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In der B-Ebene des U-Bahnhofs Eschenheimer Tor können Menschen übernachten, die sonst keinen Schlafplatz finden. Foto: Peter Jülich
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In der B-Ebene des U-Bahnhofs Eschenheimer Tor können Menschen übernachten, die sonst keinen Schlafplatz finden.

Obdachlosigkeit

Frankfurt: Auch Obdachlosen geht es durch Corona schlechter

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Etwa 60 Menschen schlafen nach offiziellen Angaben in Frankfurt auf der Straße. Doch ihre genaue Zahl kennt niemand – und ein Experte beobachtet, dass immer mehr Obdachlose psychisch erkrankt sind.

Der Feueralarm kam am frühen Dienstagabend. Kurz vor 18 Uhr wurde die Feuerwehr zu einem leerstehenden Haus am Danziger Platz im Ostend gerufen, weil es dort in einem Zimmer brannte. Ein großer Einsatz wurde es letztlich nicht. „Nach zehn Minuten war das Feuer aus“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr der Frankfurter Rundschau. In dem Haus habe lediglich etwas Unrat gebrannt, angetroffen habe man vor Ort auch niemanden.

Obwohl der Fall damit für die Feuerwehr erledigt ist, wirft der Brand ein aktuelles Schlaglicht auf die Realität im winterlichen Frankfurt, wo die Nächte jetzt frostig werden. Eine Polizeisprecherin bestätigte der FR am Mittwoch, dass das leerstehende Haus schon länger von Obdachlosen als Schlafstätte genutzt wird. In dem Zimmer, in dem es gebrannt habe, hätten sich Kleidungsstücke und Küchenutensilien befunden. „Entweder man hat ein Feuer gemacht, um sich aufzuwärmen, oder man hat versucht etwas zu kochen“, sagte die Sprecherin. Die Polizei gehe derzeit von fahrlässiger Brandstiftung aus.

Voitl: Genug Platz für alle

Obdachlose Menschen, die in einem leerstehenden Haus vor der Kälte flüchten – oder wie in den vergangenen Jahren in selbstgezimmerten Bretterhütten oder irgendwo im Wald schlafen. Wenn es nach der Stadt Frankfurt geht, bräuchte es solche Not in der Bankenmetropole nicht zu geben. Die Obdachlosenhilfe in Frankfurt sei sehr flexibel, betont Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) gegenüber der Frankfurter Rundschau. „Es gibt für jeden Menschen in Frankfurt ein Dach über dem Kopf“, so die Dezernentin.

Manche Menschen könnten oder wollten die Hilfsangebote aber nicht wahrnehmen, so Voitl. Umso wichtiger sei es, dass die Bürger:innen gerade während der Feiertage auf obdachlose Menschen achteten und im Notfall den Kältebus des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten verständigten. „Schauen Sie hin und holen Sie direkt Hilfe, falls es so wirkt, als ist jemand in Not oder ungeschützt in der Kälte liegt“, appellierte die Dezernentin.

Christine Heinrichs vom Verein für soziale Heimstätten sagte der Frankfurter Rundschau, im aktuellen Winter lägen die Zahlen obdachloser Menschen auf dem Niveau der Vorjahre. In der Nacht auf Montag habe das Team vom Kältebus 60 Menschen gezählt, die auf der Straße übernachtet hätten, 124 hätten die Notschlafstelle im U-Bahnhof Eschenheimer Tor genutzt. Weitere 15 Menschen hätten die Nacht in Notunterkünften von Caritas und Diakonie verbracht.

Insgesamt 60 Menschen im Freien seien etwa die übliche Anzahl, so Heinrichs. „Das sind die, die nur schwer erreichbar sind.“ Gerade psychisch kranke Obdachlose täten sich schwer damit, in eine Unterkunft zu gehen. Das habe auch damit zu tun, dass man etwa in der Notunterkunft im Ostpark nur Zweibett-Zimmer habe und auch psychisch kranken Menschen keine absolute Ruhe versprechen könne. „Sinnvoller wäre natürlich, wir hätten nur Einzelzimmer“, so Heinrichs.

Auch Jürgen Mühlfeld, der Leiter des Diakoniezentrums „Weser 5“ im Bahnhofsviertel, glaubt nicht, dass mehr Menschen auf der Straße seien. Man beobachte aber, dass immer mehr obdachlose Menschen psychisch auffällig seien und es den bereits kranken durch die Pandemie schlechter gehe. Man habe im Tagestreff teils mit psychisch kranken Menschen zu tun, die selbst die Maskenpflicht nicht einhalten könnten und letztlich des Hauses verwiesen werden müssten. „Das beobachten wir auch im Bahnhofsviertel“, so Mühlfeld.

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