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Frankfurt: Aufklärung zum Thema Suizid

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Von: Sandra Busch

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Alix Puhl beim ersten Schul-Suizidpräventionstag im September 2021 in der Paulskirche.
Alix Puhl beim ersten Schul-Suizidpräventionstag im September 2021 in der Paulskirche. © Renate Hoyer

Zum zweiten Schul-Suizidpräventionstag kamen rund 230 Schülerinnen und Schülern und sprachen über Suizidprävention und mentale Gesundheit.

Das Ziel ist klar: das Thema Suizid enttabuisieren und für Aufklärung sorgen. Damit Betroffene sich frühzeitig helfen lassen. Deswegen gibt es den Frankfurter Schul-Suizidpräventionstag, der am Montag zum zweiten Mal stattfand. Rund 230 Schülerinnen und Schüler aus 32 Schulen und Vertreter:innen von Hilfs- und Präventionsinitiativen sprachen sechs Stunden lang in der Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter über Suizidprävention und mentale Gesundheit. „Wir konnten uns untereinander austauschen und vernetzen, um auch später Projekte an die Schulen zu bringen“, sagte der 18-jährige Harrison Krampe vom Stadtschüler:innenrat (SSR).

Organisiert wird der Schul-Suizidpräventionstag von SSR und Puhl Foundation. Es gab Reden von Expert:innen, aber auch Workshops. Schülerin Kalani Karakaya leitete einen solchen Workshop als Betroffene, sie war selbst suizidal. „Viele waren da, die aktiv Freunden helfen wollten“, erzählte die 20-Jährige. Die wissen wollten, wie sie helfen können, die verzweifelt nach Angeboten suchten. „Ich bin sehr dankbar, dass sie da waren. Denn als Betroffene denkt man manchmal, das sei allen egal.“

Viele wissen an Schulen nicht, wo sie Hilfe bekommen können. Auch die Lehrkräfte nicht. „Die Schulen sind da sehr unterschiedlich aufgestellt“, sagte Alix Puhl, Vorstand der Foundation. „Wenn mal etwas an der Schule passiert ist, dann bewegen sie sich oft schneller.“ Sie habe durch den Suizidpräventionstag Hoffnung, „dass das Wellen schlägt und immer mehr Leute darüber reden“.

Deshalb wurde auch eine Petition an Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Präventionstag aufgestellt. Die Forderungen unter anderem: Sozialarbeiter:innen für Schulen, Suizidprävention als Teil des Biologieunterrichts, außerdem soll sie in die Ausbildung der Lehrkräfte aufgenommen werden. Denn wie man psychische Erkrankungen erkennt – 90 Prozent der Menschen, die Suizid begehen, haben eine psychische Erkrankung –, das wissen viele Lehrkräfte nicht. Die Puhl Foundation hat dazu eine Umfrage unter 600 Lehrkräften durchgeführt. „Zwei Drittel sagten, sie hätten keine Ahnung“, sagte Oliver Puhl, Stiftungsvorstand.

Zwar gibt es an manchen Schulen auch Schulpsycholog:innen, aber „das Stigma ist zu groß, dort hinzugehen“, sagte Krampe. Die Betreffenden würden soziales Outing und Isolation fürchten.

Zum Präventionstag kamen auch Schulsprecher aus dem Umland. „Das zeigt, dass der Bedarf da ist“, sagte Karakaya. „Und wir sind Vorreiter und können von unseren Erfahrungen berichten.“

Hilfe für Suizidgefährdete und ihr Umfeld gibt es bei der Nummer gegen Kummer 116 111, bei der Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder auch bei

www.frans-hilft.de

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