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Was bleibt: Die ehemaligen Bäume im Kameruner Rosengärtchen werden am Mittwoch vor Ort gehäckselt.
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Was bleibt: Die ehemaligen Bäume im Kameruner Rosengärtchen werden am Mittwoch vor Ort gehäckselt.

Stadtnatur

Frankfurt: Bäume im Dunkeln gefällt

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Im Kameruner Rosengärtchen werden vor Sonnenaufgang Fakten geschaffen. Proteste und ein Vorstoß des Ortsbeirats in Frankfurt bleiben erfolglos.

Frankfurt - Der Anruf kommt um kurz nach 7 Uhr am Morgen. Das Erste, was aus dem Hörer dringt, ist lautes Dröhnen, unverkennbar eine Motorsäge. Dann die Stimme der Anwohnerin Antje Ries. „Guten Morgen. Sie fangen an, die Bäume zu fällen.“

Der Protest war also vergebens. Im Kameruner Rosengärtchen im Gallus, in der Verlängerung der Altenhainer Straße, sind am Dienstag zwei Bäume gefällt worden, die bei einem Bauprojekt störten. Vier Wochen nach dem ersten Versuch, den protestierende Nachbarinnen und Nachbarn stoppten, hat die ABG Frankfurt Holding ernst gemacht. Im Lauf des Vormittags fällt die 1984 gepflanzte Rosskastanie, ein stattlicher Baum mit gleich vier Stämmen, 14 Meter hoch. Und es fällt die noch fünf Jahre ältere Vogelkirsche, ebenso hoch, jedenfalls zum Zeitpunkt der Petition gegen die Fällung aus dem Frühjahr, die 175 Menschen unterstützten.

Frankfurt-Gallus: Protest der Anwohner gegen Baumfällung

Die Bäume werden direkt vor Ort kleingehäckselt von der beauftragten Firma, Motto: „Ihr Baum in guten Händen“. Von wann der Auftrag zur Fällung stammt, weiß das Team nicht. „Kann ich Ihnen nicht sagen“, sagt der, der die Anweisungen gibt, „ich bin nicht der Chef.“

Die Frage nach dem Auftrag ist nicht ganz uninteressant, denn die Bäume fallen just an dem Morgen, nachdem der zuständige Ortsbeirat 1 einen CDU-Antrag behandelt hat, das Bauprojekt zu ändern: so, dass die Bäume möglichst stehen bleiben können. Das Stadtteilparlament leitete den Antrag am Dienstagabend weiter an den Magistrat, der noch einmal prüfen sollte, ob es nicht doch eine Möglichkeit gäbe, eine Kita und 18 Wohnungen so zu bauen, dass die Bäume integriert werden.

Die Mühe kann sich der Magistrat nun sparen, nachdem die ABG Fakten geschaffen hat. „Wir sind entsetzt von dieser Vorgehensweise“, sagt Antje Ries. Auf Twitter kursieren Fotos und Videos von der Fällung.

Auch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist am Mittwochmittag bedient. „Es läuft wie so oft: Baurecht schlägt Baumrecht“, sagt sie. „Ich habe rechtlich keine Möglichkeit, das zu verhindern, wenn die Planung abgeschlossen ist.“ Es gelte, künftig gleich so zu planen, dass die Bäume bleiben können. Dass dies hier nicht geschehen ist, sagt Heilig, „das ist großer Mist“.

Frankfurt: ABG spricht von „nötigem Kompromiss“

Aber es sei Beschluss der Stadtverordneten sagt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. „Wir haben eine Baugenehmigung, wir haben dringend benötigten Wohnraum und eine Kindertagesstätte – das war dem Parlament offensichtlich wichtiger als der Erhalt von zwei Bäumen, die anderswo ersetzt werden.“ Mit dem Antrag im Ortsbeirat habe der Fälltermin nichts zu tun. „Wir müssen immer Kompromisse eingehen“, sagt Junker, „sonst gibt es in Frankfurt keine Kitas und keine Wohnungen mehr.“

„Hier wurden weniger als neun Stunden nach dem Ortsbeiratsbeschluss bei Nacht und Nebel Tatsachen geschaffen“, kritisiert BUND-Sprecher Rüdiger Hansen. Nachbarn hätten beobachtet, dass Gärtnereifahrzeuge in der Dunkelheit ohne Licht vorgefahren seien und im Dunkeln mit dem Sägen begonnen hätten: „Wie kann die der Stadt Frankfurt gehörende Wohnungsbaugesellschaft so gegen engagierte Bürger und gegen den Willen des Ortsbeirates verfahren?“

Hansen fragt sich: „Wie wollen wir in dieser Stadt die Klimaziele erreichen und Bürger:innen und ihre Kinder vor den Klimafolgen bewahren, wenn immer wieder nach dem brutalen Leitsatz verfahren wird: Baurecht vor Baumrecht?“ Und: „Wie können wir die Beschlussgremien dazu bringen, dass zukünftig der umgekehrte Leitsatz gilt: Baumrecht vor Baurecht?“ (Thomas Stillbauer)

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