Vanessa an ihrem Arbeitsplatz im Laufhaus in der Taunusstraße 26, den sie seit über vier Monaten nicht mehr nutzen darf.
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Vanessa an ihrem Arbeitsplatz im Laufhaus in der Taunusstraße 26, den sie seit über vier Monaten nicht mehr nutzen darf.

Schicksal

Frankfurter Sexarbeiterin will ihr altes Leben zurück

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Vanessa arbeitet seit zehn Jahren als Prostituierte im Frankfurter Bahnhofsviertel. Seit vier Monaten darf sie nicht mehr arbeiten, erhält Hartz IV und lebt von 430 Euro im Monat.

  • Wegen des Coronavirus sind die Bordelle geschlossen
  • Die Existenz von Sexarbeiterinnen ist bedroht
  • Viele Prostituierte driften in die Illegalität ab

Vanessa sitzt auf einem Barhocker am Tresen im Laufhaus „My Way“. Ihren richtigen Namen verrät sie nicht. Vanessa ist seit fast zehn Jahren Sexarbeiterin in Frankfurt. Doch Vanessa darf seit über vier Monaten nicht mehr arbeiten.

Frankfurt: Sexarbeiterinnen im Bahnhofsviertel kämpfen um ihre Existenz

Wie ihr geht es vielen anderen Prostituierten im Frankfurter Bahnhofsviertel. Die 54-Jährige teilt dasselbe Schicksal wie ihre Kolleginnen. Doch wenigstens musste sie nicht – wie der Großteil der rumänischen und bulgarischen Frauen – in die Illegalität auf den Straßenstrich flüchten, weil die Bordelle wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. Und anders als die ausländischen Prostituierten muss sie nicht für ihre Angehörigen im Heimatland sorgen.

Sexarbeit im Frankfurter Bahnhofsviertel: Bordelle bleiben weiterhin geschlossen

Vanessa erhält Hartz IV, 430 Euro im Monat. Ihr normales, ihr altes Leben ist dadurch undenkbar. „Ich muss ja weiterhin was essen, Handyrechnungen zahlen und will auch mal in ein Restaurant gehen. Ich weiß nicht wie man mit so wenig Geld leben soll“, sagt sie. Sie will ihr altes Leben zurück, doch wie lange sie darauf noch warten muss, steht in den Sternen. „Wenn die Lage so bleibt, wäre das eine Katastrophe. Nicht nur für mich, sondern für alle Frauen“, sagt sie. Vanessa ist frustriert und sie ist sauer. Sie verstehe nicht, warum am Main oder am Opernplatz Tausende Menschen feiern können, ohne die Abstandsregeln einhalten zu müssen, und sie nicht arbeiten dürfe. „Restaurants, Cafés und Bars dürfen doch auch wieder öffnen, warum wir denn nicht?“, fragt sie.

Vanessa kennt viele der Frauen persönlich, die nun aus Geldmangel in die Illegalität gedriftet sind. „Hier bei uns im Haus wohnen 30 Frauen. Sie bekommen auch kostenlose Mahlzeiten“, sagt sie. Es sei schlimm mitanzusehen, wie täglich die Frauen auf der Straße stünden und nachts die Männer in „Freierkorsos“ durch Elbe-, Mosel-, Weser und Taunusstraße fahren würden.

Frankfurt: Sexarbeiterinnen driften in die Illegalität ab

Auch bieten Frauen ihre Dienste in einschlägigen Portalen als „Masseurinnen“ an. Andere Freier suchen als Fußgänger sexuellen Kontakt, berichtet Ulrich Mattner vom Gewerbeverein Bahnhofsviertel, der die Bordellbetreiber bei ihrem Versuch unterstützt, ihre Häuser wieder zu öffnen. „Die Frauen auf der Straße sind ohne hygienischen Schutz. Sex findet in versteckten Straßenecken, auf Baustellen und in Autos statt sowie in billigen Hotels und Airbnb-Appartements“, sagt Mattner. In Bordellen wären die Frauen geschützt.

Auf Vanessa trifft all dies nicht zu, aber auf die über 40 Sexarbeiterinnen, die dem Ganzen auf der Straße hilflos ausgeliefert sind.

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