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Die wichtigste U-Bahn-Strecke zwischen dem Norden und dem Süden Frankfurts sind während der Sommerferien gesperrt.

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Frankfurt im Ausnahmezustand

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Sperrung der wichtigsten U-Bahn-Strecken und Baustellen belasten Anwohner und Pendler.

Auf Autofahrer und Fahrgäste kommen harte Zeiten zu. Mit Beginn der Sommerferien fallen von Montag an sechs Wochen lang die wichtigsten U-Bahn-Verbindungen vom Frankfurter Süden in den Norden aus. Die Strecke von Sachsenhausen nach Heddernheim ist wegen Bauarbeiten komplett gesperrt.

„Das ist ein außerordentlich schwerer Eingriff in den Verkehr“, sagt der zuständige Dezernent Klaus Oesterling (SPD). Zwar fahren Ersatzbusse und andere Linien sind dichter getaktet. Aber den Ausfall der Linien U1, U2, U3, U8, auf denen täglich bis zu 120.000 Menschen unterwegs sind, ersetzen sie nur bedingt.

Gleichzeitig lässt das Amt für Straßenbau und Erschließung in den Sommerferien rund 25 Straßen und Brücken in der Stadt sanieren. „Wir müssen die Baustellen in dieser Zeit abwickeln, weil dann deutlich weniger Verkehr unterwegs ist“, sagt Oesterling. Er spricht von rund 20 Prozent weniger Autos und etwa 30 Prozent weniger Fahrgästen. Falls diese Zahlen zutreffen, wären täglich rund 84 000 Fahrgäste in den Ersatzbussen auf der sogenannten A-Strecke unterwegs. Statt 250 000 würden 200 000 Autopendler am Tag die Straßen der deutschen Pendlermetropole frequentieren.

Großbaustellen auf Hauptstraßen, wie auf der Eschersheimer, Offenbacher und Hanauer Landstraße im vergangenen Jahr, gibt es in diesem Sommer nicht. Einzig die Stroofstraße am Ortseingang von Griesheim wird vier Wochen lang voll gesperrt. „Eigentlich waren nur drei Tage Sperrung geplant“, sagt Michaela Kraft, die Leiterin des Straßenbauamts. Doch die neue Arbeitsstättenrichtlinie habe die Pläne durcheinandergewirbelt. Die Richtlinie sieht zum Schutz der Arbeiter größere Sicherheitsabstände auf Baustellen vor. Der Nachteil: Baufahrzeuge kommen, wenn lediglich eine Spur gesperrt ist, nicht mehr aneinander vorbei. Daher die Vollsperrung. „Eine solche Vollsperrung bleibt bei den Sommerbaustellen aber die Ausnahme“, sagt Kraft.

Die Straßenarbeiten sollen nach Bauende nicht nur den Autofahrern zugutekommen, die nicht mehr über Holperstrecken fahren müssen. Auch an die Radfahrer wurde gedacht. Auf der Mainzer Landstraße in Richtung Innenstadt wird ein baulich getrennter Radweg errichtet, zwischen Galluswarte und Hafenstraße. Dort werden entweder Klemmfixe oder Bordsteine verbaut. „Das ist die erste größere Maßnahme für den Radverkehr nach der Einigung mit dem Radentscheid Frankfurt“, sagt Oesterling. Auch in die andere Fahrtrichtung soll die Mainzer Landstraße eine solche „protected bike lane“ erhalten, aber erst, wenn der Bau von Wohnungen und Hochhäusern am Güterplatz fortgeschritten ist. Der zuständige Baubezirksleiter Volker Benz rechnet damit, dass der Abschnitt zwischen Hafenstraße und Galluswarte in Richtung Gallus 2020 oder 2021 saniert werden kann. Auch am Martinszehnten im Frankfurter Norden wird eine Lücke im Radnetz geschlossen.

Eine Lücke im Autobahnnetz will Hessen Mobil verbinden, zwischen den Autobahnen A661 und A66 im Frankfurter Osten. Weil Vorarbeiten für den Riederwaldtunnel laufen, fahren in den Ferien die U-Bahn-Linien U4 und U7 im östlichen Abschnitt streckenweise nicht. Sie werden durch Busse ersetzt.

Unterdessen wird ein Stück Autobahn im Frankfurter Norden seit 2005 nicht mehr gebraucht, die Anschlussstelle Bonames. Im Sommer wird sie bis auf den nackten Beton zurückgebaut. Dann pflanzt das Grünflächenamt frisches Grün, „stadtübliche Pflanzen“, sagt Oesterling.

Die Sperrung der U-Bahn-Strecke ab Montag werde er sich aus nächster Nähe anschauen. „Auch der Verkehrsdezernent ist einer der Betroffenen.“

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