Neuzulassungen

Frankfurt: Autohändler schlagen Alarm

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Die Zulassungsstelle in Frankfurt bietet nur noch sehr eingeschränkten Service an. Händler können das nur bedingt nachvollziehen.

Ein Schreiben des Frankfurter Ordnungsamtes sorgt für Ärger und Aufregung unter Autohändlern. Die Behörde richtet sich an alle Autohäuser und Zulassungsdienste und teilt mit, dass nur noch Zulassungen für Kunden aus sogenannten systemkritischen Bereichen möglich seien. Konkret bedeutet das: Zulassungen gibt es für Fahrzeuge von Kliniken sowie Feuerwehr und Polizei. Für alle übrigen Wagen braucht es eine schriftliche Begründung, warum die Zulassungen „als zwingend notwendig zu erachten sind“.

Marco Hentsch-Sulzbach kann dieses Vorgehen nur „bedingt nachvollziehen“, wie er in einem Brief an Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) schreibt. Hentsch-Sulzbach ist Geschäftsführer eines Autohauses der Göthling & Kaufmann Gruppe in Eschborn und betreut viele Kunden, für die die Zulassungsstelle in Frankfurt zuständig ist. Darunter seien auch Logistikunternehmen und Handwerksbetriebe, die ohne die bestellten Fahrzeuge weitere Umsatzeinbußen hätten.

Seiner Ansicht nach ist es den Beschäftigten in Krankenhäusern oder in Supermärkten nicht zu vermitteln, warum sie weiterarbeiten müssen, während die Mitarbeiter in den Frankfurter Behörden den Betrieb aus Sorge um die eigene Gesundheit einstellten. Eine Zulassung könne nahezu kontaktlos erfolgen, argumentiert er. Der Antrag wird in den Briefkasten eingeworfen, später könnten die Nummernschilder durch eine Art Schleuse übergeben werden. Der Mitarbeiter der Zulassungsstelle bleibe dabei stets hinter Plexiglas.

Sollten die Autohäuser weiterhin derart große Schwierigkeiten haben, Fahrzeuge zuzulassen, sieht Marco Hentsch-Sulzbach große wirtschaftliche Probleme auf die Händler zukommen. Publikumsverkehr dürfe es in den Autohäusern ohnehin nicht mehr geben, deshalb habe man Alternativen zum Verkauf vor Ort entwickelt – etwa über das Internet. Diese müssten aber auch funktionieren, „sonst erleben wir in nächster Zeit ein massives Händlersterben“.

Personalmangel im Amt

Dem Leiter des Frankfurter Ordnungsamts, Jörg Bannach, ist diese Kritik durchaus bekannt. Nicht nur Hentsch-Sulzbach habe sich in den vergangenen Tagen an die Behörde und die Politik gewandt, um sich zu beschweren. Doch zumindest kurzfristig sieht Bannach keine Alternative zum Vorgehen der Zulassungsstelle.

Grund dafür sei die Personallage in den Ämtern. So müsse auch das Ordnungsamt derzeit mit einer Notbesetzung arbeiten. Verantwortlich dafür seien Krankheitsfälle und Fehlzeiten wegen notwendiger Kinderbetreuung. Zudem müssten Mitarbeiter daheim bleiben, die Bannach einsetzen kann, sollte die Zahl der Mitarbeiter in der Behörde etwa wegen Ansteckungen weiter abnehmen. Nur so lasse sich sicherstellen, dass das Ordnungsamt auch in den kommenden Wochen und Monaten die dringend notwendigen Aufgaben wahrnehmen könne.

Bannach verweist aber darauf, dass Fahrzeuge zugelassen werden könnten, wenn die Begründung überzeugend sei. Das gelte etwa für Wagen, die in der Logistikbranche benötigt würden, wie auch für Fahrzeuge von Pflegediensten. Auch Handwerker, die deutlich machen, warum sie gerade jetzt ihr Auto zulassen müssen, bekämen den notwendigen Service.

Hentsch-Sulzbach kann das Vorgehen der Frankfurter Behörde trotzdem nicht nachvollziehen. Er verweist auf die Zulassungsstellen im Main-Taunus-Kreis und im Hochtaunuskreis, die geöffnet blieben – „selbstverständlich mit allen Schutzmaßnahmen“.

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