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Nach 37 Jahren ist Schluss für den Musikbunker im Marbachweg. monika müller
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Nach 37 Jahren ist Schluss für den Musikbunker im Marbachweg. monika müller

Kultur in der Stadt

Frankfurt: Aus für den Musikbunker Marbachweg

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Bundesanstalt kündigt nach 37 Jahren den Vertrag wegen Brandschutzbedenken. Mehr als 40 Bands, Musiklehrer und Studios stehen zum Jahresende auf der Straße.

Frankfurt - Für Reinhard Hübsch und seine Band Gravity Rocks war es „ein Schock“. Joachim Schütz und seine Mitmusiker der Combo Devilkiss sind „einfach nur baff und besorgt“. Sie haben in dieser Woche die Kündigung für ihren Proberaum bekommen – so wie zig andere Bands im Musikbunker am Marbachweg im Dornbusch.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin des Hochbunkers hatte dem Hauptmieter Siegfried Blasey am 17. September gekündigt. Die Frankfurter Brandschutzdirektion habe „erhebliche sicherheits- und brandschutzrelevante Mängel“ am Bunker festgestellt, heißt es in dem Schreiben, das der FR vorliegt. Die Bima habe geprüft, welchen Aufwand es kosten würde, das Gebäude zu ertüchtigen – und dann beschlossen, „den Hochbunker aufgrund des erheblichen Risikos bei Brandgeschehen zu entmieten und die Verwertung anzusteuern“.

Musikbunker am Marbachweg in Frankfurt: Zum Jahresende müssen alle raus

Das Ganze muss jetzt schnell gehen: Der seit mehr als 37 Jahren bestehende Mietvertrag hat laut Schreiben eine Kündigungsfrist von drei Monaten – zum Jahresende müssen alle Musikerinnen und Musiker raus. Blasey soll den Bunker am 3. Januar vollständig geräumt haben und „besenrein“ übergeben. Er hat die Kündigung an die einzelnen Untermietparteien weitergegeben, mit dem Hinweis, dass mit dem Jahreswechsel niemand mehr das Gebäude betreten darf, aus Sicherheitsgründen.

„Wir haben 40 bis 50 Parteien im Gebäude“, sagt Siegfried Blasey im Gespräch mit der FR. „Drei Tonstudios gehen den Bach runter.“ Musiklehrer, auch Opernsängerinnen hätten im Bunker ihre Räume. „Ich habe 100 000 Euro investiert, ein Studio jahrelang ausgebaut und von Künstlern gestalten lassen.“ Der Hauptmieter, nach eigenen Angaben größter von insgesamt dreien, betont, der Bunker hätte durchaus weiterbetrieben werden können.

Vor Jahren seien Brandschutztüren eingebaut worden. Die Bima habe zusätzliche Vorkehrungen verlangt, etwa eine Warnanlage und eine zweite Rauchgasentlüftung. Erst kürzlich habe der Bunker neue Schlösser bekommen, am 16. September sei Schlüsselübergabe gewesen – „und am Tag darauf kriege ich die Kündigung“.

Die Bima war am Freitag nicht in der Lage, schriftlich eingereichte Fragen vom Donnerstag zu beantworten, und versprach, sich schnellstmöglich zu melden.

„Die machen den Laden dicht“, sagt Gitarrist Reinhard Hübsch, seit dem Jahr 2000 mit verschiedenen Rock- und Independent-Formationen im Bunker aktiv. „Jetzt stehen wir alle da.“ Ein Proberaum, sagt er, sei „ein ganz wichtiges Ding, eine sensible Sache, voll mit unseren Gerätschaften“. Und der Bunker sei auch ein wichtiger Ort, um Kontakt zu anderen Musikerinnen und Musikern zu halten.

Frankfurt: Terence Trent d’Arby hat einst im Marbachbunker Musik gemacht

Schwere Zeiten sieht auch Joachim Schütz kommen, ebenfalls Gitarrist in seiner Band. „Die Proberaumsuche in Frankfurt ist eine Katastrophe“, sagt er, schalldichte Räume sind von jeher Mangelware. Seit 15 Jahren ist Schütz im Bunker, Dienstag und Donnerstag sind fest eingeplante Probentage im Wochenablauf. Was jetzt werden soll? Der Hobbymusiker weiß es nicht. Er hat das städtische Kulturamt angeschrieben und um Rat gefragt.

Größen wie Terence Trent d’Arby haben einst im Marbachbunker Musik gemacht. Einige dieser Luftschutzgebäude aus Kriegszeiten waren vor Jahrzehnten vom Bund aus der Zweckbindung für den Zivilschutz entlassen und von der Stadt übernommen worden. Die Frankfurter Musikszene hatte in den 80er und 90er Jahren mit großen Festivals („Berstende Bunker“) Druck gemacht und bei der rot-grünen Römerkoalition Gehör gefunden.

„Wir sind in Schockstarre“, sagt Reinhard Hübsch und hat sich trotzdem bereits auf die Suche nach einem neuen Quartier gemacht – die Konkurrenz wird groß sein. 40 bis 50 Mietparteien suchen eine neue Bleibe. (Thomas Stillbauer)

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