierender. Denn ihr ging es sowieso schon schlecht. Dazu brauchte es gar kein Corona.

Jetzt aber. „Nach der corona-bedingten Zwangspause freut sich das Musikmesse-Team auf einen Restart“, heißt es in einer Pressemitteilung: „Vom 29. April bis 1. Mai 2022 steht der Termin des traditionsreichen Branchentreffs fest.“ Parallel sollen „Spin-offs“ der Musikmesse laufen, also jeweils zwei- bis viertägige Begleitereignisse: das Musikmesse-Festival, der Musikmesse-Kongress, Musikmesse-Bildung und „das B2C-Event Musikmesse-Plaza“.

Messe Frankfurt: Die Musikmesse in der Krise

„B2C“ heißt: „Business to Consumer“, und das wiederum bezeichnet die Geschäftsbeziehung zwischen Anbieter und Verbraucher im Gegensatz zu „B2B“, was seinerseits „Business to Business“ heißt. „In den letzten Jahren diskutierte die Branche eifrig und kontrovers, ob die Musikmesse als B2B- oder B2C-Event angelegt sein sollte“, berichten die Macherinnen und Macher des „Events“. Das alles zeigt vielleicht ein wenig, wie weit sich die Messe nach der Auffassung ihrer früheren Bewunderer von dem Ding entfernt hat, um das es einmal ging: dem Musikinstrument.

Zwischenzeitlich näherte sich die Musikmesse beinahe mehr dem Buch an als der Bratsche – sie sollte mit der Buchmesse im Herbst zusammengelegt werden, was jedoch so vielen Beteiligten missfiel, dass die Idee schleunigst wieder begraben wurde. So bleibt also die Kombination mit der Veranstaltungstechnik-Schau Prolight + Sound (26. bis 29. April) samt einem Tag Überschneidung für jene, deren „Business“ beides umfasst.

Frankfurt: Wird die Musikmesse 2022 stattfinden?

Die Branche indes ist gespannt, ob es diesmal wirklich eine Musikmesse geben wird. „Die Musikmesse präsentiert das gesamte Feld des Musizierens, gleichzeitig ist sie für alle Musikinteressierte ein attraktives Event. Keine andere Show in Europa hält diese Bandbreite bereit“, kündigt zwar Wolfgang Weyand an, der „Director“ der Musikmesse und des Festivals, bei dem wieder viele Bands am Rande der Messe auftreten sollen.

Doch die Pressemitteilung stammt aus dem November. Jetzt haben wir die Omikron-Variante, und manch traditioneller Messestandbeschicker wundert sich darüber, nichts mehr von der Messeleitung zu hören – nicht mal auf Nachfrage.

Keine Atmosphäre, keine prominenten Aussteller: Musikmesse in Frankfurt „klinisch tot“

Jan Großbach, Klavierbauer und Redakteur der Zeitschrift „Europiano“, Vierteljahresmagazin des Dachverbands der europäischen Klavierbauer-Fachverbände, wartet im Prinzip seit Jahren auf eine funktionierende Kommunikation mit der Messe. „Tatsache ist, dass diese Messe mittlerweile klinisch tot ist“, bedauert er. Große Hersteller wie Yamaha und Gibson blieben weg, die Atmosphäre auch. Schon bei der bis dato letzten Musikmesse, wie gesagt, vor drei Jahren, „hatte jeder das Gefühl, es ist wahrscheinlich das letzte Mal“, sagt Großbach.

Schuld sei nicht Corona und auch nur zum Teil das Internet, das große Teile des „Business“ vom einstigen Frankfurter Jahresgipfel abgezogen hat. „Es gibt bei solchen Zusammentreffen immer etwas, das sich im Hintergrund, im Seelischen abspielt“, sagt der Klavierbauer. „Wenn man die Musikmesse gut behandelt hätte, hätte man noch eine ganze Weile damit Spaß haben können.“

Das Musikmesse-Team war in dieser Woche nicht zu erreichen, will aber kommende Woche wieder am Start sein. Vielleicht gibt es dann von dieser Seite ja optimistischere Töne, die auf Musikspaß im Frühling hoffen lassen. (Thomas Stillbauer)

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