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Frankfurt: Bäume und grüne Säulen statt City-Trees

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Von: Florian Leclerc

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Ein solches „grünes Wohnzimmer“ steht unter anderem am Goetheplatz. Foto:
Ein solches „grünes Wohnzimmer“ steht unter anderem am Goetheplatz. Foto: Peter Jülich © Peter Jülich

Der Magistrat sieht sogenannte City Trees skeptisch. Eine Klimaschutz-Anzeigetafel soll über Emissionen informieren. Ein Pflanzungsprogramm in Bockenheim lehnt der Magistrat ab.

In Frankfurt will der Magistrat dort, wo es möglich ist, klimaangepasste Bäume pflanzen. Das Aufstellen von City Trees sei kein adäquater Ersatz, teilt der Magistrat in einem aktuellen Bericht mit.

Bei City Trees handelt es sich um etwa drei Meter breite und dreieinhalb Meter hohe Konstruktionen, in denen Moose wachsen. Die City Trees sollen demnach die Umgebungstemperatur senken, Feinstaub aus der Luft filtern und Kohlendioxid binden. Ein City Tree erreicht laut Unternehmen Green City Solutions aus Bestensee Brandenburg eine Kühlung, die etwa 67 jungen Bäumen entspricht.

Die Koalition im Römer hat zuletzt 150 000 Euro zur Anschaffung von fünf City Trees im Haushalt 2022 bereitgestellt. Laut dem Unternehmen kostet ein City Tree ab 36 490 Euro.

Magistrat sieht geringe Wirkung von City-Trees

Der Magistrat schätzt die klimafreundliche Wirkung deutlich geringer ein. „Ein merklicher Beitrag der City Trees auf die klimatischen Bedingungen in der Stadt erscheint fraglich“, heißt es in dem Bericht. Die Anlage reinige die Umgebungsluft nur „räumlich stark begrenzt“. Die Minderung von Feinstaub sei „marginal“. Auf die Belastung durch Stickoxide hätten die verwendeten Moose „keinen Einfluss“.

Rechne man Anschaffung, Unterhalt, Wartung und mögliche Reparaturen zusammen, reichten 150 000 Euro im Jahr nicht aus für fünf dieser Objekte, so der Magistrat.

Günstiger und geeigneter als City Trees sind laut Magistrat neben Bäumen auch bepflanzte grüne Säulen, die Regenwasser von Dächern speicherten. Ein Prototyp werde bereits erprobt. Ebenfalls im Einsatz sind „grüne Wohnzimmer“, etwa am Goetheplatz. Sie sind mit 60 000 Euro pro Stück aber nicht eben günstig. Die Mittel für die City Trees im Haushalt 2022 müssen laut Magistrat gegebenenfalls ins kommende Jahr geschoben werden.

Keine massiven Baumpflanzungen in Bockenheim

Derzeit bereitet der Magistrat das Aufstellen einer digitalen Anzeigetafel mit Infos zu den Treibhausgasemissionen der Stadt vor. Die Tafel soll an einem zentralen Platz in der Innenstadt stehen.

Gezeigt werden sollen die CO2-Emissionen von 1990 sowie der aktuelle Ist-Wert und Soll-Wert. Eine Grafik soll Haushalte, Industrie, Verkehr sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen abbilden.

Eine zweite Grafik soll die Emissionen der städtischen Liegenschaften zeigen. Als Best-Practice-Beispiele würden Projekte aus dem Klimaschutzplan der Stadt genannt. Frankfurt hat sich vorgenommen, bis 2035 klimaneutral zu werden.

Abgelehnt hat der Magistrat eine Klimaschutzinitiative des Ortsbeirats 2. Das Gremium hatte vorgeschlagen, in den kommenden drei Jahren jährlich 100 000 Euro für das Pflanzen von Bäumen in Bockenheim auszugeben. Der Magistrat sollte demnach nach Baumstandorten suchen im Gebiet zwischen Sophienstraße, Gräfstraße, Hamburger Allee, Kasseler Straße, Salvador-Allende-Straße, Fritzlarer Straße, Ginnheimer Straße und Ginnheimer Landstraße.

Laut Magistrat würde es bis zu einer halben Million Euro kosten, das 0,3 Quadratkilometer große Gebiet durch einen externen Dienstleister systematisch auf Leitungstrassen und Baumstandorte prüfen zu lassen. Eigene Kapazitäten habe die Verwaltung dafür nicht. Bei anstehenden Straßenarbeiten seien Baumpflanzungen aber „wünschenswert“.

Ein „City Tree“ steht zum Beispiel in Bonn. Foto: Green City Solutions
Ein „City Tree“ steht zum Beispiel in Bonn. Foto: Green City Solutions © Green City Solutions

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