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In Heddernheim, in der Aßlarer Straße, werden die Mieter der ABG Frankfurt Holding mit Solarenergie vom Dach versorgt.

Umwelt

Ausbau der Photovoltaik stockt

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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In Frankfurt kommt der Ausbau von Photovoltaik nur schleppend voran. Damit mehr grüner Strom auf Dächern produziert wird, soll die Stadt jetzt kostenlos beraten.

In Frankfurt kommt der Ausbau der Photovoltaik kaum voran. Das geht aus einem Bericht von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hervor. Als Ursache nennt sie unter anderem überbordende Vorschriften. Diese erschwerten die Installation von Photovoltaikanlagen.

Heilig schlägt vor, dass die Stadt Mitarbeiter im Energiereferat für kostenlose Beratungen einstellt. Die Stadt müsse finanzielle Anreize setzen, um den Ausbau zu fördern. Beim Deutschen Städtetag soll die Stadt darauf hinwirken, dass der Bund Hemmnisse in der Gesetzgebung beseitigt.

Das Potenzial für Photovoltaik in Frankfurt sei hoch, heißt es im Bericht der Umweltdezernentin. Wohngebäude könnten bis zu 506 Gigawattstunden Strom durch Photovoltaik im Jahr produzieren, Gewerbe- und Industriebauten weitere 460 Gigawattstunden im Jahr.

Derzeit liege die Leistung bei gerade einmal 0,03 Gigawattstunden im Jahr, produziert durch 1535 Anlagen im Stadtgebiet.

Beratung

Die Verbraucherzentrale Hessen bietet bereits Beratungen zum Thema Photovoltaik an, Telefon 069/972010-900, Internet: www.verbraucherzentrale-hessen.de, Suchwort Photovoltaik. fle

Frankfurt, so hebt die Stadträtin hervor, hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 die Hälfte des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien abzudecken. Dabei müsse die Stadt vor allem auf Photovoltaik setzen. Denn die Potenziale bei Biomasse, Wasserkraft und Abfallverbrennung seien „nahezu vollständig ausgeschöpft“. Windräder ließen sich wegen der dichten Bebauung und der Anforderungen der Flugsicherheit kaum errichten.

Um den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen, blieben nur Photovoltaik und Solarthermie sowie Abwärmequellen. Dazu könnte auch die Abwärme zählen, die in den zahlreichen Frankfurter Rechenzentren anfällt. Die Linke im Römer hat jüngst vorgeschlagen, die Rechenzentren an das Fernwärmenetz anzubinden, um die Abwärme sinnvoll nutzen zu können.

Von 1998 bis 2011, so hält der Bericht der Umweltdezernentin fest, stieg die Zahl der Photovoltaikanlangen in Frankfurt an. Das hing mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zusammen, das die Anlagen wegen der Einspeisevergütung wirtschaftlich machte. Mit der Novellierung des EEG 2011 kam ein Einbruch, weil die Einspeisevergütung sank.

Allerdings, so heißt es weiter, seien die Photovoltaikmodule seitdem günstiger geworden. Mittlerweile sei es finanziell attraktiv, den produzierten Solarstrom im Gebäude selber zu verbrauchen statt ins Stromnetz einzuspeisen.

Bei der kostenlosen Beratung, erklärt Heilig, könne eingeschätzt werden, ob die Installation einer solchen Anlage überhaupt möglich sei, was sie koste, ab wann sie sich rechne, welchen Zustand das Dach habe.

Die Stadt Frankfurt wolle sich beim Deutschen Städtetag für Gesetzesänderungen starkmachen, kündigt sie an. Derzeit sei es zum Beispiel wirtschaftlicher, kleine statt große Anlagen zu betreiben. Dabei blieben aber weite Teile der Dächer ungenutzt. Fördern wolle die Stadt auch ein Nebeneinander von Gründächern und Photovoltaik. Auf Gebäuden, die Kühl- und Lüftungstechnik auf Dächern hätten, müsse auch der Einbau von Photovoltaik möglich sein.

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