Mindestens bis 2023 fahren die Fahrzeuge der Verkehrsgesellschaft Frankfurt  mehrheitlich mit Strom, der aus der Verbrennung von Steinkohle im Heizkraftwerk West gewonnen wird.

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Frankfurt: Bahnen fahren noch jahrelang mit Kohlestrom

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Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) steigt doch nicht aus dem Kohlestrom aus. Die Bewegung „Fridays for Future Frankfurt kritisiert das als „fatales Zeichen“.

Es ist eine Entscheidung, die so gar nicht zum grünen Image von „Frankfurt Green City“, der Klimaschutzkampagne der Stadt, passen will. Mindestens bis 2023 fahren die Fahrzeuge der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) mehrheitlich mit Strom, der aus der Verbrennung von Steinkohle im Heizkraftwerk West gewonnen wird. Derzeit sind es 55 Prozent der VGF-Fahrzeuge. Die Umstellung auf Ökostrom soll schrittweise von 2023 an bis 2025 erfolgen, wenn das Heizkraftwerk West von Kohle- auf Gasbetrieb umgestellt wird. So lange tragen die U-Bahnen, Straßenbahnen und die fünf Elektrobusse weiterhin zu hohem CO2-Ausstoß bei.

Dabei war die VGF früher mal öko. Von 2011 bis 2014 hatte die Verkehrsgesellschaft ihren Strombezug auf zertifizierten Ökostrom der Mainova umgestellt. Der Vertrag lief am 31. Dezember 2014, unter Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne), aus. Der Aufsichtsrat der VGF beschloss damals, einen Pachtvertrag über einen Teil des Heizkraftwerks West, eine sogenannte Kraftwerksscheibe, abzuschließen, die Strom aus Steinkohle erzeugt. Die Emissionen schossen daraufhin von mehr als 20 000 Tonnen auf mehr als 80 000 Tonnen CO2 im Jahr nach oben. Eine knappe Vervierfachung des Ausstoßes.

CO2-Emissionen der VGF. Quelle: VGF-Nachhaltigkeitsbericht 2018.

Weil die VGF nicht über die Umstellung informierte, wurde sie erst 2016 bekannt. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) kündigte damals an, die VGF solle sobald wie möglich wieder mit Ökostrom fahren. Auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau betonte Oesterling in den Folgejahren immer wieder, der Pachtvertrag mit der Mainova solle Ende 2019 nicht verlängert werden. „Ich halte an meiner Ankündigung fest.“ Im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht der VGF heißt es ebenfalls: „Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt soll im Laufe des Jahres 2019 eine ökologisch verträglichere Lösung für den Strombedarf der VGF gefunden werden.“ Nun hat sich die Stadtregierung anders entschieden. Der Pachtvertrag mit der Mainova wurde nicht zum Jahresende gekündigt, sagte Oesterling auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau. Der Vertrag könne frühestens Ende 2020 gekündigt werden. Ein schrittweiser Umstieg der VGF auf Ökostrom sei ab 2023 vorgesehen. „Das ist ein fatales Zeichen für die Klimaschutzpolitik der Stadt“, sagt Konstantin Nimmerfroh, Aktivist bei „Fridays for Future Frankfurt“. Sogar die Deutsche Bahn lasse ihre ICEs mit Ökostrom fahren, sagte er und äußerte Unverständnis darüber, dass die Verkehrsgesellschaft Frankfurt dies nicht könne. Mit einer Umstellung auf Ökostrom zum Ende 2019 wäre Fridays for Future zufrieden gewesen. Ein „Weiter-so-wie-bisher“ sei angesichts der weltweiten Klimakrise der falsche Weg. „Wir fordern den sofortigen Ausstieg der VGF aus dem Kohlestrom und einen Umstieg auf Ökostrom“, sagt Nimmerfroh.

Fridays for Future Frankfurt fordert unter anderem, den Energieverbrauch der Stadt von 2030 ab durch erneuerbare Energien zu decken. Das Heizkraftwerk West solle sofort von Kohle auf Gas umgestellt werden. Bis 2025 sollen alle geeigneten Dächer begrünt oder mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet sein; das solle die Stadt in Bebauungsplänen vorschreiben. Frischluftschneisen, etwa jene im Norden des Günthersburgpark, die als „Grüne Lunge“ bekannt ist, sollen nicht bebaut werden. Um klimaverträglich zu bauen, soll die Stadt weniger Beton einsetzen, den Passivhausstandard bei Neubauten und eine nachhaltige Dämmung vorschreiben. Ein Förderprogramm soll den Umstieg der Heizungen auf regenerative Systeme erleichtern. Alle Vorhaben sollen sozialverträglich sein. Siehe Kommentar

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