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Keine Auftritte, aber schon mal eine Verkleidung: Damir Schaffitzel, der Vizepräsident.

Porträt der Woche

Der Narr, der in Frankfurt das Geld einsammelt

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Vizepräsident Damir Schaffitzel hat einen der wichtigsten Jobs im Großen Rat der Frankfurter Karnevalvereine.

Angela Merkel wird dabei sein. Und Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Figur der neuen CDU-Parteivorsitzenden wird beim Frankfurter Umzug am Fastnachtssonntag ebenfalls zu sehen sein. Aber das war jetzt fast schon zu viel verraten. Nun gut, vielleicht kann man noch schreiben, dass auch das Konterfei von US-Präsident Donald Trump am 3. März durch die Stadt fahren wird. Das ist nun wirklich keine Überraschung, ein Umzug ohne Trump ist nicht vorstellbar. Aber mehr über die Wagen beim närrischen Lindwurm gibt es an dieser Stelle nicht zu lesen

Wer mit Damir Schaffitzel in diesen Tagen durch die Wagenhallen des Großen Rates der Frankfurter Karnevalvereine unweit des Osthafens spaziert, kommt sich ein bisschen vor wie ein Autojournalist, der bei VW zu Besuch ist. Freundlich, aber bestimmt weist der Vizepräsident des Zusammenschlusses der 62 Vereine darauf hin, dass man sich zwar alles ansehen könne, aber keine Fotos machen dürfe. Und dass man bei der Beschreibung der Wagen und Figuren bitte zurückhaltend sein möge.

Damir Schaffitzel, 54 Jahre alt, gebürtiger Frankfurter ... nein, Sachsenhäuser, darauf legt er Wert, von Beruf Elektroniker mit Schwerpunkt auf Tresorbau, ein erwachsener Sohn („natürlich auch nicht im Heilig-Geist-Hospital, sondern im Schifferkrankenhaus bei uns in Sachsenhausen geboren“), Damir Schaffitzel also ist einer der wichtigsten Menschen in der Frankfurter Fassenacht. Und das, obwohl er, wie er selbst einräumt, „kein großer Vortragender und kein großer Tänzer und kein großer Sänger“ ist.

Was macht man, wenn man also keine vernünftigen Büttenreden halten kann und auch fürs Männerballett ausscheidet, aber trotzdem Karnevalist durch und durch ist, weil man vor 34 Jahren – wegen eines Gardemädchens – zur Fastnacht gekommen ist und einen „der Spaß, die Geselligkeit, der Zusammenhalt“ nicht mehr losgelassen haben? Man kümmert sich ums Geld. Schaffitzels Aufgabe im Präsidium ist klar umrissen. Er gewinnt Sponsoren und hält sie bei der Stange. Das macht er gut. Obwohl die Zeiten immer schwieriger werden, wie er erzählt.

Schaffitzel ist Fahrer des Großen Rates

Schaffitzel zeigt auf einen Mercedes, der auf dem Hof des Vereinsgeländes steht (an dieser Stelle werden jetzt einige Marken genannt, alles andere würde seinem Job nicht gerecht). In dem Wagen der Oberklasse kutschiert er in der Fünften Jahreszeit das Prinzenpaar herum, denn Schaffitzel ist gleichzeitig der Fahrer des Großen Rates. Das Auto ist so etwas wie sein Arbeitsnachweis. Darauf sind die Logos der Sponsoren zu sehen. Alteingesessene Frankfurter Firmen sind dabei wie die Kelterer von Possmann, dazu städtische Unternehmen wie die VGF und die FES. Doch, sagt Schaffitzel, er könne zufrieden sein. Die Kampagne, die „einen hohen sechsstelligen Betrag kostet“ (das meiste Geld geht für den Umzug drauf), sei gesichert.

Doch bald wird der Vizepräsident wieder Gespräche führen, damit die Kasse auch im kommenden Jahr stimmt. Er wird sich viele Absagen einholen. Zahlreiche Unternehmen hätten ihren Werbeetat schon für viele Jahre verplant, sagt Schaffitzel. Oder sie hätten das Gefühl, dass sie den Großen Rat nicht fördern könnten, ohne bei anderen Institutionen Begehrlichkeiten zu wecken. Und dass sein Verein keine Spendenquittungen ausstellen dürfe, mache seine Arbeit auch nicht einfacher. „Aber ich bin beharrlich und dabei höflich, ich komme immer wieder, und irgendwann gibt man mir das Geld“, sagt er. Auch 2020 – Schaffitzel klopft dreimal auf einen hölzernen Umzugswagen – könne der Große Rat wieder das gesamte karnevalistische Programm bieten.

Schaffitzel ist ein bescheidener Mensch. Das ist wohltuend, denn in den vergangenen Jahren war die Frankfurter Fastnacht auch geprägt von Menschen, die sehr dick auftrugen. Man sei unter den Top fünf der karnevalistischen Hochburgen, hieß es da bisweilen, und zwar nicht etwa hinter Köln, Mainz, Düsseldorf und Aachen. Die Frankfurter Fassenacht befinde sich mit dem Karneval in den Städten des Rheinlands auf Augenhöhe – wenn nicht jetzt, dann zumindest in naher Zukunft.

Von solchen Ansagen hält Schaffitzel nicht viel. „Mit diesen Städten können und wollen wir uns nicht vergleichen“, sagt er. Die Frankfurter Fassenacht sei „gemütlich“. Die Zuschreibung mag angesichts von mehr als 300 000 Zuschauern beim Umzug merkwürdig klingen, aber man ahnt schon, was Schaffitzel meint. Der Frankfurter feiert gerne Karneval und geht danach noch einen Ebbelwei trinken. Doch ein Nationalfeiertag ist keiner der tollen Tage, das ist in Köln in der Tat anders.

Von so manchen Querelen und Machtkämpfen im Großen Rat hat Schaffitzel gehört, einmal war er auch bei einer Krise dabei, zumindest am Rande. Aber das sei vorbei, der Zusammenschluss sei bestens aufgestellt, alle arbeiteten mit, alle seien füreinander da, versichert er. Und überhaupt, er wolle keine schmutzige Wäsche waschen, sondern lieber davon reden, wie breit die Fastnacht in Frankfurt aufgestellt sei. Und dann nennt er Stadtteile und dazu den jeweils wichtigsten Verein – so wie Schüler Länder und ihre Hauptstädte aufzählen: Seckbach und die Meckerer, Nied und der 1. NCC, das Gallus und die Kameruner ...

Moment, die Kameruner? Schaffitzel ahnt, was kommt. Das Gespräch wird jetzt nochmal ernst. Schließlich nannte der Verein seine Sitzung bis vor einigen Jahren noch „Negersitzung“, mittlerweile ist daraus die „Hulla Rumba Sitzung“ geworden. Schaffitzel nimmt den Verein in Schutz. Die Kameruner gebe es schon so lange, und dort finde man in den verantwortlichen Positionen bestimmt keine Rassisten, ganz im Gegenteil, man wolle dort auch niemanden beleidigen, aber der Klub heiße nun mal so, weil der Stadtteil so genannt werde. Und bei einigen Vereinen in Deutschland gehörten schwarz angemalte Gesichter eben zur Tradition.

Mag alles sein, so der Einwand des FR-Reporters, aber finde er dieses Blackfacing denn wirklich gut? Nein, sagt Schaffitzel, eigentlich nicht, damit habe es doch schon vor 20 Jahren Probleme gegeben – weil die Kameruner beim Umzug immer Oberbürgermeisterin Petra Roth geküsst hätten, und die habe dann schwarze Schuhcreme im Gesicht gehabt. Die Fastnachtsprinzessinnen seien darüber im Übrigen auch nie besonders erfreut gewesen.

Der kommende Samstag wird ein Großkampftag für Schaffitzel. Das Prinzenpaar hat da 16 Einladungen erhalten. Mehr als für jeden anderen Tag. Etwa zwölf davon könnten Selina I. und Pascal I. annehmen. Schaffitzel wird die beiden von Halle zu Halle fahren. Auch deshalb trinkt er während der Kampagne überhaupt keinen Alkohol. Danach sind es dann noch zwei Wochen bis zum Umzug, es folgen Rosenmontag, Fastnachtsdienstag, Aschermittwoch. Und dann macht sich Damir Schaffitzel wieder auf die Suche nach Geldgebern.

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