Blick in die Ausstellung „Neuland: Ich, wir und die Digitalisierung“ im Museum für Kommunikation.

Museum für Kommunikation

Frankfurt: Ausstellung über Corona und die Digitalisierung

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Es ist die Ausstellung der Stunde. Das Museum für Kommunikation in Frankfurt zeigt den Schub für die Digitalisierung durch Corona.

Es ist eines der Zitate, mit denen sich Angela Merkel in die Zeitgeschichte eingeschrieben hat. 2013 urteilte die Bundeskanzlerin in einer Pressekonferenz: „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Zu einem Zeitpunkt also immerhin, zu dem das weltweite Netz seit mehr als fünfzehn Jahren Realität war. Das Museum für Kommunikation in Frankfurt hat das Merkel-Zitat halb ironisch, halb ernsthaft in den Titel einer Ausstellung einfließen lassen: „Neuland: Ich, wir und die Digitalisierung.“ Es ist die Ausstellung der Stunde.

Denn das kuratierende Team untersucht auf 600 Quadratmetern Fläche nicht nur, was die digitalen Medien mit den Menschen machen. Nein, erstmals wird auch dargestellt, wie die Corona-Pandemie sich auf die Digitalisierung ausgewirkt hat: Sie verlieh ihr einen „zusätzlichen Schub“, so Museumsdirektor Helmut Gold. Das wiederum ist eine gewaltige Untertreibung. In der Schau lässt sich mit Kurvendiagrammen nachvollziehen, wie sich etwa die Nutzung von Skype oder die Zahl von Cloud Meetings in den zurückliegenden Wochen unglaublich vermehrt hat.

Bei der Pressekonferenz, die natürlich zum Teil eine digitale Schalte ist, sind sich die Fachleute einig, dass einiges von diesem Digitalisierungsschub bleiben wird. Auch wenn Ralf Nemetschek von der gleichnamigen Stiftung, die die Ausstellung mit konzipiert hat, urteilt: „Es lässt sich nicht alles ins Digitale übertragen.“ Kuratorin Silke Zimmermann spricht gar von einer neuen „Kultur des Vertrauens“, die durch das grassierende Homeoffice etwa in Unternehmen entstanden sei. Es gebe in der Zeit der Corona-Vereinzelung vor dem Bildschirm auch „viele positive Erfahrungen“. Künftig werde in jedem Fall „mehr Flexibilität“ gerade in der Arbeitswelt entstehen.

Ein Jahr lang hatte das Team die Ausstellung konzipiert und wurde dann von der Corona-Pandemie überrollt. Die Schau konnte nicht wie geplant im März eröffnet werden und steht erst seit dem 12. Mai für maximal 20 Personen gleichzeitig offen, unter Wahrung der Corona-Regeln, also mit Mund-Nasen-Bedeckung und Abstand. „Unglaublich traurig“ sei sie zunächst gewesen, sagt Projektleiterin Tine Nowak vom Museum. Doch dann beschloss das Team, Corona in die Ausstellung zu integrieren.

Ausstellung

Das Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main, Schaumainkai 53, zeigt die Ausstellung „Neuland: Ich, wir und die Digitalisierung“ bis zum 30. August 2020.

Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Wegen der Corona-Pandemie dürfen nur maximal 20 Personen gleichzeitig mit Mund-Nasen-Bedeckung die Ausstellung betreten. jg

Und so führt jetzt eine „Corona-Spur“ durch die Schau, rosa hervorgehoben.

Nowak zitiert das Urteil einer Sozialwissenschaftlerin, die in der Ausstellung davor warnt, dass Corona „den Graben zwischen qualifizierten und weniger qualifizierten“ Menschen in der Gesellschaft weiter vertiefen werde. Die einen profitierten von der fortschreitenden Digitalisierung, die anderen würden abgehängt und blieben zurück. Nemetschek warnt vor der „Marktmacht einiger großer Konzerne“, die das Internet beherrschten und die „bedrohlich und gefährlich“ sei. Die Debatte im Netz gerate immer „schneller, zugespitzter, polarisierender“. Der öffentliche Diskurs sei schärfer geworden, heißt das Fazit der Schau, es gebe immer mehr Hasskommentare. Die Ausstellung spart auch das Problem der wachsenden „Fake News“ im Netz nicht aus, ein Video informiert über kursierende Verschwörungstheorien rechter Initiativen gegen Corona.

Fünf Themenbereiche gliedern die Ausstellung. Das beginnt bei „Identität und Profil“ im Netz und führt über die Kommunikation zur Optimierung. Das Internet übt einen ständigen Druck auf die Nutzer aus. „Darf ich überhaupt nicht optimiert sein?“, fragt Nowak. Schließlich geht es über das Kapitel „Beziehung“ hin zum abschließenden Thema „Wissen und Orientierung“.

Etliche Informationen stimmen nachdenklich. Etwa die über den lernfähigen Bot, der 2016 von Wissenschaftlern entwickelt worden war und sich im Dialog mit den Menschen weiter entwickelte. Nach sechzehn Stunden musste er abgeschaltet werden, weil er sich zu viele rassistische Sprüche angeeignet hatte.

Die Ausstellung ist sehr luftig gebaut, ganz nach Corona-Abstandsregeln. Die Kommunikation der Besucherinnen und Besucher untereinander wird durch die Mund-Nasen-Bedeckung im Keim erstickt. Die Schulklassen, die sonst das Bild im Museum mit prägen, fehlen. Sie werde man noch lange nicht empfangen können, sagt Direktor Helmut Gold.

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