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Frankfurt: Arme Sauen

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Von: Thomas Stillbauer

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Kennen keine Grenzen mehr: Wildschweine.
Kennen keine Grenzen mehr: Wildschweine. © Rolf Oeser

Hunger treibt die Wildschweine in die Stadt. Der Klimwandel gaukelte ihnen ein trügerisches Nahrungsangebot vor.

Die Wildschweine haben Hunger. Und wer Hunger kennt, der weiß: Da tut man schnell mal Dinge, die man normalerweise nicht tun würde. Die Wildschweine beispielsweise: dringen ins Schwanheimer Stadtgebiet vor, das eigentlich Menschen vorbehalten ist. Na gut, und Hunden.

Vermehrt seien in Schwanheim in den vergangenen Wochen Wildschweine gesichtet worden, meldet die Abteilung Stadtforst des Grünflächenamts. „Neben den waldnahen Grünstreifen entlang der Rheinlandstraße sind zunehmend auch tiefer im Ortsteil gelegene Grünflächen betroffen.“

Ursache des schweinischen Wagemuts: Die Bäume haben im Herbst kaum Eicheln oder Bucheckern abgeworfen. Der Tisch der Tiere ist schlecht gedeckt. „In den vergangenen drei Wintern hatten wir im Stadtwald ausreichend Futter“, erklärt Stadtforst-Chefin Tina Baumann, „da die Bäume als Reaktion auf den Trockenstress extrem viele Samen produziert haben.“ Wie in der Natur üblich, steigt bei sattem Nahrungsangebot der Bestand, die Wildschweine hatten ordentlich Nachwuchs – um schließlich festzustellen: Die fetten Jahre sind vorbei. Plötzlich Hunger.

Stadtjäger im Einsatz

Die knurrenden Wildschweinbäuche zu füttern komme nicht infrage, sagt Baumann. Das würde wieder zu falschen Erwartungen und noch mehr wilden Ferkeln führen. Die Zeit werde helfen: „Erfahrungsgemäß ziehen sich die Wildschweine wieder in den Wald zurück, sobald im Frühjahr junge Pflanzen wachsen und Würmer und Insekten in die oberen Bodenschichten ziehen und somit das Futterangebot im Wald zunimmt.“

Was machen Schwanheimerinnen und -heimer solange? Ruhe bewahren. Schwarzkittel seien im Prinzip nicht angriffslustig, versichert das Grünflächenamt, rät aber dennoch dringend, die Tiere in Ruhe zu lassen. In die Enge getrieben, könne ein Schwein sehr unangenehm werden. Hunde gehen besser an der Leine. Und: nicht füttern!

Apropos in die Enge getrieben: Der Stadtforst wird nun im Wald zusätzlich Wildschweine jagen. Auch innerhalb der Bebauungsgrenzen und am Waldrand setzt die Untere Jagdbehörde des Ordnungsamtes speziell geschulte Stadtjäger ein. Der Abschuss einzelner Tiere soll die Rotte vergrämen. Da sieht man wieder: Der beste Klimawandel taugt nix, und am Ende ist das Wildschwein wieder die ärmste Sau.

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