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Der neue Hingucker am Mainkai: ein kleiner, selbstfahrender Bus.

Verkehr

Erster autonomer Bus rollt bei Testfahrt am Frankfurter Mainkai entlang

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Am Mainkai soll bald ein selbstfahrender Bus eingesetzt werden. Ein Operator ist in der Testphase noch immer an Bord.

Frankfurt - Völlig geräuschlos fährt ein kleiner, weiß-türkisfarbener Bus aus seiner mit Grafitti verzierten Traglufthalle heraus und rollt dann unter großer Vorsicht den gesperrten Mainkai hinunter. Das kleine Gefährt soll bald autonom fahren, muss aber gerade noch von einem sogenannten Operator per Fernbedienung gesteuert werden.

Denn am Montag haben der RMV, der VGF und Traffiq einen selbstfahrenden Mini-Bus, in dem sechs Menschen Platz finden, vorgestellt. Bald soll noch ein zweiter dazukommen. Die Busse sollen zwischen der Alten Brücke und der Untermainbrücke mit einer weiteren Haltestelle am Eisernen Steg pendeln. Jetzt haben die Tests und die Einmessungsphase begonnen.

Frankfurt: Autonomer Bus rollt Mainkai entlang - Systeme lernen Gelände kennen

„Damit der Bus autonom fahren kann, muss nun erstmal das Gelände erfasst werden“, sagt Mathis Zamboni vom Unternehmen Easymile, das die Busse baut. Das System müsse dabei in den nächsten vier Tagen lernen, wo Laternen oder Bordsteine sind und eine feste Strecke kennenlernen. Dabei dürfen allerdings noch keine Passagiere mitfahren. Ende September soll dann die Testphase beginnen, in der die Busse Personen befördern.

In dieser Zeit, die bis voraussichtlich Sommer 2020 andauern soll, ist immer noch ein Operator an Bord, der die Fahrt begleitet und im Notfall eingreifen kann. Dafür besitzt er eine gelbe Fernbedienung, mit der gestoppt, gelenkt oder Tonsignale gegeben werden können. Insgesamt stellt der VGF zwölf Mitarbeiter. Einer davon ist Klaus Peter Düwel. „Ich bin sehr gespannt. Dann mache ich mal etwas anderes, etwas modernes“, sagt der 61-jährige VGF-Mitarbeiter, der seit Jahren Busse und Bahnen lenkt und auch als Ausbilder tätig ist. Der knapp zwei Tonnen schwere Bus wird mit zwei Elektromotoren betrieben und soll dann über Nacht geladen werden. Allerdings wird er nicht über den Mainkai rasen, denn die Geschwindigkeit ist auf 15 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Frankfurt: Am Mainkai sollen bald autonome Busse fahren - Sensoren erkennen Hindernisse

Angst vor Zusammenstößen brauche man auch nicht zu haben, sagt Zamboni. Der Bus sei mit sogenannten Lidar-Sensoren ausgestattet, die sowohl sehr nahe, aber auch weit entfernte Hindernisse erkennen können. So kann das System dann entsprechend – entweder mit einer Verlangsamung des Tempos oder mit dem Anhalten des Fahrzeugs – reagieren. Die Sensoren senden Laserimpulse aus und können dann, nachdem das zurückgestreute Licht registriert wurde, anhand der Zeitspanne, die zwischen Impuls und Registrierung vergangen ist, die Entfernung messen.

Die Kosten für ein Fahrzeug lägen bei einem Betrag im unteren sechsstelligen Bereich, so die Sprecherin Vanessa Rehermann. Die Busse sind aus zulassungstechnischen Gründen noch nicht barrierefrei. Ob Hunde mitfahren dürfen, müsse noch geklärt werden.

Nicht nur am Frankfurter Mainkai, sondern auch in der Umgebung sollen laut RMV autonome Busse getestet werden. Der Mainkai ist seit Ende August für Autofahrer gesperrt. Ganze 13 Monate gehört die Uferstraße Fußgängern und Radfahrern. Alle Informationen über die Mainkai-Sperrung finden Sie hier zusammengefasst. 

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