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Frankfurt: Aus fürs Taubenhaus

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Von: Thomas Stillbauer

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Die meisten Tauben sind schon umgezogen. Das Taubenhaus am Westbahnhof.
Die meisten Tauben sind schon umgezogen. Das Taubenhaus am Westbahnhof. © Renate Hoyer

Am Westbahnhof müssen die Vögel wegen der anstehenden Sanierung weichen. Der Verein, der den Schlag betrieb, fühlt sich im Stich gelassen.

Die Stadttaube hat es nicht leicht. Im Frankfurter Westen hat sie es ab sofort noch ein wenig schwerer: Das Taubenhaus des Vereins Stadttaubenprojekt am Westbahnhof ist seit diesem Dienstag Geschichte. Wo die Vögel künftig Unterschlupf finden, müssen sie sehen.

„Wir bauen gerade den zweiten Schlag ab“, sagt Gudrun Stürmer, die Vorsitzende des Vereins, am Montag. „Alles sehr traurig.“ Genau genommen sind es zwei Taubenschläge, je einer auf beiden Seiten des Bahnhofsgebäudes unter der S-Bahnbrücke. Den Unterschlupf zur Linken, wenn man vor dem Eingang der S-Bahnstation steht, gab es seit 15 Jahren. Der zweite auf der rechten Seite kam 2018 hinzu. Schon damals hieß es, es sei unsicher, wie lang die Tauben dort bleiben können, denn der Bahnhof muss saniert werden.

Das soll nun geschehen. „Am Frankfurter Westbahnhof werden wir voraussichtlich noch in diesem Jahr mit dem geplanten barrierefreien Ausbau der Station beginnen“, teilte eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage der FR mit. „In diesem Zusammenhang unterstützen wir bei der Umsiedlung der Tauben und stehen dazu im engen Kontakt mit dem Stadttaubenprojekt. Das gemeinsame Ziel ist es, für die Tiere ein geeignetes neues Zuhause zu finden.“

Wo das sein wird, ist unklar. Der Verein, der weitere Taubenhäuser an der Hauptwache, im Parkhaus Gericht und in Wiesbaden betreut, hat die vergangenen Tage und Wochen mit der Umsiedlung der meisten Tiere verbracht: Am Westbahnhof einfangen und nach Oberrad bringen, zum Gnadenhof des Stadttaubenprojekts. „Das kostet die ehrenamtlichen Mitarbeiter etwa 500 Stunden Arbeit“, rechnet Gudrun Stürmer hoch.

Sie will der Bahn keine Vorwürfe machen. „Was mich viel mehr ärgert, ist das Verhalten der Stadt“, sagt sie. „Da fühlen wir uns im Stich gelassen.“ Zwar habe die Stabsstelle Sauberes Frankfurt den Taubenschlag am Westbahnhof seinerzeit mitfinanziert. „Aber jetzt bekommen wir keine Hilfe.“ Dabei handele es sich gar nicht um das Problem des Vereins. „Als wir vor Jahren in Wiesbaden einen Taubenschlag abbauen mussten, hat uns dort die Stadt dabei geholfen – und eine Voliere in Oberrad gebaut“, schildert sie. „Da hieß es: Das sind schließlich nicht die Tauben der Frau Stürmer, sondern die Tauben der Stadt.“

„Wir haben uns in dieser Sache sehr eingebracht“, hält Claudia Gabriel entgegen, die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt. „Wir haben die Vereinbarungen mit angestoßen.“ So habe die Bahn etwa einen Container gestellt und den Verein beim Abbau unterstützt. „Die Kündigung war seit Monaten bekannt“, sagt Gabriel, „das lief alles fristgemäß.“ Für das Problem des Stadttaubenprojekts äußert sie großes Verständnis, aber: „Wir versuchen seit Jahren verzweifelt, einen anderen Standort zu finden.“ Es sei aber alles andere als leicht, Immobilienbesitzer zu finden, die ein Taubenhaus als neuen Mieter möchten.

Eigentlich brauche die Stadt nicht weniger, sondern mehr Taubenhäuser – das wiederholt Gudrun Stürmer seit Jahren gebetsmühlenartig. Mit dem Ortsbeirat 2 ist sie sich einig, dass weitere Standorte in den innenstadtnahen westlichen Stadtteilen dringend nötig seien. Doch es tue sich nichts in der Hinsicht. Im Gegenteil. „Unsere Volieren in Oberrad platzen jetzt aus allen Nähten“, sagt Stürmer. 200 Vögel vom Westbahnhof seien dort schon angekommen, etwa 50 müssten noch eingefangen und umgesiedelt werden. Doch auch dann seien natürlich nicht alle Tauben weg von dort. Konflikte mit der Nachbarschaft seien programmiert.

Taubenhäuser, die auch in anderen Städten von Vereinen gepflegt werden, gelten als bestes – oder gar als einzig funktionierendes – Mittel zur Eindämmung der Taubenpopulation. In den Häusern erhalten die Vögel Futter, dort hinterlassen sie auch ihre Verdauungsprodukte, und am wichtigsten: Dort legen sie ihre Eier, die das Stadttaubenprojekt gegen Attrappen aus Gips austauscht. Das alles falle nun weg, sagt Gudrun Stürmer.

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