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Der „Easy“-Bus fährt maximal 15 Stundenkilometer, also langsamer als ein Jogger.

Verkehr

Frankfurt: Autonome Busse fahren am Main

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Zwei elektrische Kleinbusse sind am Eisernen Steg unterwegs. Bei Gefahr bremsen sie selbständig.

Die Stadt Frankfurt testet erstmals autonomes Fahren im öffentlichen Raum. Auf der gesperrten nördlichen Mainuferstraße sind bis zum 31. Juli 2020 jeden Tag, mit Ausnahme von einigen Großveranstaltungen, zwei autonome Kleinbusse unterwegs.

Die Busse mit sechs Sitzplätzen halten an den drei neuen Haltestellen Untermainbrücke, Eiserner Steg und Alte Brücke. Die Strecke ist rund 700 Meter lang.

Weil es das Gesetz verlangt, ist ein sogenannter Operator mit an Bord, um bei Gefahren zu reagieren. Im Regelfall erkennen die Fahrzeuge die Passanten oder Hindernisse auf der Fahrbahn mit ihren Sensoren aber selbst. Dann bremsen sie ab.

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„Der eine oder andere wird sich einen Spaß daraus machen und vor den Bus springen, um zu sehen, ob er wirklich hält“, sagt Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). „Die Fahrzeuge sind sehr defensiv unterwegs“, so Tom Reinhold, Geschäftsführer der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Gut eine halbe Million Euro investieren die Partner RMV, Traffiq und VGF in den einjährigen Versuch auf dem Mainkai. Es gehe darum, herauszufinden, ob das autonome Fahren technisch funktioniere, und wie es von den Menschen angenommen werde, sagt Ringat. Potenzial für den Einsatz von autonomen Fahrzeugen sieht er vor allem im ländlichen Raum, in den Randzeiten am Morgen und am Abend sowie auf der ersten und letzten Meile.

Busse bremsen bei Gefahr

Jeden Tag zwischen 13 und 19 Uhr fahren die elektrischen Kleinbusse nun den Mainkai entlang. Nachts werden sie in einem mit City-Graffito besprühten Container-Depot an der Uferstraße geladen. Die Höchstgeschwindigkeit der Kleinbusse, die „Easy“ heißen, liegt bei 15 Stundenkilometern. Das ist nicht besonders schnell. „Ein Jogger kann den Bus leicht überholen“, sagt Reinhold. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn die Busse schon jetzt vollständig autonom, ohne Operator, fahren würden und schneller unterwegs wären. „So, wie sie jetzt fahren, sind sie für den Massendauerbetrieb noch nicht geeignet.“ Dennoch sei die Fahrt „ein Erlebnis“.

Wissenschaftlich wird das Pilotprojekt von der University of Applied Sciences Frankfurt begleitet. Bis Ende 2020 würden die Forschungsergebnisse veröffentlicht, kündigte Verkehrforscherin Petra Schäfer an. Auf der Mobilitätsmesse Hypermotion auf dem Frankfurter Messegelände würden laut Ringat von 26. bis 28. November zwei weitere autonome Kleinbusse eines anderen Herstellers zwischen den Hallen fahren.

„Mit dem Pilotprojekt nehmen wir bundesweit eine Spitzenrolle ein“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Wegen der zahlreichen Fußgänger am Überweg zum Eisernen Steg sowie den Radfahren und E-Roller-Fahrern würden die Busse einem „harten Praxistest“ ausgesetzt. Die Sperrung des Mainkais werde sich etablieren, sagte Oesterling, der am Freitagmorgen um zehn Uhr auf der südlichen Mainuferstraße keinen Stau erkennen konnte. „Man braucht Mut, um eine solche Straße zu sperren, und das durchzuhalten“, so Ringat.

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