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Frankfurt: Ball schießen für die Tram-EM

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Von: Florian Leclerc

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Hier ist Fahrgefühl gefragt. Foto: Christoph Boeckheler
Hier ist Fahrgefühl gefragt. © christoph boeckheler*

Im Trainingscamp auf dem Betriebshof Gutleut bereitet sich das VGF-Team auf die Tram-EM in Leipzig vor. Eine Übung: Den Gymnastikball mit der Front der Straßenbahn schießen.

Frankfurt blickt auf sich gerne in Superlativen. Schönste Skyline, größter Flughafen, verkehrsreichstes Autobahnkreuz, größter Internetknoten in Deutschland; bald womöglich bester Verein im Europapokal. Einen Superlativ hat Frankfurt noch nicht gebildet: bester Straßenbahnfahrer in Europa. Und beste Straßenbahnfahrerin.

Am 21. Mai könnte es soweit sein. Dann treten Manuela Siering (35) und Christoph Ditterich (36) in Leipzig für Frankfurt bei der Tram-EM an. Beide fahren seit 2020 Straßenbahn bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF).

Bei einem Training zeigen sie, was sie können. Vier Übungen stehen auf dem Programm. Zuerst muss die Tram mit der hinteren Tür neben einem Brett halten, auf dem farbig Punkte markiert sind, von 100 bis 500 (Höchstpunktzahl). Die Tram fährt rauschend an, bremst sanft ab; die hintere Tür bleibt bei 300 bis 400 Punkten stehen. Also etwa einen halben Meter von der Höchstpunktzahl entfernt. Diese Übung beweist Fahrgefühl - im echten Leben sind die Markierungen dort, wo die Bahn halten soll, vorne am Bahnsteig angebracht.

Fähnchen im Weg

Bei Übung zwei lenkt Christoph Ditterich die Tram um eine Kurve herum, während ein Hindernis mit Fähnchen im Weg steht. Die Tram darf das Fähnchen nicht berühren, was sie auch nicht tut. Sie soll ja auch die Rückspiegel von falsch parkenden Autos wie in der Schwarzwaldstraße in Niederrad nicht touchieren.

Bei der dritten Übung kommt die Tram wieder neben einem farblich markierten und mit Punkten versehen Brett zum Stehen - diesmal mit der Front, wieder etwa 50 Zentimeter von der Höchstpunktzahl entfernt.

Zum Schluss fährt die Tram rapide an, bremst scharf ab und schießt einen Gymnastikball mit Schwung über das Trainingscamp, den Betriebshof im Gutleut. Eine ähnliche Übung steht bei der EM in Leipzig auf dem Programm - dann muss der fliegende Ball so viele Kegel wie möglich umschubsen.

2017 war die VGF beim Wettbewerb bereits Dritter. 2018 kam sie auf den zweiten Platz. „Nach dem Motto drei, zwei, eins wollen wir jetzt natürlich gewinnen“, gibt Ditterich als Ziel vor.

Manuela Siering, die früher Zahnarzthelferin war, und Christoph Ditterich, gelernter Koch, haben sich bei einem Vorentscheid gegen Kolleginnen und Kollegen der VGF durchgesetzt. Wenn sie am Freitag, 20. Mai, in Leipzig ankommen, können sie die Tram testen, mit der sie fahren werden - in Leipzig fahren wie in Frankfurt Fahrzeuge von Bombardier, aber nicht nur. „Das wird eine Herausforderung“, sagt VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer.

Am Samstag, 21. Mai, zeigen dann 25 mit Mann und Frau gemischte Teams aus Europa, was sie drauf haben - mitten in der Leipziger Innenstadt, auf dem Augustusplatz. Der Wettbewerb wird als Fest für Besucherinnen und Besucher veranstaltet, über den Tag verteilt werden Tausende erwartet.

So etwas gab es in Frankfurt noch nicht. Aber vielleicht wird es Zeit für einen neuen Superlativ: bester Austragungsort für eine Tram-EM.

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