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Frankfurt: Aussteller aus Wuhan bei Messe erwartet

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Die Wirtschaft in Frankfurt und Rhein-Main befürchtet Einbußen wegen des Coronavirus. Zur Messe Ambiente haben sich trotz der Krankheitswelle 664 Ausstellern aus China angekündigt.

Die Wirtschaft in Frankfurt und Rhein-Main bekommt Auswirkungen des Coronavirus zu spüren. Viele Unternehmen in der Region sind schließlich eng mit China vernetzt, leben vom Handel mit dem Land oder haben dort Niederlassungen. Momentan seien fast alle Betriebe in China wegen des Frühjahrsfests ohnehin geschlossen, heißt es bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt. Sollten die Einschränkungen für die chinesische Wirtschaft aber weit über das eigentliche Ende dieser Ferien bleiben, könne es zu Lieferengpässen kommen, sagt Sonja M. Müller vom China Competence Center der IHK. „Immerhin ist China unser wichtigster Handelspartner.“

Müller weist darauf hin, dass die Sars-Epidemie in den Jahren 2002/2003 die chinesische Wirtschaft vermutlich rund ein bis zwei Prozent des jährlichen Wachstums gekostet habe. Die Auswirkungen des Virus für die hiesige Region seien außer für die Tourismuswirtschaft aber noch nicht gravierend. Reisebüros drohten Stornos für Reisen nach China und entsprechende Einbußen, heißt es auf Anfrage.

Etwa 700 bis 800 hessische Unternehmen betreiben laut IHK Sparten oder Niederlassungen in China. Diese agierten zunehmend vorsichtig. Viele vor allem große Unternehmen versuchten derzeit, Dienstreisen nach China zu vermeiden, diese etwa durch Telefonkonferenzen zu ersetzen, heißt es. Der IHK sind zudem Unternehmen bekannt, die ihren noch auf Dienstreise in China weilenden Beschäftigten freigestellt haben, zurückzukehren. Der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius hat seinen Vertriebsmitarbeitern der Flüssigmedizinsparte Kabi in der Region Wuhan empfohlen, möglichst von zu Hause aus zu arbeiten. Der Darmstädter Merck-Konzern rät seinen rund 56 000 Mitarbeitern wegen des Virus von Reisen nach China ab. Merck beschäftigt dort rund 4000 Menschen.

Die Messe Frankfurt hat, wie Unternehmenssprecher Markus Quint auf Anfrage sagt, drei Messen in der chinesischen Stadt Guangzhou verschieben müssen. In der Region dürften bis auf weiteres keine Großveranstaltungen stattfinden, heißt es. Bei Tochtergesellschaften der Messe in China arbeiten laut Quint etwa 600 Beschäftigte. Die Gesellschaften befolgten die Anweisungen und Empfehlungen der Behörden.

Auf das Messegeschehen in Frankfurt wirkt sich das Virus bisher offenbar nicht aus. Zur Messe Ambiente, die Freitag kommender Woche beginnt, hätten sich 664 Aussteller aus China angemeldet, davon vier aus Wuhan. Bisher gebe es keine Absage, sagt Pressesprecher Erdmann Kilian. Die Messe Frankfurt habe einen sehr hohen Standard bei der medizinischen Versorgung, sagt Quint. Nun habe man die Reinigungsmaßnahmen noch verstärkt. „Wir haben alle Vorbereitungen, die aktuell erforderlich sind, ergriffen“, sagt Quint.

Der Frankfurter Tourismuschef Thomas Feda beobachtet die Entwicklung sehr genau. Gefühlt sei in von chinesischen Touristen stark frequentierten Lokalen und Läden derzeit weniger los, sagt er der Frankfurter Rundschau. Noch seien die Auswirkungen aber schwer einzuschätzen. Die Gefahr, dass der stark gewachsene Frankfurter Tourismusmarkt großen Schaden nimmt, hält Feda aber für gering. Selbst wenn gar keine chinesischen Reisenden mehr in Frankfurt übernachteten, sinke die Zahl der Übernachtungen nur um 2,5 bis drei Prozent.

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