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Frankfurt: Aufnahmestopp in der Kinderarztpraxis

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Von: George Grodensky

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Eine Kinderärztin untersucht ein Kleinkind.
Eine Kinderärztin untersucht ein Kleinkind. © Christoph Boeckheler/epd

Ärztinnen und Ärzte sind überlastet. Berufsverband schlägt Alarm.

Der Siebenjährige fiebert und hustet, läuft rot an, muss schließlich brechen. Schnell rufen die Eltern beim Kinderarzt an. Ohne Erfolg. Nicht, dass besetzt wäre oder es ewig klingeln würde. Das kennt man ja. Nein, es springt eine Ansage an, die einen Aufnahmestopp verkündet.

Es tue ihnen leid, erklärt der Arzt, es gäbe keine freien Termine mehr. Das Team sei überbelastet, die Praxis voll. Die Ansage schließt mit der Empfehlung, in dringenden Fällen die Telefonnummer 116 117 anzurufen oder sich bei der Politik zu beschweren. Zumindest dann, wenn die Eltern wollten, dass es auch in Zukunft eine Praxis mit Kinderärzten am Ort gebe.

Der Vorgang ist kein Einzelfall. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schlägt entsprechend Alarm. Der RS-Virus grassiere, auch andere schwere Atemwegsinfekte. „Die Infektwelle ist aber nicht der eigentliche Grund für die dramatische Lage“, sagt Jakob Maske, Bundespressesprecher des Verbands. „Das Debakel hat die Politik zu verantworten, die seit Jahren die Pädiatrie finanziell aushungert, uns aber gleichzeitig immer mehr Aufgaben aufbürdet.“

Kliniken sparen und dünnen die Zahl der Betten aus. „In unseren Praxen müssen wir daher zunehmend schwer kranke und chronisch kranke Kinder und Jugendliche mitversorgen.“ Ohnehin werden es immer mehr Kinder. Die Zahl der Geburten nimmt zu. Zu den Infektionskrankheiten gesellen sich die sogenannten neuen Krankheiten: Übergewicht und sozial bedingte Entwicklungsstörungen, die einen hohen Beratungsaufwand erfordern.

„Wir arbeiten durchschnittlich weit mehr als 50 Stunden pro Woche, ohne dass dies entsprechend honoriert wird“, sagt Jakob Maske. Dafür steigen die Ausgaben, etwa die Energiepreise. Die Heizung können die Praxen schlecht herunterdrehen. „Weil wir Neugeborene und kranke Kinder nicht frieren lassen können.“

Lange und stressige Arbeitstage bei fehlenden finanziellen Anreizen. Das führe dazu, dass niemand mehr den Job machen wolle, sagt Maske. Etwa ein Drittel der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte würden in den kommenden fünf Jahren in Rente gehen. Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden, sei schwierig.

Auf dem Riedberg etwa, ist die Stelle seit mehr als zwei Jahren vakant. Bei 4131 Kindern bis 14 Jahren, wie der Ortsbeirat 12 mahnt. Die Stadt möge darum Medizinerinnen und Medizinern Anreize schaffen, sich am Riedberg anzusiedeln, fordert das Gremium, etwa einen finanziellen Zuschuss bieten. Eltern müssten ins Mertonviertel, nach Bonames, gar nach Oberursel fahren.

Auch andere Ortsbeiräte mahnen unaufhörlich, es mangele im jeweiligen Ortsbezirk an Praxen. Es können nicht angehen, dass sich Eltern bereits vor der Geburt ihrer Kinder im Umland auf die Suche nach Doktor:innen mit Kapazitäten machten, heißt es etwa aus dem Ortsbeirat 7. „Es ist höchste Zeit, dass die Politik umsteuert“, sagt auch Jakob Maske. Es brauche mehr Medizinstudienplätze, Perspektiven für junge niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte und mehr Klinikbetten.

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