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Frankfurt auf dem Weg zur Müll-Null

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Von: Thomas Stillbauer

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Irgendjemand muss den Müll wegmachen. Noch besser, wenn ihn niemand hinterlässt.
Irgendjemand muss den Müll wegmachen. Noch besser, wenn ihn niemand hinterlässt. © Oeser

Das „Zero Waste Lab“ hat seine Arbeit am Projekt Abfallvermeidung aufgenommen. Bis 2035 soll die Restmüllmenge fast halbiert sein.

Zero Waste? Null Müll? Wie soll das gehen? Daran arbeiten seit Dienstag die Mitglieder einer neuen Allianz zur Abfallvermeidung: „Zero Waste Lab“, eine Denkfabrik. Alle, die Ideen haben, dürfen mitdenken.

„Wir wollen Zero Waste City werden“, also Null-Müll-Stadt, gab Frankfurts Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) beim ersten Treffen am Dienstag das Ziel der Allianz vor. Dafür müsse bis 2035 die Restabfallmenge pro Kopf und Jahr von derzeit 205 auf 120 Kilo gesenkt werden. „Außerdem wollen wir die Gesamtmenge an Siedlungsabfall pro Kopf und Jahr um jährlich zwei Prozent reduzieren“, sagte Heilig.

Den Weg dahin skizzieren seit Dienstag viele Partner zusammen: die Stadt Frankfurt, ihr Umweltamt und ihre Entsorgungs-GmbH FES, die Industrie- und Handelskammer Frankfurt/ Rhein-Main, die Fachhochschule, die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, das Institut für sozial-ökologische Forschung und der Ernährungsrat Frankfurt. Sie alle erweiterten mit ihren Netzwerken den Einflussbereich des Projekts erheblich, sagte FES-Sprecher Stefan Röttele.

Die Fachleute im Gremium müssen nicht allein auf die Lösung kommen – sie prüfen unter anderem Vorschläge aus der Gesellschaft, vermitteln Kontakte, kurbeln an. Die FES organisiert und finanziert das Ganze.

Ein „ehrgeiziges Ziel“ nannte Stadträtin Heilig, was sich Frankfurt vorgenommen habe. Dafür sei Überzeugungsarbeit nötig: „Ich frage mich immer: Warum nehmen Leute keine Rücksicht auf ihr Wohnzimmer Frankfurt?“ Sie sei aber überzeugt, mit dem Zero Waste Lab das Ziel einer Zero Waste City zu erreichen. Ihr schwebe etwa ein „Quartierspreis“ vor – für den saubersten Stadtteil, als Motivation. Heilig will auch künftig bei wichtigen Etappen des Gremiums persönlich anwesend sein.

Bevölkerung mitnehmen

FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler sprach davon, „kreative Potenziale zu heben“, Ideen zu bündeln und Projekte anzuschieben, die Frankfurt auf dem Weg zur Müll-Null helfen. Die FES habe dafür mit erfolgreichen Großprojekten bereits Erfahrungen gesammelt, etwa mit dem Pfandsystem „Mainbecher“ oder mit „Reyours“, das funktionsfähige Elektroaltgeräte annimmt und weitergibt. Die FES bringt unter anderem ihr Netzwerk von 415 ehrenamtlichen Sauberkeitspatinnen und -paten ein, die den Gedanken der Abfallvermeidung in die Bevölkerung tragen. „Das größte Projekt wird sein, die Bürgerinnen und Bürger abzuholen“, sagt FES-Projektleiterin Flora Matani. Auf sie komme es schließlich an.

Beteiligen am Lab kann sich jede und jeder: Die Internetseite www.zerowaste-lab.de sammelt bereits Vorschläge. Da war am Dienstag beispielsweise der Vorschlag „Cash for Trash“ zu lesen, also Belohnung für jene, die ehrenamtlich Müll im öffentlichen Raum sammeln, etwa verbunden mit einem Spielgedanken und einer App.

Eine andere Ideengeberin regte ein Leih- und Verschenksystem für Dinge an, die meist ungenutzt in Kellern liegen. Alle Vorschläge will das Lab auf Tauglichkeit prüfen.

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