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Kahle und kranke Bäume, leider ein gewohnter Anblick in Zeiten des Klimawandels.
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Kahle und kranke Bäume, leider ein gewohnter Anblick in Zeiten des Klimawandels.

Klimawandel

Bäume tot - Kasse leer

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die Tragödie im Frankfurter Stadtwald nimmt ihren Lauf auch finanziell: Einnahmen sinken, Kosten steigen.

Dem Frankfurter Stadtwald geht es schlecht. Fast alle Bäume sind aufgrund des Klimawandels und der langen Trockenheitsphasen geschwächt, viele schon tot. Das macht sich auch in der Stadtkasse bemerkbar: Die Einnahmen aus dem Holzverkauf sanken um rund 50 Prozent auf 450 000 Euro im vorigen Jahr, berichtet der Magistrat.

Auch für die nächsten Jahre rechnen die Fachleute mit spärlichem Ertrag, denn der Nadelholzpreis, einst größter Gewinnposten, sei von ehemals 70 bis 80 Euro auf unter zehn Euro pro Kubikmeter gefallen. Schuld ist der Käferfraß an den Fichten, die vom Mangel an Niederschlag derart geschwächt sind, dass sie sich nicht mehr wehren können. Den Durchschnittserlös über alle Baumarten beziffert der Magistrat auf derzeit etwa 19,50 Euro für den Kubikmeter, Tendenz sinkend. 2017 habe er noch bei 45 Euro gelegen.

Ruhepause. Im Winter hat der Wald viel weniger Stress als in der Hitze. Doch überall zeugen abgeholzte Stämme vom Sterben.

Mit schneller Besserung für den Wald ist nicht zu rechnen, im Gegenteil. Die Kosten für die Bewältigung der Tragödie steigen, etwa bei der Verkehrssicherung. „Der Aufwand ist mindestens um das Fünffache gestiegen“, heißt es im Magistratsbericht. Die Forstleute seien das ganze Jahr über fast ausschließlich damit beschäftigt aufzupassen, dass die sterbenden Bäume niemandem auf den Kopf fallen. Weil es dafür nicht genug Personal gibt, musste das Grünflächenamt einen Teil der Verkehrssicherungsaufgaben an Fremdunternehmen vergeben und dafür 200 000 Euro bezahlen. Das werde auch so weitergehen, heißt es. Und die Kosten für die Wiederaufforstungen, 2020 waren es rund 30 000 Euro, steigen ebenfalls deutlich.

Hoffnungsträger sind etwa Winterlinde, Elsbeere, Weißtanne und Spitzahorn. Diese alten heimischen Baumarten würden von Fachleuten wegen ihrer Widerstandskraft gegen Trockenheit favorisiert. Von den zugewanderten Arten empfehlen sich Küstentanne, Schwarzkiefer, Baumhasel, Atlas-Zeder und Esskastanie – allesamt ursprünglich in wärmeren Regionen zu Hause. Sie müssen aber erst mal mit unserem Spätfrost zurechtkommen.

Stadt und Goethe-Uni testen auf Versuchsflächen derweil mediterrane Eichenarten (Flaumeiche, Ungarische Eiche, Steineiche) im Wettstreit mit der heimischen Stieleiche.

Nach wie vor haben die städtischen Entscheider Vertrauen in die Eiche, auch wenn sie im abgelaufenen Jahr in Panik massenhaft Eicheln produziert hat – ein weiteres Alarmsignal. Weil Eichen zur Nachzucht begehrt sind, hat der Stadtforst schon vor Jahren eine Kooperation mit einer Frankfurter Baumschule begonnen: Sie zieht Saatgut aus dem Wald heran, und die jungen Bäumchen aus der Pflanzschule kommen dann wieder in den Stadtwald zurück. Das Verfahren garantiere die stetige Versorgung mit Pflanzmaterial, erläutert der Magistrat und will die Zahl der jungen Eichen noch erhöhen.

„Der Schutz des Frankfurter Stadtwaldes als wichtiger Frischluftlieferant für die Stadt muss gewährleistet bleiben“, betont die Stadtregierung. Gerade wegen der klimabedingten Schwächung sei die Ausweisung als Bannwald umso wichtiger; sie verbietet Eingriffe generell. „Sollten die heimischen Baumarten auf Dauer nicht bestehen können, so müssen Zertifizierungsstandards wie FSC angepasst werden.“ Das Gütesiegel FSC (siehe dazu auch den Bericht auf Seite F3) besagt unter anderem, dass je Waldbestand 20 Prozent fremdländische Bauarten eingemischt sein dürfen.

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