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Frankfurt: Auf dem Sattel zu mehr Freiheit

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Von: George Grodensky

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Noorsaba schiebt ihr Fahrrad.
Noorsaba schiebt ihr Fahrrad. © Stefanie Kösling/Stadt Frankfurt

Der Verein Bike Bridge macht Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen mit dem Fahrrad vertraut.

Franziska Freudenreich hat eine klare Vorstellung von ihrem Ehrenamt. „Unser Wunsch ist es, die Bewegungsfreude der Frauen zu wecken und ihnen Freiräume zu geben, etwas Neues zu lernen und anderen Menschen zu begegnen“, sagt sie. Freudenreich ist Koordinatorin bei Bike Bridge in Frankfurt. Der Name des Vereins legt nahe: Es geht darum, mit dem Fahrrad Brücken zu bauen. Näher anschauen kann man sich das am Samstag auf der Frankfurter Ehrenamtsmesse im Römer an Stand 13.

Gegründet wurde Bike Bridge 2015 in Freiburg. Studentin Shahrzad Enderle war in einer Unterkunft für Geflüchtete aufgefallen, dass in den Außenbereichen vor allem Männer und Kinder zu sehen waren. Die Frauen hielten sich drinnen auf. Deswegen wollte sie die Frauen in einem Projekt zusammenbringen, das nicht nur Freude und soziale Kontakte ermöglichte, sondern die Teilnehmerinnen auch mobiler macht: per Pedale.

Das Konzept ist aufgegangen, inzwischen gibt es Ableger in vielen größeren Städten in Deutschland, seit 2019 auch in Frankfurt. Frankfurt-Koordinatorin Freudenreich setzt zusammen mit Mitstreiterin Elisa Garbitz auf ein Team von etwa 20 Trainerinnen, die mal mehr, mal weniger viel Zeit haben. Die Fahrräder sind teilweise selbst gekauft, teilweise gespendet. Das Konzept wollen die Frankfurterinnen noch ein bisschen entwickeln. Richteten sich die Kurse ursprünglich an Frauen in Flüchtlingseinrichtungen, soll es nun auch die erreichen, die bereits fest in den Stadtteilen leben.

Zum Training gehört natürlich das Fahrradfahren. Aber manche Teilnehmerin hat noch nie auf so einem Zweirad gesessen. Deshalb geht’s im praktischen Training ganz langsam los, mit Gleichgewichtsübungen und Koordinationstraining. Womöglich sogar erst auf Rollern oder Laufrädern, später dann mit dem Fahrrad. Anfahren, Kurven, Abbiegen, Schulterblick. „Ideal ist eine Eins-zu-eins-Betreuung“, sagt Freudenreich. Erfahrungsgemäß übten die erwachsenen Frauen auch lieber mit Trainerinnen als mit Männern. Theorieteil, Radtouren und Reparaturworkshops runden das Angebot ab.

Der Kurs bietet auch erlebnispädagogische Elemente und Sprachspiele. Die Gruppe lernt sich kennen, man tauscht sich aus und wächst im besten Fall zu einer Gemeinschaft zusammen. „Fahrradfahren bedeutet mehr Mobilität, Lebensqualität und Freiheit für die Frauen“, sagt Freudenreich. Sie würden unabhängiger und selbstständiger. Und: „Hier werden sie nicht nur mobiler, sondern finden auch neue Freundinnen und lernen viele Frauen kennen, die in ähnlichen Situationen leben wie sie.“

www.bikebridge.org

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