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In der B-Ebene am Eschenheimer Tor können obdachlose Menschen übernachten – auf dem Boden, aber im Warmen.

Obdachlosigkeit

Frankfurt: B-Ebene am Eschenheimer Tor ist wieder Nachtquartier für Obdachlose

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Die B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor in Frankfurt steht Bedürftigen ab November wieder offen. Erstmals soll es einen „Klientenausweis“ geben.

Ab dem 1. November hat das Winterquartier für obdachlose Menschen in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor in Frankfurt wieder geöffnet. In diesem Jahr soll es eine Neuerung geben: Der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten möchte vor Ort einen Klientenausweis ausstellen. Dadurch erhoffe man sich, mehr darüber zu erfahren, wie sich die betroffenen Menschen in der Stadt bewegten und wer die Notunterkunft regelmäßig nutze.

Den blaue Ausweis im Visitenkartenformat bekomme jeder, der die Einrichtung in diesem Jahr nutzen wolle, sagt Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten. Darauf erfasst würden Name, Alter, Herkunftsland und zu welcher Hilfsorganisation man Kontakt habe. Heinrichs weist darauf hin, dass man aber niemanden zwinge, seine Anonymität aufzugeben. Wer will, kann auch einen falschen Namen oder ein Alias angeben. Es gehe nur darum, ein klareres Bild von der Situation der Menschen zu bekommen. „Dann erkennen wir vielleicht, um wen man sich noch mehr kümmern muss“, sagt Heinrichs.

Übernachtungsmöglichkeit für Obdachlose

Der Ausweis werde schließlich laminiert, und die obdachlosen Menschen können ihn dann bei jedem Besuch wieder vorzeigen. Der neue blaue Ausweis beruhe auf einem System, das das Nachtcafé im Bahnhofsviertel bereits nutze. Dort bekommt man einen Ausweis in Orange. Auch dieser Ausweis kann in der B-Ebene vorgezeigt werden – die Daten der Person seien dort ja bereits erfasst.

Die Übernachtungsmöglichkeit am Eschenheimer Tor werde voraussichtlich bis Mitte Mai geöffnet bleiben, sagte Heinrichs. Die B-Ebene bot im vergangenen Jahr bis zu 180 Personen pro Nacht Schutz. Auch in diesem Jahr wird es am Morgen wieder das Wintercafé geben. Dort können die Menschen nach dem Wecken einen Kaffee trinken und sich noch im Warmen aufhalten.

Wie alle helfen können

Bei großer Kälte besteht für obdachlose Menschen, die draußen schlafen, Lebensgefahr. Die Stadt Frankfurt bittet daher alle Bürgerinnen und Bürger, im Winter auf den Straßen der Stadt die Augen offen zu halten.

Wer hilflose Obdachlose draußen übernachten sieht, kann unter der Nummer 069 / 43 14 14 den Kältebus des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten anrufen. Der Bus ist in jeder Nacht draußen unterwegs, verteilt Schlafsäcke und heiße Getränke und fährt Obdachlose auf Wunsch in eine Notunterkunft. Außerdem behält das Team des Busses den Überblick auf den Straßen und bemüht sich darum, mit neu hinzugekommenen Obdachlosen Kontakt aufzubauen.

Die Stadt Frankfurt unterhält eine eigene Hotline für soziale Notlagen, die rund um die Uhr besetzt ist. Die Nummer lautet 069 / 21 27 00 70. Bei akuter Lebensgefahr sollte man in jedem Fall unter der bekannten Nummer 112 den Notruf verständigen.

Heinrichs berichtet, dass es im vergangenen Jahr 23 625 Übernachtungen am Eschenheimer Tor gegeben habe. „Die Menschen, die kommen, wollen ihre Ruhe“, sagt sie. Dies würden auch die kritischen Vorgänge zeigen, bei denen es zu Problemen oder Streit gekommen sei. Von den 88 Vorfällen wurde in 43 Fällen die Polizei eingeschaltet. 25 der 88 Vorfälle seien auf eine Person zurückzuführen, die mit starken psychischen Problemen zu kämpfen habe.

Notübernachtungsstätten für Obdachlose

In Frankfurt gibt es aber nicht nur die B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor, sondern noch weitere Angebote, die obdachlose Menschen nutzen können. Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) führt 270 Betten an, die in Notübernachtungsstätten und Einrichtungen generell zur Verfügung stehen. Darunter die Unterkünfte im Ostpark, in der Rudolfstraße und im Sozialzentrum Burghof (alle Frankfurter Verein) sowie die Tagestreffs Bärenstraße (Caritas), der Tagestreff Weißfrauen in der Weserstraße und das Haus Hannah (Diakonie). Während des Winters kommen noch 70 Schlafplätze in den Frankfurter Tagestreffs hinzu.

Darüber hinaus gibt es Angebote wie das Nachtcafé im Bahnhofsviertel, was allerdings Menschen mit Suchterkrankungen vorbehalten ist. Auch die Bahnhofsmission im Hauptbahnhof ist eine Anlaufstelle für obdachlose Menschen. Dort gibt es zwei Betten für Frauen, aber auch Männer können im Sitzen dort übernachten. Der Aufenthalt an kalten Tagen ist auch möglich.

Obdachlose kommen im Winter in die Stadt

Genaue Zahlen, wie viele obdachlose Menschen sich in Frankfurt aufhalten, kann die Stadt nicht nennen. Fest stehe, dass die Gesamtzahl im Laufe des Jahres immer wieder schwanke. So werde erwartet, dass mit dem Beginn des Weihnachtsmarkts wieder mehr Obdachlose in die Stadt kämen, um etwas Geld zu verdienen oder zu erbetteln. Tendenziell wurden in den vergangenen Jahren aber immer wieder höhere Zahlen festgestellt. Diese Schwankungen bestätigen auch die Mitarbeiter des Kältebusses. Bei Kontrollfahrten im Sommer wurden etwa 100 obdachlose Menschen auf der Straße gezählt. Seit Mitte Oktober fährt der Kältebus wieder regelmäßig in jeder Nacht, seitdem waren es zwischen 115 und 142.

Frank Kulczak vom Dienst „Hilfen bei Wohnungslosigkeit und Sucht“ im Sozialamt berichtet über eine positive Entwicklung. Im Vergleich zu 2011 habe sich die Zahl der Zwangsräumungen halbiert. Zwischen 400 und 500 gebe es noch jährlich. „Das A und O ist es, dass die Menschen gar nicht erst ihre Wohnung verlieren und auf der Straße landen“, sagt er.

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