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Frankfurt: Banane mit Beat auf der Messe

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Von: Thomas Stillbauer

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Die Schöne, das Biest, noch einer – und viel buntes Licht.
Die Schöne, das Biest, noch einer – und viel buntes Licht. © ROLF OESER

Auf der „Prolight + Sound“ lässt sich sogar mit Obst und Gemüse Schall erzeugen – aber vor allem mit Strom. Ein wenig Musiknostalgie gibt es auch zu erleben.

Am Dienstag hat die Messe „Prolight + Sound“ begonnen. Es geht dort um Licht und Klang, auf Englisch light und sound genannt, aber auch um Obst und Gemüse (fruit und vegetables). Vorsicht: Dieser Messebericht wird weitere englische Begriffe enthalten. Die Messe auch. Wir bemühen uns, beides so gut wie möglich zu übersetzen. Das Englisch und die Messe.

Zunächst: Es darf jede und jeder die ganze Zeit hin. Es ist nicht wie früher auf der Musikmesse, als es spezielle Tage für Nichtfachbesucher gab. Es ist auch ansonsten nicht wie früher auf der Musikmesse. Aber interessant.

In Halle 12.1 läuft am Dienstag passend zum Presserundgang gerade eine Theatervorführung auf der Show Stage (Schaubühne) von Robe Lighting (Robe Beleuchtung). Man gibt offenbar „Die Schöne und das Biest“. Echte Menschen schauspielern und singen. Um sie herum: Scheinwerfergymnastik, fette Bässe, rotierende Discokugel. Gesungen wird durch Drahtlosmikrofone, etwa „I kissed a girl and I liked it“ von Katy Perry. Das Biest tanzt mit. Nein, nicht Perry. Das aus dem Märchen. Mit großem Knall und Glitzerkonfetti zerbirst schließlich der Handspiegel, der Fluch ist gebrochen. „Magste noch was trinken?“, fragt jemand im Publikum.

Es ist Partystimmung auf der Prolight + Sound, höchstens fünf Prozent der Leute tragen noch Mund-Nase-Schutz. Hygieneregeln, etwa Abstand, sind vor den großen Schaubühnen illusorisch. Weiter geht’s, vorbei am Messestand der Schnick-Schnack-Systems-GmbH (Lichteffekte) zu HB-Laserkomponenten aus Schwäbisch Gmünd. Dort sprudelt ein Wasserfontänensystem mit Licht, Laser, Nebel, schön anzusehen.

Laser auch am Kvant-Stand, immer noch Halle 12.1. Es vierteln, sechzehnteln, viertausendsechsundneunzigsteln dort bunte Strahlen die Luft. Und es wummert. Und es blitzt.

Ganz anders die Atmosphäre ein Stockwerk tiefer in 12.0. Gemurmel, kühle Technik. Und „intelligente LED-Lichtprodukte“ bei Ayrton aus Québec. Die zweitbeste Musik des Tages („History Repeating“ von Propellerhead und Shirley Bassey) begleitet dort die Schau aus Licht, Regen, Wald, Nebel – Regenwaldnebel! Alles intelligent digital. Man braucht gar keinen Regenwald mehr. Oder?

Doch. Autarkia aus Westfalen hat daher ein Tiny House (sehr kleines Haus) auf einen ehemaligen Lastwagenunterbau gesetzt und Ferdinand genannt. Ferdinand produziert eigenen Strom (Solarzellen auf dem Dach), hat einen Tisch, der „die Luft noch sauberer macht“, sagt Autarkia-Chef Michael Lülf, und kann sogar Events (Ereignisse) mit Energie versorgen. Lülf: „Bei uns lässt sich tiny living ( sehr kleines Leben, Anm. d. Red. ) mal ganz konkret erleben.“ Insgesamt lobenswert, weil nachhaltig.

Die Firma DAS (Halle 11.0) hat einen Lautsprecher gebaut und Lara genannt, der lauter als ein Flugzeugstart sein soll (146 Dezibel). Auf der Messe wird aber nur „das kleine System“ laufen. Draußen. Die Potsdamer Firma Feelbelt (Fühlgürtel) hat ihrerseits einen Gürtel entwickelt, mit dem man den Klang – woher wussten Sie das? – fühlen kann. Allerdings überträgt der Gürtel weniger die Bässe, eher Mitten und Höhen auf den Bauch, was dazu führt, dass man sich am Ende eines Films, sagen wir: Matrix, ein wenig wie von Keanu Reeves erschossen fühlt.

Noch was Schönes: Im Portalhaus ist der Performance & Production Hub (Leistungs- & Produktions-Knotenpunkt) mit vielen spannenden Discjockey-(Scheibenreiter)Sachen zum Selbermachen. Alex Sonnenfeld von SMF (Sample Music Festival, äh, Klangprobe-Musikfestival) führt es vor. Es gibt beispielsweise Elektrotrommeln für die Finger, aber auch Obst und Gemüse. Ja, Aubergine, Zitrone, Apfel, Zucchini, Banane, Paprika: anschließen, berühren, und los geht’s. Berühmte Scheibenreiter haben sich bei SMF auch für die Messe angesagt. Vielleicht hat einer ’ne Melone dabei. Aber ernsthaft: Empfehlung.

Und die beste Musik des Tages? Läuft auf der Ausstellungsfläche des Vereins Vintage Concert Audio (11.0) mit alten analogen Konzertbeschallungskomponenten: „Wild West End“ von den Dire Straits durch eine feine kleine Orange-Anlage. Ein Traum.

Prolight + Sound , Messe für Veranstaltungstechnik, bis 29. April. Programm und Karten: pls.messefrankfurt.com

Wasserfontänen in 3D mit Licht und Nebel. Weltexklusiv.
Wasserfontänen in 3D mit Licht und Nebel. Weltexklusiv. © ROLF OESER

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