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Die Deutsche Bundesbahn ehrt Susanne und Ralf. Sie haben Reisende der Bahn in einer bedrohlichen Situation gerettet. Holger Menzel
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Die Deutsche Bundesbahn ehrt Susanne und Ralf. Sie haben Reisende der Bahn in einer bedrohlichen Situation gerettet. Holger Menzel

Zugbegleiterin und Fahrdienstleiter

Frankfurt: Auszeichnung für Zivilcourage

Eine Zugbegleiterin und ein Fahrdienstleiter werden für ihre Zivilcourage geehrt.

Kurz nach halb sieben verlässt die Regionalbahn in Richtung Limburg den Frankfurter Hauptbahnhof. Für Susanne, die zu ihrem Schutz ohne Nachnamen bleiben soll, ist es die letzte Fahrt für heute. Der Tag war lang, die 56-jährige Zugbegleiterin freut sich auf zu Hause. Die Bahn ist voll, langsam arbeitet sie sich durch die Reihen. „Irgendwann kamen dann Leute, die gesagt haben: Im mittleren Waggon sitzt einer mit einer Waffe“, erinnert sie sich. Sie gibt dem Lokführer Bescheid, damit dieser die Polizei ruft, dann geht sie los. „Ich habe nicht viel gedacht in dem Moment“, wird sie ein Vierteljahr später zu Rocco Stein sagen, dem Leiter der Bundespolizeiinspektion Frankfurt, der sie und den 31-jährigen Fahrdienstleiter Ralf am Dienstag für die Zivilcourage ehrt, die die beiden an jenem Samstag Ende März gezeigt haben.

Das Problem ist größer

Kurz vor 19 Uhr sieht Ralf, wie Susanne den mittleren Waggon betritt, in dem er sitzt. Es war sein erster Arbeitstag im Höchster Stellwerk, auch er ist auf dem Heimweg und ziemlich müde. „Ich dachte erst, das Geräusch hinter mir käme von Böllern“, sagt er. Doch als er sieht, wie sich seine Kollegin hinter der Treppe zum oberen Stock versteckt, wird ihm klar: Das Problem ist größer.

„Ich habe hinter der Treppe vorgeschaut, um zu gucken, wo der Mann sitzt, und ich denke, er hat mich gesehen, denn er hat sofort geschossen“, sagt Susanne. Angst hat sie in diesem Moment noch keine. „Da ich nur Funken gesehen habe und mein Kopf noch dran war, habe ich angenommen, dass es eine Schreckschusspistole ist.“ Ralf steht auf, um seiner Kollegin zu helfen. „Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob mir was passieren kann. Aus meinem Job bin ich es gewohnt, auch in schwierigen Situationen kühl zu reagieren.“ Auch auf ihn zielt der Mann und drückt ab, der Knall dröhnt durchs Abteil. „Die Mitfahrer verhielten sich passiv“, sagt Ralf.

Beiden ist klar: Irgendwie müssen die Menschen aus dem Abteil raus. Während der 31-Jährige die Tür zum vorderen Waggon sichert, damit nicht noch mehr Reisende zusteigen, schleicht sich Susanne über das obere Stockwerk, der Täter hat sich mittlerweile wieder hingesetzt und trinkt aus einer halbvollen Flasche Wodka.

Susanne bedeutet den Fahrgästen, leise das Abteil zu verlassen, dann schließt sie die Verbindungstür zum nächsten Waggon ab. „Als ich gemerkt habe, dass ich mich gerade mit ihm eingeschlossen habe, dachte ich mir: um Gottes Willen“, sagt sie. „Aber man trägt in meinem Job ja Verantwortung für die Menschen.“ Also schleicht sie wieder zurück. Der betrunkene Schütze hat noch kein einziges Wort gesprochen.

Als alle Fahrgäste das Abteil verlassen haben, verriegelt Susanne auch die zweite Verbindungstür. Der Mann sitzt in der Falle. „Das hatte für uns einen großen Einsatzvorteil“, sagt Polizeichef Stein. Während Susanne die Abteile evakuiert, sind Polizisten bereits dabei, den Niedernhausener Bahnhof zu räumen. Als der Zug dort um 19.05 Uhr stoppt, ist alles bereit für den Zugriff. Um 21.45 Uhr wird der 50-Jährige im Zug festgenommen, das Gerichtsverfahren gegen ihn läuft noch.

Als der Schütze abgeführt wird, sind Susanne und Ralf bereits wieder auf dem Weg nach Hause. Und langsam wird den beiden klar, was passiert ist. Zwei Wochen braucht Susanne, um den Schock zu verarbeiten, sie bekommt psychologische Hilfe, nach einem Monat kehrt sie zurück in ihren Job. Auch Ralf braucht Zeit, um die Anspannung wieder loszuwerden. „Ich habe mich ständig umgeschaut.“ Auch er wirkt mittlerweile wieder wie jemand, der nicht klein beigeben würde.

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