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Auch an der Holzhausenstraße, als wär’s schon fast Herbst.
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Auch an der Holzhausenstraße, als wär’s schon fast Herbst.

Stadtnatur

Frankfurt: Arme Kastanie

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Blätter des Lieblingsbaums werden schon wieder braun – es geht ihm nicht gut an unseren Straßenrändern. Wie lange werden wir die Kastanie noch in der Stadt sehen?

Traurig, traurig: Die Blätter der Kastanienbäume werden schon wieder braun. Und so langsam müssen wir uns wohl an den Gedanken gewöhnen, dass nicht mehr viele Kindergenerationen Kastanien sammeln und Figuren daraus basteln werden.

„Die vergangenen Hitzesommer haben den Kastanien zugesetzt“, sagt Julia Krohmer, Botanikerin und Wissenschaftsvermittlerin bei Senckenberg. „Und die Miniermotte ist dieses Jahr später dran, aber auch noch da.“

Da ist sie sich einig mit Hilke Steinecke, der Kustodin im Palmengarten. Entlang der Bockenheimer Warte, aber auch an anderen Stellen in der Stadt hat sie die frühe Braunfärbung der Blätter wahrgenommen, lang vor dem Herbst. Auch naturverbundenen Bürgerinnen und Bürgern fällt das schwindende Blattgrün auf.

„Diese Bäume sehen jedes Jahr schlecht aus“, sagt Steinecke. Der gegenüber den Vorjahren verhältnismäßig nasse und kühle Sommer 2021 hat daran nichts geändert. Die Gewöhnliche Rosskastanie stamme vom Balkan, erklärt die Fachfrau aus dem Palmengarten. „Sie wächst dort in Schluchten, wo es feucht ist. Für Stadtbäume sind die Verhältnisse völlig anders.“

Zum für Kastanien unfreundlichen Klima kämen noch Schadstoffe der Autos und im Winter das Streusalz hinzu. „Vieles, was wir in der Stadt haben, schädigt die Straßenbäume, das ist absoluter Stress“, sagt Steinecke. Die Kastanie sei inzwischen keine gute Wahl mehr für den Straßenrand. Eine bittere Erkenntnis. Immerhin ist die Kastanie eine der Baumarten, die auch für Laien besonders leicht zu erkennen sind. Die fünffingrigen Blätter, die charakteristisch aufragenden Blüten - und natürlich vor allem die stacheligen Kapselfrüchte, die im Herbst zu Boden fallen und ihren Schatz freigeben: die dicken braunen Samen, die alle Welt Kastanien nennt. Wie kaum etwas anderes liegen sie in der Hand. Man kann sie werfen, lustige Zeitgenossen daraus basteln – und bestimmte Sorten kann man sogar essen. Wenn nicht gerade Pandemie ist, nimmt ein rheinland-pfälzischer Süßwarenhersteller gesammelte (nicht essbare) Kastanien von Kindern entgegen und tauscht sie gegen (essbares) Naschwerk. Was für ein herber Rückschlag wäre es, diese Bäume zu verlieren. Und wem fällt nicht der Biergarten der Eschersheimer Gaststätte „Drosselbart“ ein, den einst prächtige Kastanien beschützten und beschatteten. Vorbei die Zeit, dahin die glücklichen Tage und Abende.

Vögel kommen zu Hilfe

„Jeder kennt die Kastanie, auch ihre schöne Blüte“, sagt Hilke Steinecke. Und dennoch: „Wir sollten sie in der Stadt nicht nachpflanzen. Da gibt es geeignetere Bäume.“ Die Kastanie, einst majestätische Wache in Reihen auf Alleen und Schlösser-Zufahrten, jetzt muss sie sich mit der Miniermotte plagen, auch wenn das Viech nicht mehr ihr größtes Problem ist. Vögel haben die Raupen des kleinen Falters inzwischen auf ihren Speisezettel genommen.

Vorsicht ist dennoch geboten. Das Kastanienlaub gilt es nicht auf den Kompost zu werfen, sondern im Herbst separat zu sammeln und zu verbrennen. Das ärgert die Motte und hilft, das geliebte Kastanienprasseln vielleicht noch ein Weilchen länger bei uns zu behalten.

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