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Die AWO-Affäre zieht weite Kreise. 

Präsidium

Neues AWO-Präsidium spricht von einer „kleinen, raffgierigen Clique“

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Das neue AWO-Präsidium in Frankfurt rechnet mit früheren führenden Funktionären ab und erteilt mehreren von ihnen Hausverbot in der Zentrale der Wohlfahrtsorganisation.

  • In AWO-Affäre stellt sich CDU hinter Birkenfeld
  • Sozialdezernentin gerät im Römer unter Druck
  • AWO soll künftig intensiv überwacht werden

Die CDU im Römer stellt sich am Montag hinter ihre Parteifreundin Daniela Birkenfeld und stärkt der Sozialdezernentin den Rücken. Im Umgang mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) habe sie sich „nichts vorzuwerfen“, urteilt der Stadtverordnete Albrecht Kocksiek, der für die CDU im Römer-Sozialausschuss spricht. Dass Birkenfeld 2018 in einem Vertrag der AWO Verschwiegenheit zugesichert habe, nachdem schon Anfang 2017 Unregelmäßigkeiten im Umgang mit städtischen Zuschüssen aufgefallen waren, sei durchaus nachvollziehbar.

AWO-Skandal: Frankfurt kann Schadensersatz geltend machen

„Ich verstehe die Aufregung“, sagt Kochsiek. Doch damals habe es nicht genügend Hinweise auf ein umfassendes Fehlverhalten der AWO gegeben. Für den CDU-Politiker ist wichtig, dass die Stadt noch immer die Möglichkeit hat, der AWO gegenüber Schadensersatz geltend zu machen. Eine generelle Absolution sei mit dem Vertrag von 2018 nicht verbunden gewesen.

Während die Sozialdezernentin im Römer unter Druck gerät, organisiert die neu gewählte Vorsitzende des AWO-Präsidiums Frankfurt, Petra Rossbrey, in der AWO-Zentrale im Ostend ihren ersten Arbeitstag. Am Nachmittag bekommt sie Rückendeckung vom AWO-Bundesverband. Er unterstützt Rossbreys Anstrengung, „klare Strukturen zu schaffen und konsequent alle Verstöße gegen die Compliance Regeln zu sanktionieren und aufzudecken“.

Affäre in Frankfurt: Präsidium will intensiv AWO überwachen

Wenige Stunden nach seiner Wahl hatte das neue Präsidium die beiden verbliebenen Mitglieder des alten Vorstands, Panagiotis Triantafillidis und Jasmin Kasperkowitz abberufen.

Petra Rossbrey.

Gegen den früheren AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter, gegen Triantafillidis und vier weitere Ex-Funktionäre verhängt das Präsidium ein Hausverbot. Schon die Pressemitteilung dazu signalisiert den neuen Kurs – sie trägt die Überschrift „Hausverbot für Raffgierige“.

Eine „kleine, raffgierige und gewissenlose Clique“ habe die AWO in die Krise gestürzt. Das Präsidium will die laufenden Geschäfte des großen Kreisverbandes künftig intensiv überwachen und einmal wöchentlich zusammentreten.

Affäre in Frankfurt: AWO will neue Vorstände berufen

Innerhalb der nächsten vierzehn Tage will das Präsidium zwei neue, vertrauenswürdige Vorstände berufen. Eine zentrale Frage für den Kreisverband bleibt am Montag ungeklärt: Ob nämlich der AWO-Bundesverband jetzt wieder Zuschüsse an die Frankfurter weiterleitet. Die Geldzuflüsse waren gestoppt worden und das hatte eine große Lücke in den Etat des Kreisverbandes gerissen. Eine Sprecherin der AWO-Bundeszentrale in Berlin kann dazu keine Auskunft geben.

Petra Rossbrey, neue Vorsitzende des AWO-Präsidiums Frankfurt, spricht im Interview mit der FR über ihre Aufklärungsarbeit sowie die Verunsicherung und Hoffnung bei den Beschäftigten.

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