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Eva Szepesi berichtet über ihre Erlebnisse in Auschwitz-Birkenau.

Zeitzeugin Eva Szepesi

Darüber zu reden ist eine Pflicht

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Die Auschwitz-Überlebende Eva Szepesi spricht vor Schülern über die Zeit im Vernichtungslager.

Als ich das nächste Mal zu Bewusstsein kam, erblickte ich den strahlend roten Stern auf einer wunderschönen runden Pelzmütze“, erzählt Eva Szepesi mit ruhiger Stimme. Die Frankfurter Auschwitz-Überlebende spricht beim Zeitzeugengespräch mit Siebtklässlern der Integrierten Gesamtschule Süd vom 27. Januar 1945, dem Tag, an dem Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreiten. „Ich war überrascht und erfreut über die menschliche Wärme im Gesicht des Soldaten, der mich zwischen all den umherliegenden Leichen entdeckt hat.“

Nachdem die deutsche Wehrmacht im Frühjahr 1944 Ungarn besetzte und kurz darauf die Deportation der ungarischen Juden veranlasst hatte, begab sich die in Budapest geborene Szepesi zusammen mit ihrer Tante Peri auf die Flucht in Richtung der slowakischen Grenze. Getrennt von ihrer Mutter Valery Diamant und ihrem jüngeren Bruder Tamás wurde die damals Elfjährige in verschiedenen Familien versteckt, bis sie schließlich entdeckt und mit dem letzten Deportationszug ins Konzentrationslager gebracht wurde.

Häftlingsnummer tätowiert

Die Schüler, die ihr jetzt gebannt zuhören, sind nur unwesentlich älter, als sie es damals war. „Ich habe einfach nur gezittert und Angst gehabt“, schildert die heute 87-Jährige die erniedrigende Prozedur bei ihrer Ankunft im Lager. Die Gefangenen mussten sich nackt ausziehen, wurde kahlgeschoren und bekamen anschließend eine Häftlingsnummer auf den linken Unterarm tätowiert.

Im Anschluss an die Kurzdokumentation „Drei Frauen, drei Generationen. Anders sein, jüdisch sein“, über Szepesi, ihre Tochter Anita und Enkelin Celina, richten die Schüler noch Fragen an die Zeitzeugin. Eva Szepesi berichtet beispielsweise, dass sie 50 Jahre lang über ihre Erlebnisse geschwiegen und erst 1995 damit begonnen habe, als Zeitzeugin aufzutreten. „Am Anfang war es schwer, darüber zu reden, doch mittlerweile sehe ich es als meine Pflicht all jenen gegenüber an, die für immer stummgemacht worden sind“, erklärt sie ihrem jungen Publikum. Damit bezieht sie sich auch auf die Mitglieder ihrer eigenen Familie, die dem Vernichtungswahn der Nationalsozialisten nicht entkommen konnten. Wie ihre Mutter und ihr kleiner Bruder, von deren Schicksal sie erst 2016 bei einem Besuch in Auschwitz erfahren hat: Die beiden waren bereits vor ihrer eigenen Ankunft am 2. November 1944 im selben Konzentrationslager ermordet worden.

Mit Bezug auf die Gegenwart und das Beispiel der AfD anführend, fragte ein Schüler Szepesi, ob sie Angst habe, „dass so etwas nochmal passieren könnte“. Eine Frage, auf die die alte Dame lediglich eine ernüchternde Antwort geben konnte: „Ja. Aber ich hoffe, nicht.“

Am Donnerstag, 21. Februar, wird um 19.30 Uhr in der Aula der Ziehenschule (Josephskirchstraße 9) der Film „Trude Levi – Ich habe den Krieg gewonnen“ gezeigt. Dabei handelt es sich um eine Dokumentation über das Leben der Auschwitz-Überlebenden Trude Levi.

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