Einst A661-Zubringer, dann grüne Wiese, jetzt Brache: Areal am U-Bahnhof Kalbach.
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Einst A661-Zubringer, dann grüne Wiese, jetzt Brache: Areal am U-Bahnhof Kalbach.

Stadtgrün

Aus Asphalt wird Grün – und wieder Baustelle

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die renaturierte Autobahnabfahrt Kalbach wurde erneut planiert – diesmal für die U-Bahn. Aber am Wochenende soll der Spuk vorbei sein.

Täglich wächst die Fläche, die in Deutschland für Straßen- oder Schienenverkehr reserviert ist. Wie schön, wenn es auch mal andersherum geht: Der Autobahnanschluss Kalbach an die A661 wurde im vorigen Jahr zurückgebaut, wieder mit Wiese begrünt – aber jetzt ist er plötzlich erneut eine Großbaustelle.

Wie das? Kommt etwa der Asphalt zurück, greift die Autobahn wieder Raum? Genauso wirkt die Szenerie: als würde der Weg wieder für eine Straße geebnet. Aber nein, falsch gedacht. Diesmal ist es der Schienenverkehr, der das Grün verdrängt, wenn auch nur kurz.

„Die VGF hat händeringend eine Baufläche gesucht“, sagt Jürgen Burkert vom Grünflächenamt. Zunächst sei man vom Wunsch der Verkehrsgesellschaft Frankfurt gar nicht angetan gewesen. Schließlich ist das Areal nördlich der U-Bahn-Haltestelle Kalbach und südlich des Ben-Gurion-Rings gerade erst wieder schön grün geworden. Am Ende gaben die Grünhüter dann doch nach – die Verkehrsgesellschaft fand partout keine andere Fläche mit dem benötigten Platz, um die Gleisbetterneuerung entlang der Linie U2 voranzutreiben.

„Die Fläche der ehemaligen Autobahnabfahrt wurde von der beauftragten Baufirma als Zwischenlager für Erd- und Schotteraushub genutzt“, erläutert VGF-Sprecher Bernd Conrads.

Also wurde dort gebaggert, was das Zeug hält, und riesige Lastwagen transportieren immer noch Erde und Geröll an und ab. Wie schon 2019. Da hatte das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) den Autobahnanschluss zurückgebaut und unter anderem 40 Zentimeter Oberboden aufgefüllt, um den vorgesehenen neuen Bäumen und Sträuchern genug Erde zum Wachsen zu bieten. Gesamtkosten der Arbeiten bis dahin: 400 000 Euro. Zumindest die vorausschauenden Erdarbeiten des ASE waren mit der Zwischennutzung in diesem Monat erst einmal für die Katz.

Aber: Die beauftragte Baufirma werde die Fläche anschließend reinigen und die Erde wieder so auflockern, dass das Grünflächenamt sie weiter bearbeiten kann, verspricht Conrads: „Dieses Vorgehen ist ein Teil der Vereinbarung zwischen der Firma und dem Grünflächenamt.“

„Bis Ende der Woche will die VGF da fertig sein“, sagt Jürgen Burkert. Conrads bestätigt: „Die Bauarbeiten in Kalbach enden am 2. August, und in der Nacht des 3. August fahren die Züge wieder planmäßig.“ Dann sollen auch die Arbeiten für die Stadtnatur wieder Fahrt aufnehmen: Wiesen sollen entstehen, Landschaftsgehölze gepflanzt, eine Baumallee angelegt werden. Eigentlich sollte das schon zum Frühjahr 2020 passieren, unter anderem kam Corona dazwischen – und dann die U-Bahn.

Vorgesehen sind auf der Ex-Autobahnzufahrt unter anderem elf neue Straßenbäume mit dem poetischen Namen Platanus orientalis – „Morgenländische Platane“ –, außerdem Wiesenansaat auf 1600 und Sträucher auf etwa 9000 Quadratmetern. In die Strauchpflanzungen streuen die Gärtner noch einmal etwa 40 Pflanzen ein, die sich im Lauf der Jahre zu Bäumen entwickeln dürfen: Vogelbeere, Linde, Wildapfel, Wildkirsche.

Der neue Zeitplan sieht eine Fertigstellung im Frühjahr 2021 vor. Später will die Stadt dann östlich der Autobahn noch Erweiterungsflächen für den angrenzenden Park schaffen.

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